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Manchs hat Recht", sagte er zu sich selbst. Guy muß dem Fremden eine Spi-lschuld zu zahlen haben. Auf geradem Wege kann er ihm keine solche ungeheure Summe schuldig sein. Der Mann folgte ihm nach England und drang darauf, seine Forde­rungen bezahlt zu bekommen. Guy wagte es nicht, demselben Widerstand zu leisten, da cr meinen Ab­scheu vor dem Laster des Spieles kennt, und fürch­tete, die Thatfachm könnten mir zu Ohren kommen; und um daher meinem gerechten Zorn auszuweichen, hat er sich in ein Verbrechen gestürzt. Was soll ich nun thun?"

Die Frage war schwierig zu beantworten.

Ich könnte Guy, wenn er vom Advokaten zu, rüäkommt, hereinrufen und sagen, was Blanche mir erzählt hat", dachte er.Aber wäre das auch weife gehandelt? Die Wahrheit ist, daß mir mein Sohn täglich mehr ein Geheimniß wird. Ich glaube, ich werde die Dinge ihren Lauf nehmen laffen und ihn ruhig beobachten. Es ist mir vollkommen klar, daß er den Raub allein vollbrachte. Blanche hörte ihn auf fein Zimmer gehen, wenige Minuten, nachdem er durch das Bibliothek-Fenster hinaurgestiegea war. Diese Thatsache, vereint mit der verlängerten An- Wesenheit des Italieners in Ardleigh, beweist deutlich, daß er dem Fremden das Geld noch nicht bezahlt hat. Er hat es wahrscheinlich im Parke verborgen und wird es ihm heute Nacht geben. Guy wird den verdächtig a» sehenden Italiener nicht im Stern- wirthshaus besuchen. Sie werden sich also heute Nacht im Parke treffen. Ihre Begegnung soll einen Zeugen haben. Meine Pflicht gegen Blanche und mich selbst erfordert es, daß ich den Charakter meines Sohnes genau erforsche."

(Fortsetzung folgt")

Die tieöe Eitelkeit.

Von Robert von Hagen.

(Nachdruck verboten.)

Frau von X., eine Schönheit comme il faut, sitzt beim Klavier und arbeitet in C-moll. Es läutet. Das Kammerkätzchen erscheint.Gnädige Frau, ein Herr hier seine Karte."Er wird wohl meinen Gemahl sprechen wollen sage, daß er erst um 4 Uhr Nachmittag nach Hause kommt."Nein, er wünscht Sie, gnädige Frau direet zu sprechen." Dr. Traube? Traube? ei doch, das wird wohl der Assistenzarzt vom Dr. L. sein lasse den Herrn eintreten." Gleich darauf tritt unstäten blinzelnden Blickes der Herr Doctor ein eine äußerst unheimliche Persönlichkeit, wie nunmehr Frau von X. behauptet.Ach, Sie kommen wohl wegen des abscheuligen Zahns, der noch plombirt werden soll nicht wahr? Nehmen Sie gefälligst Platz." Nein, meine Gnädige in anderer Angelegen­

heit. Ich bin Mitarbeiter der Leipziger Jllustrirten, mein Name dürfte Ihnen bekannt sein."Oh, parfaitementindeß, Sie wünschen, mein Herr?" Nun also, meine Gnädige, mein Name ist Ihnen bekannt, das erleichtert Vieles. Sie lesen doch unbedingt die Parlamentsbilder in unserer Zei­tung? Ja? Nun, die verfasse ich!"Das freut mich, Herr Doetor, indeß."Ich will mich kurz fassen, meine Gnädige. Sie spielten vor einigen Tagen in der Wohlthätigkeits-Soiroe bei der Gräfin L. Ist dem so?"In der That, ich spielte damals zwei Wen."Und ernteten rauschenden Beifall, denn Sie spielten, um eine Clara Schumann, einen Rubinstein, einen Dreyschock in den Schatten zu stel­len."Oh, das ist viel zu viel gesagt. Waren Sie bei der Soiroe anwesend?"Das nicht, meine Gnädige aber es ist das Echo des Urtheils berühmter Capacitäten, welche anwesend waren; nun, auch diese sind es, welche mich veranlaßten, Ihnen mit der Bitte zu nahen, mit die Erlaubniß zu er- theilen, daß in einer der nächsten Nummern der Leipziger Jllustrirten" Ihr Bild mit Text erscheine. Wenn die Bescheidenheit auch gern im Schatten weilt sie muß, und fei® mit Gewalt, dem Rayon des glänzenden Sonnenlichtes"---Herr Doetor,

Herr Doetor Sie werden überschwänglich. Nein, nein, Herr Doetor, dazu kann ich meine Einwilligung nimmermehr geben selbst wenn es mir gleichgil- tig wäre, so ist doch mein Mann in dergleichen Dingen sehr penibel. Er meidet die Öffentlichkeit, soweit sich dies nur mit seiner Stellung im Staat vereinbaren läßt."Ueber diese Sorge, meine Gnädige, kann ich Sie schnell hinwegheben, wenn ich Ihnen, und zwar im Vertrauen mittheile, daß Ihr Herr Gemahl bereits längst in der Liste derjenigen verzeichnet steht, deren Bild nebst Text in der Jllustrirten noch im Laufe dieses Jahres er­scheint." Wie elektrisirt sprang die hübsche Dame auf:Herr Doetor sind Sie dessen sicher? Das Bild meines Mannes, es erscheint thatsächlich in Ihrer Zeitung? Ja haben Sie denn schon eine Photographie, nach der es fertig gestellt wird?" Oh gewiß, die Bilder haben wir' uns gleich anfangs besorgt."Ach, Herr Doctor, da haben Sie ja noch eines von den alten Bildern; da ist mein Mann ganz entsetzlich dargestellt. Oh, wenn es noch Zeit wäre ich gebe Ihnen das letzte Bild von ihm eine Cabinetphotographie, auf der er ganz reizend aussieht; auch trägt er auf derselben bereits den neuen Orden, der ihm vom Kaiser von Rußland verliehen wurde; können Sie es noch ermöglichen? Oh, thuen Sie mir diesen großen Gefallen. Hier, hier sehen Sie, hier ist das Bild; wie stattlich er da aussieht. Sagen Sie, bester Herr Doctor, geht es denn noch zu ändern?"Oh, gewiß, meine Gnädige; allerdings würden dadurch neuerdings Kosten ererwachsen denn Sie begreifen der alte Stock

(Schluß folgt.)

Redaction: A. Schcyda. Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.