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II
Was das wohl zu bedeuten haben mag?" sagte Die Kleins machte ein Gesicht — da muß
noch ein wenig hier, damit kein V-rdacht erregt wi d!" eilte sie von dannen.
Felix blickte ihr mit triumphirenden Mienen nach und rief fast laut:
„J«tzt bist Du mein, Du holdes Kind! Wie richtig war meins Berechnung und wie günstig fügten sich die Umstände. Und bist Da erst mein, so wird es mir wohl gelingen, Dir Liebs einzuflößrn."
Fast betäubt erreichte Frieds ihr Zimmer und sank wie gebrochen in einen Fauteuil.
„Und ich habe ihn einen Blick in mein Herz thun lasten", sprach sie laut, „das offen vor ihm dalag, ich habe ihm deutlich gezeigt, daß ich ihn liebte. O, der Scham, der Schande! Wie Hst er sich wohl lustig gemacht über das verliebte Mädchen, das so leicht zu bethören war! O Du falscher Mann mit den falschen Augen, denn sie logen Treue und waren doch falsch! Und nun macht er es ebenso mit der Andern, auf den Knieen lag er vor ihr! Und morgen macht er ihr vielleicht ein ähnliches Gedicht und componirt es. Aber Du sollst nicht frohlocken über mich und zeigen will ich Dir, wie gleichgültig Du mir bist und wie ich, ich mein Spiel mit Dir getrieben!" ,, ,,
Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und schrieb: Sehr geehrter H-rr Rohdenberg!
Einliegend erlaube ich mir, Ihnen Ihre Com- Position mit bestem Dank zurückzusenden, dieselbe hat mir sehr gefallen, und wenn Sie auf diesem glücklich ringeschlagenen Wege weiterschreiten, werden Sie gewiß uoch einmal ein berühmter Mann. Was nun das Gedicht anbetrifft, so werden Sie mir verzeihen» wenn ich mir gestatte, Ihnen einen kleinen Rath zu srtheilen. Ich gestehe gerne ein, daß ich die Verse an sich sehr hübsch finde, aber sollten Sie wieder einmal ein Poem machen, so seien Sie doch etwas vorsichtiger in Be ug auf den Inhalt, damit er nicht zu Mißdeutungen Ver- anlastung giebt. Ich würde es in der Thal nicht wagen, das von Ihnen erhalt ne Gedicht meinem Verlobten zu zeigen, da ich vorher nicht wisten kann, wie er er auffasten würde, daß ein junger Mann in seinen Versen, die er einem jungen
Rachel"
Während sie den Brief zusammenlegte, sprach sie in wehmüthigem Tone:
„Zch wollte ihn heute veranlassen, mit mir auf den Felsen zu steigen, auf denselben Felsen, wo ich seine Falschheit entdeckt, und da hätte ich ihm das Lied vorgesungen, und dann — und dann — er wäre zu schön gewesen, es sollte nicht fein!"
sagte sie:
„Die Worte: „mein Verlobter" werden seiner Eitelkeit einen Stoß versetzen, und das sei meine
bitterlich an zu weinen. Er war der erste große Schmerz, der sie getroffen, und wohl kein anderer vermag die Grundvesten der Seele so sehr zu er» schütter«, als der Lisbesschmerz.
Im Garten hatte sich die Gesellschaft 'wieder ver- sammelt. Siegfried, der mit Frau von Barsen zu« rückgekehrt war, mußte das Direktorium, so schwer es ihm auch wurde, noch einmal wieder übernehmen, i Es bedurfte seiner ganzen Geistesgegenwart und Selbstbeherrschung, um nur äußerlich nicht die
Energisch zerdrückte sie eine Thräue in ihrem Auge, die sich mit Gewalt hervordrängen wollte, darauf steckte sie Brief und Noten in ein Couvert und eilte wieder in den Garten hinab.
Hier spähte sie umher, bis sie Langenbach gefunden, auf den sie nun Milte.
„Wollen Sie mir eine Gefälligkeit erzeigen, Herr Langenbach?" sagte sie zu ihm.
„Tausend, gnädiges Fräulein", erwiderte der Mediciner.
„Dann möchte ich Sie bitten, diesen Brief Herrn Rohdenberg zu geb-n, aber ich ersuche Sie, mir zu versprechen, es nicht eher thnn zu wollen, als bis Sie dis Schlangenburg verlassen haben. Kann ich bestimmt daraus rechnen, daß Sie meinen Wunsch erfüllen?"
„Ich gebe Ihnen mein Wort darauf, gnädiges Fräulein!"
„So danke ich Ahnen."
Frieda entfernte sich und ging ihrer Mutter entgegen, dis soeben mit der Baronin von Schleiden von einer Promenade zurückkehrte.
„Liebe Mama", sagte sie, „Du mußt mich entschuldigen, wenn ich mich zurückziehe, meine Kopfschmerzen sind schlimmer geworden, ich möchte mich einen Augenblick niederlegen."
„Aber wie siehst Du aus, mein Kind!" rief Alexandra, die ihr verwundert ins Gesicht sah, »Deine Wangen glühen, Du fühlst Dich doch nicht ernstlich krank?"
„O nein, gewiß nicht, mache Dir keine Sorge, Mama, es sind nur Kopfschmerzen, die gewiß bald wieder vorübergehen werden."
Sie zwang sich zu einem Lächeln und mit den Worten: „Entschuldige mich auch bei der übrigen Gesellschaft, - Frau Baronin, grüßen Sie Emmy, ich bin vielleicht bald wieder da!" verabschiedete sie sich und ging ins Schloß zurück.
„Es wird hoffentlich nichts Ernstliches sein", sagte Alexandra, „ich werde nachher einmal nachsehen, i wie es ihr geht."
Langenbach hatte den Brief in die Tasche ge-
Mädchen übergiebt, Worte gebraucht, die mindestens
als auffällig bezeichnet werden dürfen. I er. „Die Kleine machte cm weiicj® ob
Noch einmal meinen Dank, es zeichnet i irgend etwas vorgefallen fein, mir ahnt nichts Gutes hochachtungsvoll - der arme Siegfried!"
Frieda Wolter. Oben in ihrem Zimmer sank Frieda wie ge«
Sie las noch einmal den Brief durch, dann i brachen neben der Chaise longue zu Boden und .g «e: | ihren Kopf auf dir seidenen Polster legend, fing sie


