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zögernd an.
„Sie besitzen das goldene Herz Ihre» Onkels", versetzte er leise, „ein Herz, das nicht lange erwägt und berechnet, wenn es gilt, dem Versinkenden die rettende Hand zu reichen. Aber, — o, verzeihen Sie den armseligen Srolz des Hcimathlosen, des • • polizeilich verfolgten Flüchtlings, wenn er eine
schreibung der Wahrheit ist. Diese HimmMochter ist nicht einmal mehr unverfälscht bei den wilden Naturvölkern zu finden, wie ich aus Erfahrung ver-
Freundschaft zurückweist, welche ihm nicht gebührt und den gütigen Spender in einen Confl ct mit dem eigenen Ehrgefühl bringen muß." —
Egon setzte das erhobene Glas ruh-g nieder und blickte den neben ihm Sitzenden forschend am
„Sie halten meinen Onkel Tellkamp fü<, e.nen Mann von Ehre und streigen Grundjätzen, Herr von .Jmmendorfln Ueber^UQUng durchdrungen, Herr Doktor I"
, Wohlan, würde er einem Ehrlosen, einem Verbrecher, selbst, wenn dieser der Neffe seiner angebc- teten Ulrike wäre, die Hand zur Rettung geboten haben? Halten Sie solches für denkbar, Herr von Jmmendorf, oder die Grundsätze und Ansichten eines bürgerlichen OfsicierS im Punkts der Ehre ür dehnbarer als diejenigen der Herren vom Adel?
' „Ich danke Ihnen für diese Lection, Dörner!" sprach Ulrich, ihm bewegt die Hand drückend, und dann sein Glas erhebend, um mit dem neuen Freunde anzustoßen. Es gab einen hsllm «lang, und schweigend leerten dann beide ihre Gläser bi» auf den letzten Tropfen.
„Hören Sie, weshalb ich hier bin, Ulrich", sprach ieüt Eaon mit leiser Stimme.
6 verzählte nun die Geschichte mit dem Detectiv und des Majors Begegnung mit Herrn von Selchow am Bahnhof.
„Daß der Referendar über meine Abreise spre- | eßen wird, ist doch natürlich", svhr er fort, „da mein Onkel Ihre Flucht in dieser Weise bemänteln mußte. Man darf ihn nun doch nicht der Luge
zeihen."
„Da haben wir'»", unterbrach ihn Ulrich mit einem tiefen Seufzer, „kommt der beste wahrheitsliebendste Mensch wie der Mojor sozleich in ein Lügengewebe hinein; ich bin ein Pechvogel, lieber Doktv''! — wer mich berührt, geräth ins Unglück, oder muß sich mit der Lüge besudeln."
„Lieber Himmel, malen Sie nur nicht allzusehr in's Graue hinein, mein bester Jmmendorf!" lächelte ,Wer sein Lebens-Panier mit dem Wappen Der -rvayryen jumuut, — wird früh genug als Toller unschädlich gemacht, da unser ganzes gesell-
und der Flüchtling verstummte.
„Lassen Sie uns eine Flasche Wein auf unsere glückliche Heimkehr trinken, mein lieber Ulrich!" sprach der Doktor, ihn zum Sopha führend und neben sich niedrrziehend. „Auf unsere Freundschaft I"
Er hatte bei diesen Worten die Gläser gefüllt und das seinige erhoben. Ulrich blickte ihn etwas
^Werfen wir also den Ballast der Sentimentalität über Bord, um mit kühlem B ute einen neuen Kurs zu steuern. Sie haben begriffen, daß ich abreisen mußte —"
„Nur zu sehr."
(Fortsetzung folgt.)
Mutter sicherlich kennen und sich von ihr nicht msjo-
Sübjäw ^E^Äummte Md blieb erschreckt stehen, wobei alles Blut aus seinem Antlitz wich. Dann schlug dl- eite«, ««*«•” “» Svieael seine Toilette ein wenig und klingelte.
^st ein Herr von Jmmendorf bereits angckom- men?" fragte er den eintretenden Kellner.
„Zu Befehl, mein Herr! — Er bewohnt das ^"^Lringen Sie dem Herrn diese Karte, mit der Ansraae. ob ich ihn sprechen könne."
Der Kellner verschwand, nach wenigen Minuten trat Ulrich Jmmendorf ein. Wer den jungen Mann « N-4»ü"b-l her «°4,d--> MU gtitien, 6M111 IN sichnUch mte dim Willen nicht wieder erkannt. Abgesehen von der eleganten Kleidung und der goldenen Kette, welche er aus der Erbschaft des Vaters übernommen, hatte d-, "ü, Z°e°«° I-l« MdMft-r ,-ih-», dl- Spu- ren der Verkommenheit zu tilgen und den intireffan- len Kopf des letzten Jmmendorf so arifiokeattjch als möglich wieder herzustellen.
Die Metamorphose war ihm in der That so wunderbar gelungen, daß der erstaunte Ulrich sem eigener Spiegelbild selber kaum wieder erkannte, und sich's heimlich gestehen durfte, es jetzt mit jeder Männer-Schönheit wieder aufnehmen zu können. Ec sah seinem Vater frappant ähnlich, ein echter Im- mendorf mit dm dunklen Augen und der stolzgedo- genen Nase, wie auch der Tante Ulrike, während Hedwiga nur die braunen Augen und den ovalen Schnitt des Gesichts mit ihnen thetlte, während sie ihre feingeformte Nass von der Mutter geerbt hatte.
„Sie hier, Herr Doktor?" rief Ulrich beim Ein- treten, jenem die Hand entgegenstrrckend.
„Wie Sie sehen, Herr von Jmmendorf —"
„Ach, lassen wir alle Titulatur bet Seite", fiel
Ulrich lebhaft ein, „Sie und Ihr Onkel, mein alter | Egon. „Wer sein Lei treuer Tellkamp, haben mir einen so ungeheuren | der Wahrheit schmückt


