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Hilfst se hat meinen Schutz angerufen, und ich werde ihr denselben gewähren."
Der Superintendent schien einzusehen, daß er mit dem von ihm angeschlagenen Tone nicht weit gelangte und lenkte wieder ein.
„Urtheilen Sie über eine augenblickliche Schwäche nicht zu streng", sprach der Superintendent.
„Die meisten Vergehen gehen aus einer augenblicklichen Schwäche hervor", entgegnete Körber.
Feld schwieg. Er schien nachzusinnen.
„Herr 6onimiffär", sprach er endlich, „der Doctor Prell gehört meinem Vereine, dem Philemon an, kommt diese Angelegenheit in die Oeffent- lichkeit, so wird man leicht dem ganzen Vereine einen Vorwurf daraus machen. Ich bin der Präsident desselben und muß ihn in Schutz nehmen!"
Um Körber's Mund zuckte ein spöttisches, höhnisches Lächeln.
„Dann halte ich es auch für Ihre Pflicht, jeden Fehltritt eines Mitgliedes auf das Strengste zu beurtheilen", entgegnete er. „Von dem Mitgliede eines Vereins, wie der Philemon ist, erwartet man ja solches Benehmen am wenigsten und es wundert mich, Herr Superintendent, daß Sie demselben das Wort zu reden vermögen!"
Feld bezwang den in ihm' aufsteigenden Unwillen ; er erhob sich und richtete seine lange Gestalt vor dem Commiffär hoch auf. Aus seinen Augen sprach zurückgehaltener Zorn. —
„Ich handle nach den Grundsätzen des christlichen Glaubens", sprach er.
„Und ich nach denen, welche mir die Stellung als Polizei-Commiffär vorschreibt. Da bewähren wir uns Beide als pflichtgetreu", entgegnete Körber.
„Sie wollen nicht nachgeben, Herr Commissär?"
„Nein, gewiß nicht!" gab Körber mit aller Bestimmtheit und Offenheit zur Antwort.
Der Superintendent verbeugte sich steif und verließ schweigend das Zimmer.
Körber mußte unwillkürlich auflachen. Der Besuch dieses Mannes hatte die unruhige, zweifelnde Stimmung von ihm fortgenommen und mit frischem, lustigem Muthe sah er der kommenden Entwicklung dieser Angelegenheit entgegen. —
Mehrere Tage waren seitdem verflossen. Paula war nicht in das Haus des Doctors zurückgekehrt, sondern mit Freuden von dem alten Berger ausgenommen. Prell selbst hatte sich nicht länger widersetzt, sobald er einsah, daß all' sein Widerstand ihm nichts helfen werde.
In der Stadt wurde über sein Benehmen gegen Paula geredet. (Fortsetzung folgt.)
Am Weihnachtsabend.
Skizze von Ludwig Habicht. "
„Kerry Christinas“ ruft in Dickens „Christinas Carol“ ein Neffe seinem Onkel Scrooge zu, und wem in aller Welt gleitet wohl nicht unwillkürlich
an diesem Abend das Wort über die Lippe: „Glückliche Weihnacht!"
O schöne, glanzvolle Zeit, die von dem bedrängten gequälten Herzen den düftern Schleier hinweghebt, alles rosig und golden färbt und wär' es auch nur für einen einzigen, glücklich durchträumten Abend!. . .
In dieser seligen Stunde fühlen wir nicht mehr den Druck des Schicksals, die Schwere unseres Kummers ; wir tauchen mit hinab in die helle silberglänzende Fluth der schönen, rosigen Stunden und lasten uns so recht warm und innig umspielen von den Schaumperlen einer schönen, längst verklungenen Zeit. Wir sind glücklich, für eine Stunde glücklich; denn es ist Weihnachten und der grüne Christbaum mit seinen leuchtenden Flammen erzählt uns von einer schönen heiteren Vergangenheit, von Jugendtraum und Kindeslust von allem Teuersten der Erde I. . .
Es liegt eine Poesie, ein Zauber in diesem Abend, der seine verklärenden leuchtenden Strahlen bis in die fernsten Zeiten wirft und das Herz immer wieder jung zu machen weiß, weil immer neue glücklich bewegte Menschen den brennenden Baum umringen und damit die verklungene Zauberwelt vor's Auge rücken. Und wer kein Herz mehr für diese sonnigen Stunden hat, wenn es erstarrt und erfroren im Gewühl des Lebens, wer dürr und nüchtern mit verdroffenem Auge auf diesen Jubel, diese Seligkeit, dieses „Glücklichmachen und Glücklichsein“ blickt, wem Geld und Geschäft — alles und Weihnachts-Poesie und Sonnenschein nur unnützer Trödel scheint, der faste einmal den Muth, die oben bezeichnete Weihnachtsgeschichte des berühmten englischen Humoristen, der leider viel zu früh der Welt eniristen worden, zu lesen, und wie ein Frühlingsschauer wird's über seine Seele wehen und die harten rauhen Gedanken werden aufthauen und sich warm und liebend um die Menschheit schlingen. An diesem Abend, an dem jedes Auge nach einem Funken Freude, jedes Herz nach einem Tropfen „Glück“ schmachtet, wird er sich auch mit reichen, vollen Händen beizutragen sehnen: Glückliche zu machen und Sonnenschein zu bringen auch in die umnachtetste Brust.
Möchte an diesem heiligen Abend der Weihnachtsengel überall den verhärteten und versteinerten, im „Geld und Marktwesen“ verrosteten Herzen die sanfte Leuchte der Erkenntniß vorhalten, daß es ihnen plötzlich tage und ste einsehen lernen: — Geld — Reichthum — Ehre ist kein Glück — und nur die dankbare Thräne, die uns aus dem Auge vom Untergänge Erretteter entgegenzittert — der warme Händedruck eines Freundes — in Liebe und Treue verbundene Herzen — das ist alles — das ist der Reichthum einer Welt!
Wenn keines, da ist Boz Dickens, „Christinas Carol“ das Werk eines Dichters von Gottes Gnaden! denn es liegt eine Poesie, eine Gemüthstiefe und Gemüthswärme darin, die zu jedem Herzen dringen und überall ein lebendiges Echo finden muß.
Der Dichter läßt darin den Weihnachtsengel einen alten verhungerten Geizhals besuchen, der nichts


