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Gefühle zu verrathen, dir ihn innerlich bestürmten, j Er hörte auch das Bedauern einiger Mitglieder, daß Frieda stch heftiger Kopfschmerzen wegen zurück­gezogen habe. Es fiel ihm ja nicht ein, daß sein durch eine plötzliche Eifersucht verändertes Gesicht Frieda's augenblickliche Verstimmung erregt hatte, die verscheucht worden wäre, sobald er sich nur in der Pause sofort ihr genähert hätte. Er wiederholte sich aber in jeder Minute, daß etwas Außerordent- liches geschehen sein müsse, und es könne eben nichts Anderes sein, als daß das Interesse, was sie ihm bisher gezeigt, auf den schönen, ritterlichen und adligen Herrn von Stolzenberg übergegangen sei.

Die Probe war endlich zu Ende. Langenbach faßte Siegfried unter den Arm und sagte:

Kommen Sie, Freund, wir wollen jetzt meinen Tanten einen Besuch abstatien, ich habe mich er­kundigt, das Souper beginnt erst um neun Uhr, wir haben also noch eine halbe Stunde Zeit."

Wollen Sie nicht lieber allein gehen, Langen­bach?"

Keine Idee! Ich weiß, Sie sind in diesem Augenblick nicht dazu aufgelegt, aber desto mehr fühle ich mich verpflichtet, Sie so viel wie möglich zu zer­streuen. Sie sehen so gedrückt aus, da muß irgend etwas passtrt sein."

Nach diesen Worten zog er ihn fast gewaltsam mit sich fort.

Ich muß all' meine Hoffnungen begraben!" er­widerte Siegfried.

Was ist denn geschehen?"

Es ist zu Ende. Frieda war nicht da, als wir kamen. Gleich darauf sah ich sie mit Herrn von Stolzenberg den Weg heraufkommen, aber ich sah in derselben Minute, daß hier ein inniges Verhält- niß sich angebahnt, welcher entweder schon bis zu einer Verlobung gediehen oder doch dahin führen wird. Frieda ist in der letzten Woche fast täglich auf Fichtenberg gewesen."

Woher wissen Sie das?"

Frau von Barsen erzählte es vorhin ganz zu- fällig. Und darauf, wie empfing sie mich so kalt und frostig, ja fast unfreundlich! Kein weiteres Wort sprach sie mit mir, mit vornehmen Gesicht wandte sie sich ab und begrüßte die Damen. Und als Herr von Stolzenberg diesen Empfang sah, lächelte er spöttisch. Sie wird ihm wohl gesagt haben, daß sie mit mir ein wenig gespielt. Ich werde diesen Verlust nie überwinden!"

«Ach, das meint man in solchen Augenblicken, aber seien Sie versichert, es wird Alles überwunden."

Mir ist Alles gleichgültig jetzt, und glauben Sie mir, Langenbach, finden wir heute Abend den Kasten nicht, so ist auch das mir gleichgültig; hatte er für mich doch im Grunde weiter keinen Werth, als daß er in den Augen Wolters den Besitzer etwas ebenbürtiger erscheinen lassen sollte."

Es freut mich, Rohdenberg, daß Sie sich auf alle Eventualitäten gefaßt machen."

Die beiden Freunde waren während dieses Ge­

spräches bis zum Jägerhäuschen gekommen. Ein großes Hirschgeweih über der Thür rechtfertigte den Namen, wenn gleich schon seit vielen Jahren kein Jäger mehr in dem Hause gewohnt hatte. Es war m Schweizerstyl erbaut und so klein, daß wohl kaum e eine Familie, wenigstens keine große, darin Platz zefunden hätte.

Als die Freunde eintraten, faß Frau Schmidt an einem Pianino und Augusts Brandt in der Ecke des Sophas mit weiblicher Handarbeit beschäftige. Allerdings verriethen einige scharfe Linien im Gesicht der Sängerin die aurgestandenen langjährigen Selben, aber die früher so bleichen, eingefallenen Wangen hatten stch bereits mit einem zarten Roth überzogen und waren bedeutend voller geworden. Die matten Augen hatten wieder Glanz erhalten, die Haltung war nicht mehr gebückt und aus dem Antlitz war der herbe, verbissene Zug fast gänzlich geschwunden. Daß Frau Schmidt sehr schön gewesen sein mußte, war an den großen Augen, dem Schnitt der Nase und dem kleinen Munde noch jetzt zu erkennen.

(Fortsetzung folgt.)

Gin Imuenopfer.

Erzählung von Karl Schmelinz.

(Schluß.)

Die Gräfin begab stch mit ihren Begleiterinnen auf einen Platz, wo Sänften zu haben waren. E n solches Transportmittel jener Zeit für Personen ward bestiegen und die Gräfin gab den Trägern dis nöthigs Direction. Es lag im Plane der Dame, daß jenes Transportmittel mit in den inneren Gefängnißhss, unmittelbar vor die Thüre des Gefängniß-Gebäudes kam. Dies gelang auch ohne Schwierigkeit. Das innere Gitter ward passtrt. Ein Gesängnißbeamter erschien zum Empfang der Damen und die Tochter der Gräfin überreichte dem Manne die Erlaubnißkarte. Nach kurzer Prüfung derselben ging der Beamte voraus, um die Angekommenen zu der von dem Grasen bewohnten Zelle zu führen.

Die Gräfin schwankte den Gang wie eine ge­brochene Person entlang. Die Gouvernante und ihre Tochter unterstützten sie von beiden Seiten. Die Gräfin schluchzte heftig und hielt sich das Taschentuch vor das Gesicht.

Als der Beamte die Thüre zu der Gefängnißzells geöffnet hatte, gab es natürlich eine höchst erschüt­ternde Scene. Die Gräfin sank ihrem Gemahl an die Brust; die Tochter umklammerte den Leib des Vaters. Auch der Graf vermochte vor Schmerz und Rührung kaum zu sprechen; dann jedoch suchte er die Gemahlin zu trösten. Die Gouvernante weinte stille vor sich hin. Der Gefängnißbeamte hatte sich in der Thüre ausgestellt.

Die der Familie zum Zusammensein vergönnte Frist lief sehr schnell ab und der Beamte mahnte zum Abschiede; ein solcher ward auch, jedoch oftmals wie­derholt und mit immer höher gesteigerten Schmerzens-