So", murmelte er, den Rock wieder sn den Ofen hängend,nun will ich schlafen, mein vorsich­tiger und ehrgeiziger Detectiv!", .

Er ging in die Kammer, warf sich auf Thorsen« Bett und schlief wirklich bald fest und ruhig.

(Fortsetzung folgt.)

Zur Geschichte derschwarzen" Großmacht.

(Schluß.)

Friedrich Otto Mencke begründete sodann auch 1715 dieNeuen Zeitungen von gelehrten Sachen". Die Mencke'sche Zeitschrift ging nach fast 100 jährigem Erscheinen wieder ein, aber es bleibt ihr der Ruhm, allen wissenschaftlichen Zeitschriften und, Tagesrevuen der nachfolgenden Zeit zum Vorbild gedient zu haben.

Der Absatz der Zeitungen blieb lange Zeit ein sehr geringer, ihr Preis ein hoher und dabei konnte derselbe auch durch Anzeigen und Ankündigungen nicht billiger gestellt werden, einfach deßhalb nicht, weil eine derartige öffentliche Bekanntgabe noch bis weit in das vorige Jahrhundert hinein fast ausschließ­lich durch Ausrufen vollzogen wurde. Erst seit dem Ausbruche der großen französischen Revolution nahm auch das Zeitungswesen einen kräftigeren Aufschwung, die an der Seine geborenen revolutionären Ideen wurden durch die Zeitungen durch ganz Europa ge- tragen und Jeder, der nur einigermaßen sich für den Gang der großen weltumstürzenden Ereignisse, die ihren Ausgang von Frankreich nahmen, interessirte, beeilte sich, nach denselben in der Tagespresse zu forschen. Hierdurch gewannen die einzelnen Blätter demgemäß an Leser und Abonnentenzahl, während sie zugleich genöthigt wurden, sich in jeder Beziehung zu erweitern und zu verbessern, um den wachsenden Ansprüchen des Publikums zu genügen. Die der Revolutionsepoche so unmittelbar folgenden napoleo­nischen Feldzüge konnten nur dazu beitragen, das Bedürfniß des Publikums nach fortlaufenden regel­mäßigen Mittheilungen über die Schlachten und sonstigen kriegerischen Ereignisse wie über den Gang der politischen Dinge zu steigern und so trug gerade die so stürmische Zeitepoche von der französischen Revolution bis zur Beendigung der napoleonischen Kriege wesentlich mit zum Aufschwung der Presse bei. Damals kam ebenfalls von Frankreich her auch das Reclamewesen auf, welches erst eigentlich den Jnseratentheil der Zeitungen begründete, allerdings bewegte es sich lange nur in sehr bescheidenem Rahmen und von der Raffinirtheit, mit der heute in den Tageszeitungen durch die wunderbarsten Mittelchen und Finessen für alle möglichen Dinge, von den unvermeidlichen Brandt'schen Schweizerpillen an bis zu dem Knöfel'schen Lederfett, Reclame gemacht wird,

hatten die damaligen Bläser der Reclameposaune jedenfalls noch keine Ahnung.

Einen neuen Abschnitt in der Entwickelung der Presse brachte das Revolutionsjahr 1848, welches in fast allen europäischen Ländern eine Unzahl neuer Zeitungen politischer Richtung entstehen ließ und von denen die allermeisten im Dienste der modernen Ideen standen, welche die Pariser Februar-Revolution gebar. Viele dieser Zeitungen aus dem Sturm- und Drang­jahre unseres Jahrhunderts gingen in der Folge wieder ein, die Jahre der Reaction mit ihrem ersticken­den Hauche waren eben dem freiheitlichen Worte, auch wenn es sich nurschwarz auf weiß" zeigte, nicht günstig, aber den kräftigen Entwickelungsgang der Presse bis zu ihrer heutigen würdigen Höhe konnte auch der Rothstift selbst des eifrigsten Censors nicht mehr aufhalten und die Ersindung der Dampf- schneklpresse, der Eisenbahnen und des electrischen Telegraphen, diese großen Errungenschaften des neun­zehnten Jahrhunderts, haben wacker mit das ihre zur Hebung und Verbreitung der Zeitungen gethan.

Um schließlich noch einen Begriff von der heutigen Verbreitung des Zeitungswesens zu geben, so erhellt dieselbe zur Genüge schon aus der Thatsache, daß die Zeitungspreisliste der deutschen Reichspost für 1888 allein 6661 in deutscher Sprache erscheinende Zeitungen und Zeitschriften aufzählt, während die Zahl der in allen fünf Welttheilen erscheinenden periodischen Druckschriften sich auf 41000 beläuft 41000 Armeecorps der WeltmachtPresse"! Und diesen gewaltigen Aufschwung hat das Zeitungs­wesen erst in den letzten Jahrzehnten genommen; denn noch im Jahre 1848 zählte man, z. B. in Oesterreich-Ungarn nur wenig über 800 in deutscher Sprache erscheinende periodische Blätter, während es deren heutzutage im Donaureiche ca. 3500 giebt und in ähnlichem Verhältniß hat die Zahl der Zeitungen in allen andern civilisirten Ländern zugenommen. Am großartigsten in jeder Beziehung hat sich das Zeitungswesen wohl in den Vereinigten Staaten von Rord-Amerika entwickelt, wo ja überhaupt Alles in's Große, ja Riesenhafte geht. Im Laufe eines Jahr­hunderts ist in Nordamerika die Zahl der periodischen Druckschriften von 87 auf ca. 9000 gestiegen, wobei allerdings berücksichtigt werden muß, daß die Menge der Zeitungen durchaus noch keinen Schluß auf die Zahl ihrer Leser gestattet, denn die meisten nord­amerikanischen Preßerzeugnisse haben nur locale Be­deutung und oft kaum eine Auflage von 300 Abzügen. Dafür besitzen freilich eine Anzahl der amerikanischen Zeitungen eine um so großartigere Auflage, von denen z. B. der New YorkerSun in einer Auflage von 180000 Exemplaren erscheint; dieNew York Tribüne und derNew York Herald setzen 90 000 bis 100000 Exemplare ab,New York Weekly undNew York Ledger drucken jedes Blatt etwa 120000 Exemplare und eine in Boston erscheinende Kinderzeitung erreicht eine Höhe von etwa 150 000 Exemplaren.

gtoaction: 91. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'sch-n Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.