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Persönlichkeit, zur unumschränkten Gebieterin, ja zum eigentlichen Familienhaupte."

Und doch schloß Ihr Vater die bürgerliche Ver­bindung?"

Ulrich blickte dükler vor sich hin.

Kennen Sie die näheren Umstände dieser Hei- rath"?" fragte er plötzlich.

Mein Onkel erzählte mir erst heute davon, al» er mich zur Theilnahme bei Ihrer Rettung auffor­derte. Er meinte, daß solche» zum besseren Ver- ständniß der Situation nothwendig sei."

Um mich milder zu beurteilen und ein wenig Sympathie für mich zu erwecken", lächelte Ulrich melancholisch.Daran erkenne ich da» goldene Herz meine» alten Freunde». Nun sehen Sie, Doktor!" fuhr er ruhiger fort,mein Vater trat mit der vollendeten Thatsache vor Tante Irmgard hin, mit der leisen Andeutung seiner finanziellen Lage und der glorreichen Wiederbelebung de» alten Glanze», welche Argumente natürlich durchschlugen. Ec war eben selbstsüchtiger al» Tante Ulrike, welche daraus die heilsame Lehre hätte ziehen sollen, daß auch Tante Irmgard'» Despotismus zu besiegen ge­wesen wäre."

Egon nickte lebh ft und lenkte dann die Unter­haltung in andere Bahnen, indem er von feinen Reisen erzählte und auch Ulrich dazu veranlaßte, von der eigenen Vergangenheit ein lebendige» Bild zu entwerfen, da» allerdings recht viele trübe Schatten­seiten menschlichen Eiend» aufwie».

12.

Am nächsten Morgen hielt eine Droschke vor dem Hause des Tellkamp, aus welcher ein eleganter Herr im Reisemantel sprang» und sofort die Klingel zog. Während er wartete, musterte er die Häuser­reihe und die Vorübergehenden, die ihn neugierig anstarrten.

Ja diesem Augenblick schritt auch der Deiectiv Thorsen vorüber. Er warf einen scharfen Blick auf den vor der Thür herrenden Herrn, der ihn gleich­gültig mit den dunklen, hochmüthig blickenden Augen streifte und ging dann langsam weiter, dem Ge­danken nachgrübelnd, wo er dieses Gesicht schon gesehen. Als er sich wieder umwandte, um den Herrn noch einmal in Augenschein zu nehmen, war derselbe bereits im Hause verschwunden. Thorsen ging, seinen Schritt beschleunigend, kopfschüttelnd weiter,

Hätte er gewußt, wer der Mann war, welcher jetzt im Salon der Regierungsrälhin Dörner stand rrnd vom Major herzlich begrüßt, den Damen al« Freiherr Ulrich von Jmmendorf vorgestellt wurde!

Die Regierungsrälhin war von der eleganten Erscheinung de» jungen Manne», den sie verächtlich ein mauvais sujet genannt, ganz frappirt und ver­wirrt, sie begrüßte ihn mit der ausgezeichnetsten Artigkeit und ersuchte ihn, als er den Major um feine Vermittlung mit dem ihm in Folge früherer Zerwürfnisse entfremdeten Vaterhause bat, ihr«

i Gastfreundschaft nach Belieben zu benutzen, war dem | innerlich trtumphirenden Tellkamp ein Lächeln entlockte.

Ich danke Ihnen von Herzen, gnädige Frau!" | versetzte Ulrich, ihre Hand an seine Lippen ziehend, iIch werde diesen ersten Freundes-Gruß in der Hei- f math niemals vergeffen. Doch möchte ich den Herrn 1 Major bitten, mich sofort unter diesem erhebenden s Eindruck Ihres Empfang« zu meiner Familie zu be» gleiten. Es drängt mich, das Haus meiner Väter \ zu betreten, wie Odysseus nach langer Irrfahrt den Liebergruß einer verwandten Seele zu empfangen."

Sein Blick schweifte bei diesen Worten zu Mazda i hinüber, die etwa» abseits im Hintergründe stand 1 und ihn forschend betrachtete.

|Ah", fuhr er, sich vor dem jungen Mädchen

! tief verbmgend, lebhafter fort,ich sagte Ihnen be- ' reit« von meiner Bekanntschaft mit Herrn Doktor - Dörner, er erzählte mir gestern» als ich ihn in t der Residenz traf, daß meine Schwester Hedwiga ; mit Fräulein Magdalena Rosen innige Freundschaft i geschloffen, gewiß darf ich Sie al« diese Freundin f begrüßen, mein Fräulein?"

Tief erglühend verneigte sich Magda, ohne ein * Wort der Erwiderung zu finden, werbalb die Regie« ! rungsräthin sich bewogen fand, für sie die Antwort i zu übernehmen und dem Hrrn Baron die Verstche- ; rung zu geben, daß sie da« gnädige Fräulein wie \ ihre eigene Tochter liebe und daß die beiden jungen ! Damen ein Herz und eine Seele wärm, was Ulrich mit großer Genugthuung zu erfüllen schien.

Nachdem er versprochen, den Abendthee bei der : Frau Regierungsrälhin einzuriehmrn, empfahl sich Ulrich und verließ mit dem Major das Haus. L-tz- i lerer Halle den Brief feines Reffen bereits von jenem ! empfangen und gelesen und war somit hinreichend instruirt, um dem Plane gemäß zu reden und zu ! handeln. Mit inniger Freude und Genugthuung be« i trachtete er den jungen Freiherrn, der jetzt im Gefühl \ feinet wiedergewonnenen Stellung so stolz und sicher an seiner Seit- schritt, al» habe er nie die düstere ! Kehrseite de» Leben« kennen gelernt, niemals mit der i Hefe der Menschheit verkehren müssen.

Tellkamp gewann die beruhigende Ueberzeugung, ! daß wirkliche Bildung und angeborener Seelenadel ! durch keine schmutzige Berührung, keine erniedrigende 1 Stellung jemals zur Gemeinheit und Entäußerung ! der sittlichen Würde herabsinken könne.

Ulrich, welcher sich auf Egons Rath in der Refl- I denz mit einem eleganten Lorgnon versehen hatte, ° trug dasselbe jetzt mit der nachlässigen Grazie de« Vollblut - Aristokraten und plauderte so leicht und sicher mit dem Major, daß da» schärfste Auge nicht den gestrigen Menschen in ihm erkannt oder e« nur gewagt haben würde, ihn mit einem solchen Verdacht zu beleidigen.

Plötzlich blieb der Major stehen und blickte auf seine Uhr.

Hm, da» ist fatal", brummte er,Egon erinnert mich in seinem Schreiben an den Staatanwalt, um sein gegebene» Ehrenwort einzulösen. Richtig, richtig,