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Herz nöthig, an dem er vergeflen kann, was er mr« schuldig erduldet hat!"

Anna begriff dieses nut zu gut.

Körber verließ sie, indem er versprach, nach eini­gen Stunden wiederzukornmen, um selbst mit Paula zu sprechen. Seine Vermuthung hatte ihn nicht be- trogen. Prell liebte Paula, hatte sie schon lange geliebt. Das war also der Grund der väterlichen Fürsorge für das verlassene Mädchen, weshalb man ihn in der Stadt so viel gepriesen hatte! Deshalb hatte er mehr für fie gethan, als für seine eigene Tochter. Ja geschickter Weise hatte er seine leiden­schaftliche Liebe zu dem Mädchen so lange zu ver­bergen gewußt und er begriff, wie diese Leidenschaft ihn fortwährend beschäftigt, wie sie ihn ganz ge­fangen genommen und ihn bewogen hatte, Alles zu wagen, um sich den Besitz des Mädchens zu sichern.

Gedanken auf Gedanken reihten sich für ihn daran, während er langsam auf der Straße dahin ging.

Ein Bote des Criminal-Directors holte ihn ein und störte ihn. Derselbe war bereits in seiner Wohnung gewesen und hatte ihn nicht getroffen. Pintus wünschte ihn zu sprechen.

Ein Lächeln glitt über das Gesicht des Com- miffärs. Er errieth, weshalb der Criminalrichter ihn zu sprechen wünschte.

Ich werde sogleich kommen", erwiderte er dem Boten.

Als er kurze Zeit darauf bei Pintus in das Zimmer trat, entging ihm nicht, daß derselbe in aufgeregter Stimmung war, obwohl er dieselbe so gut als möglich zrr verbergen suchte.

Herr Commissär!" sprach Pmtus,der Doktor Prell ist bei mir gewesen . . . !"

Ah, ich dachte es mir", unterbrach ihn Körber lächelnd.

Er hat mir Alles mitgrtheilt", fuhr der Richter fort, ohne auf dis Unterbrechung zu achten,den ganzen unangenehmen Auftritt von gestern Abend, Ihr Auftreten ihm gegenüber, Ihr Eingreifen in feine Vormundschaftsrechte und feine Unterredung mit Ihnen heute Morgen."

Er schwieg. Er schien Körbers Antwort, viel­leicht dessen Entschuldigung abzuwarten.

Nun?" warf Körber mit großer Gelassenheit fragend ein.Hat er nichts weiter hinzugefügt?" Doch, Herr Commissär", erwiderte Pintus, feine Aufregung immer weniger verbergend,er hat sich über Ihre Eigenmächtigkeit beschwert, er hat sich be­schwert, daß Sie Paula Braun zu der Mutter des Mannes gebracht, dec ihren Verlobten ermordet hat I" Herr Criminalrichter", fuhr jetzt Körber unge­duldig auf,was Sie Eigenmächtigkeit nennen, werde ich zu vertreten wissen. Das junge Mädchen hat meinen Schutz angerufen und ich werde es schützen. Aus freiem Entschlüsse ist es mir zu Hellmann- Mutter gefolgt!"

Was wollen Sie denn beginnen?" warf Pintus ein.Sie haben kein Recht über das Mädchen."

Ich beanspruche auch nur das Recht, welches dis Gesetze einem Jeden gewähren. Paula Braun will in das Haus ihres Vormundes nicht zurück- kehren, und ich werde sie schützen, daß sie nicht dazu gezwungen wird." Pintus schüttelte mit dem Kopse.Mischen Sie sich nicht in Familien Angele- genheitrn, Sie haben statt Dank nur Aerger davon", warf er ein.Machen Sie aus dem Eigensinn und Trotz des Mädchens kein Stadtgespräch Prell ist ein Ehrenmann- er hat für dar Mädchen gesorgt, als wenn es seine eigene Tochter wäre!"

Vielleicht noch mehr!" konnte sich Körber nicht enthalten, ouflachend zu rufen.Ja, vielleicht noch mehr, Herr Criminalrichter! Worin besteht denn der Eigensinn und Trotz dieses Mädchens. Er scheint Sie darüber nicht recht aufgeklärt zu haben. Er liebt die Tochter seiner Jugendfreundes, er hat e» zu verhindern versucht, daß sie dem Wunsche de­alten Bergers, fie an Kindesstatt anzunehmen, nach­kommen will, er hat ihr feine Liebe gestanden, ist leidenschaftlich geworden, und als sie ihn zurückge­wiesen, hat er sie mit Gewalt zwingen wollen, die Seintge zu werden deshalb ist fie aus seinem Hause geflohen und deshalb werde ich sie beschützen!" fügte er mit Nachdruck hinzu.

Wissen Sie dies Alles von Prell oder von dem Mädchen", warf Pintus ein.

Paula hat es erzählt und ich glaube ihr!"

Sollte nicht das Zeugniß des sonst so ruhigen Mannes mehr Glauben verdienen?" bemerkte der Richter.Das Mädchen ist aufgeregt gewesen es hat vielleicht mehr gesprochen, als wahr ist!"

Ich glaube ihr!" versicherte Körber noch einmal.

Commissär Commissär, Sie haben kein Recht, sich des Mädchens in der Weise anzunehmen", sprach Pintus bedenklich.Wenn Prell ihm wirklich seine Liebe gestanden hat, selbst wenn er leidenschaftlich geworden ist so sehe ich noch kein Vergehen darin. Es wird mancher in solchem Augenblicke leidenschaft­lich!"

Sie wollen also das Mädchen ganz seiner Will­kür preisgeben?"

Verstehen Sie mich nicht falsch", warf Pintus ein.Prell verlangt nur, daß sie zu ihm zurück­kehrt, um jedes Aufsehen, jedes Stadtgespräch zu vermeiden, er will dann Sorge tragen, daß sie sobald als möglich aus seinem Hause fortkommt zu Berger."

Ich traue seinen Versprechungen nicht", entgeg­nete Körber.Außerdem weigert Paula sich, zu ihm zurückzukehren und es kann sie Niemand dazu zwingen."

Warum haben Sie das Mädchen zu Hell­manns Mutter gebracht?" fragte Pintus nach kurzem Schweigen.

Ich wußte für den Augenblick keinen anderen Ort und war überzeugt, daß sie dort gut aufgehoben sein würde", antwortete Körber der Wahrheit gemäß. Ja, ich wußte auch", fügte er hinzu,daß sie Prell dort nicht aufsuchen würde!"