Hießerier ZsamiüenbWer.
Belletristisches Beiblatt;um Gießener Anzeiger.
Nr. 152. Diensrsg, km 25. Dezember. 1888
Weihnachtsfeier.
Kerzenglanz und Festgeläute, — Heil'ge Nacht schwebt durch die Welt; In dem Auge glänzt die Freude, Festeslust die Herzen schwellt!
Weihnachten! du Fest der Liebe, Heil'ger Regung sich bewußt, — Hauche deine edlen Triebe Heut' in jede Menschenbrust!
Allerwäns herrscht reges Leben, Strahlt der Kerzen heller Glanz, Und geschäft'ge Hände weben Ueberall der Freude Kranz. Liebe will heut' gern beglücken, Zu dem Feste Blumen streu'n, Will das kleinste Hüttchen schmücken, Alle Menschen gern erfreu’«.
Und von grünen Tannenzweigen Lächelt manches heit're Bild;
Von der Stirn' die Schatten weichen, All' die Sorgen sind gestillt; .:tti Und durch's Herz zieh'n Hochgefühle, Alt und Jung die Freuden f' ut, Schaut der Jugend frohe Spiele, Schön und sinnreich aufgebaut.
Wie die muntren Knaben jagen In dem Zimmer hin und her, Ihre jungen Herzen schlagen Noch so leicht — nicht sorgenschwer; Und die holden Mädchen springen, Freude strahlt aus ihrem Blick, Fröhlich ihre Lieder klingen, In der Brust der Unschuld Glück!
Und die Mutter vor dem Baume, In dem Arm ihr holdes Kind, — Gleich, als wär's ein Bild im Traume, — Lächelt es so lieb, so lind;
Mutterliebe hält's am Herzen, Ihr ein süßes, theures Pfand, Und es hascht mit holdem Scherzen Nach dem Glanz mit flücht'ger Hand!
Schöner Traum, wie schnell zerronnen Ist dein Glück, dein Lenz verblüht, All' der Jugend frohe Sonnen Sind so rasch, so schnell verglüht! Nur des Lebens ernste Stunden Mahnen uns noch an die Zeit, Die schon längst dahingeschwunden Mit der Kindheit Seligkeit!--
Weihnachten! o sende Frieden In des Kummers düstre Nacht, Wo entblättert all' die Blüthen, Die voll Hoffnung einst gelacht! Allen Herzen gieb Vertrauen, Zuversicht und frischen Muth, Laß sie Gottes Größe schauen, Sterblichen ein Himmelsgut!
Laß dein Licht die Nacht verdrängen, Christi Geist die Welt durchweh'» Und in feierlichen Klängen
Dich, o schönes Fest erhöh'»;
Laß des Glaubens Sonne scheinen, Uns ein Schutz, ein starker Wall, Seine Macht die Völker einen Nah' und fern im Weltenall! — —
Kehr', o heil'ge Weihnachtsfeier, Strahlenhell in jedes Haus, Breite deinen milden Schleier Ueber alle Herzen aus.
Heb' den Geist nach Sternenhöhen, Wo die ew'ge Liebe wacht; Laß zur Erde niederwehen Deinen Frieden „Heil'ge Nacht!"


