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heutige Zeitung über ihn berichtete. Auch ich wurde einst das Opfer eines schurkischen Landsmannes, der mich um werthvolle Manuscripte und Sammlungen brachte, einen Gelddiebstahl hätte ich ihm eher vergeben."

D, sicherlich", rief Ulrich theilnehmend,was bedeutet dagegen John Walters Raub? Wie trau­rig, daß die Früchts mühsamer und gefahrvoller Forschungen der Welt so gänzlich verloren gegan­gen sind."

Das ist nicht gesagt", lächelte Egon melancholisch, vielleicht kommen dieselben über kurz oder lang mir wieder zu Gesicht al« fremder Federschmuck eines Strauchdiebs. Doch lasten wir dar, mein bester Jmmendorf, bleiben wir bei Ihnen und der erfreu­lichen Thatsachs, daß Ihre Gegner, ich meine die Polizei und jenen John Walter, keine Ahnung von Ihrer Identität haben."

Wenigstens bis jetzt noch nicht", seufzte Ulrich, aber, mein lieber Drkcor, haben Sie nicht die Möglichkeit erwogen, daß John Walter am Leben bleiben, wieder genesen, mich einer Tags erkennen und als Ulrich Jmmendorf vor Gericht schleppen kann?"

O, darauf wollen wir'« ankommen lasten", meinte Egon,denn bis dahin würden Sie längst mit mir auf dem Weltmeer schwimmen. Ich werde noch heute Abend einen Instruction«drief an Onkel Tellkamp schreiben, den Sie ihm übergeben und dann Glückauf zur Rückkehr in die Gesellschaft, um al« nunmehriges Familien Oberhaupt die Ihnen zu- kommende Stellung zu behaupten. Haben Sie dazu festen Muth und Willen?"

Ja, beim Himmel, das habe ich", versetzte Ulrich ohne Zögern,hier meine Hand darauf, Freund I Wenn jener Schurk- am Leben bleibt, was ich trotz alledem um meiner Ehrs willen hoffen und wünschen muß, so schwöre ich', nicht eher zu ruhen noch zu rasten, bis Adam Sturms Name von jedem blutigen Makel gereinigt, bis der räuberische Bube völlig entlarvt ist, da er allein außer mir die genaue Thatsachs kennt."

So sei es", stimmte Egon, sein Gla« erhebend, bei,trinken wir auf die Genesung de» Schurken John Walter I"

Sie stieben an und leerten ihre Gläser, um dann mit festem Händedruck ihre Freundschaft zu besiegeln.

Apropos", sprach Egon, nachdem er dem Kellner geklingelt und noch einige Flaschen Wein hatte brin­gen lassen,Ihre schöne Stiefschwester ist eine Her­zensfreundin unserer kleinen Magdalene, haben sich, glaub' ich, in der Pension kennen und lieben gelernt."

Backfisch-Freundschaften!" warf Ulrich etwas spöttisch hin.

Nun ja, mein Liebster, wir waren auch einmal in jenem Alter, das man beim Masculinum recht bezeichnend die Flegeljahre nennt, cm Fehler, der sich mit jedem Jahre zu verbessern pflegt. Ihrs

Schwester darf immerhin auf Hochachtung Anspruch machen, Ulrich I"

Gewiß darf sie das", versetzte jener sehr ernst, Hedwiga besttzt meine volle brüderliche Verehrung und Liebe, rodl sie in m!r nicht den Bruder, den sie Anfangs nicht erkannte, sondern nur den Un­glücklichen, Hülfesuchenden sah und demgemäß ihrem edlen Herzen folgte, sie gleicht darin der vortrefflichen Tante Ulrike."

Ja, sie ist wunderbar", sprach Egon, träumend vor sich hinblickend,glückselig der Mann, der diese schöne Menschenblume sein eigen nennen darf."

Ulrich blickte ihn von der Seite an, stieb eine Dampfwolke und damit einen lnsen pfiffigen Ton aus.

Hm", meinte er dann,an Bewerbern wird'» der schönen Hedwiga nicht fehlen, denn abgesehen von ihrer Persönlichkeit, besitzt sie auch, wie Tante Ulrike mir mittheilte, ein recht ansehnliche; Vermögen, da» ihr vom Großvater mütterlicherseits sicher gestellt worden. Selbst das Imme dorf'sche Haus gehört der schönen Erbin.'

Egon schaute verwundert auf.

, Unmöglich!" rief er kopfschüttelnd,wie konnte Ihr Vater eine solche Ungerechtigkeit begehen?"

O, ganz einfach", lächelte Ulrich,mein Vater mußte ernten, was er gefäet, zulasten, was er nicht zu hindern vermochte. Hedwiga'» Vermögen stützte das Hau» Jmmendorf, bewahrte es vor einem schmäh- lichm Fall. Sie sehen, lieber Dörner, daß meine schöne Stiefschwester da» eigentliche Haupt unserer Familie ist, nicht ich, der heimathlose Bettler."

Das Unglück macht Sie ungerecht und bitter, lieber Ulrichversetzte Dörner,was würde Hed­wiga zu Ihren Worten sagen? Was Tante Ulrike? Ich denke mir, daß diese beiden vortrefflichen Wesen stch glücklich schätzen werden, einen wirklichen Beschützer zu erhalten."

Hoffen wir es", seufzte Ulrich,wenn nur die Vorstellung bei Tante Irmgard erst standesgemäß vollzogen wäre. Ich wette darauf, daß sie von ihren Ansichten und verknöcherten Vorurtheilen noch kein Jota aufgegeben hat und mich mit ihrem pein­lichen Stander-Verhör zur Verzweiflung bringen wird, ja bin fest davon überzeugt, daß ste, vom finanziellen Stand der Dinge unberührt, erbarmungslos Hed­wiga'» Leben« glück vernichten würde, wie sie es bei Tante Ulrike gethan, fall» dasselbe mit ihren An­sichten nicht vollständig übereinsttmmte."

Hoffentlich wird Fräulein Hedwiga die für den Menschen nothwendige Dosis Selbstliebe besitzen, und nicht den vrrknöchertsten Vorurtheilen, dem herzlosesten Egoismus ihr und Anderer Lebensglück zum Opfer darbringen", bemerk e Egon erregt.

Ach, Sie kennen die Tante Irmgard nicht", lachte Ulrich bitter ouf,die Gute führte stet« ein ganzes Arsenal wirksamer Geschosse auf, die jeden Widerstand niederschmetterten. Ihr trauriges Schick­sal, die zarte Constitution, welche keine Opposition vertrug, da» Alle» machte sie zur unverletzlichen