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undurchdringlich wie aus Stein gehauen. Er wandte sich der Straße zu, wo Major Tellkamp wohnte und zog nach wenigen Minuten mit fester Hand die Klingel. Ein Diener öffnete die Hausthür.

Der Hers Major zu sprechen?" fragte Thor» fcn kurz.

Bedaurs, nicht zu Haufe."

Dann melden Sie mich dem Herrn Doktor Dörner oder den Damen des Hauses."

Niemand daheim", erwiderte ebenso prompt der ehemalige Soldat, welcher seinem Herrn schon über 10 Jahrs diente.Nicht vor morgen früh zu sprechen die Herrschaft, nicht vor übermorgen der Herr Doktor!"

Bums, schlug die Thür zu. Thorsen ballte die Faust und stieß, was bei ihm als höchster Grad der Erregung galt, einen Fluch aus.

Dann machte er kehrt und ging nach dem Jm- mendorf'schen Hause, um auch hier die Wächter mit seiner höchsten Ungnade heimzuschicken.

Das wird der Hallnnkr, der Lorenz gewesen sein", vertheidigte sich Kühne,der hat den dichten Nebel wahrgenommen und sich davon gemacht. Was mich anbelangt"

Maul halten!" schrie Thorsen ihn an,habt Euren Posten verlaffrn, nicht gesehen, daß zwei Herren aus dem Hause gekommen find."

O nein, nur der Alte"

Still', kann Euch nicht mehr gebrauchen, muß mir zuverlässigere Leute suchen."

Der Gescholtene schlich sich erschreckt beiseit», da er ein böses Gewiffen hatte und die Rache des De- tsctivs fürchtete. Letzterer aber ging nach Hause, um das Erlebte scharf zu überdenken und einen neuen Opsrationsplan zu entwerfen.

11.

Mit dem letzten Abendzuge dieses verhängniß- vollen Tages war Doktor Egon Dörner in der Thal nach der nicht sehr entfernten Residenz abgereist. Er hatte sich zu dieser Reise bequemt, weil er die Noih- wmdigkeit derselben sofort begriffen, als der Major ihm die Begegnung mit dem Referendar von Selchow auf dem Bahnhöfe mitgetheilt, da sich beide nicht verhehlen konnten, daß der in seiner Hoffnung ge­täuschte Detectiv ihrs Schritte überwachen und jede nicht genau mit der Wahrheit übereinstimmende Thai« fache sofort als Waffe gegen sie benutzen werde.

Kurz entschloffen reiste er deshalb, eine Depesche vorfchützend, um den Argwohn der Frau Mama zu zerstreuen, noch am selben Abend ab, nachdem er mit dem Onkel eine kurze Berathung gehalten, der- zufolge e« letzterer sür gerathen hielt, den Neffen vorsichtig vermummt, allein eine Droschke besteigen und nach dem Bghnhofe fahren zu lassen, sich selber aber, wie gewöhnlich in seinen Club zu begeben. Es war ein glücklicher Zufall, daß dis Regierungrräthin mit Magda an diesem Abend ausgebrten war; die Herren hatten somit freies Spiel und instruirten den treuen Anton, jeden fremden Besuch abzuweifen.

Alsdann entfernte der Doktor sich gartenwärts au« dem Hause, während der Major die Damen durch eine Depesche, welche Egon'« sofortige Abreise nach der Residenz rechtfertigte, beruhigen sollte.

Mrs ging nach Wunsch, der Doktor erreichte eine Nebenstraße, warf sich in eine vorübergehende Droschke und erreichte gerade früh genug den Bahn­hof, um sich ein Billet lösen und in ein Coupä springen zu können.

Jetzt, erst, als der Zug mit ihm davonbrauste, fand Egon Dorncr Muße, die seltsame Lage, in welche er so unerwartet gerathen war, einer genaue­ren Prüfung zu unterwerfen. Er hatte das Coups ganz allein inne und war recht froh darüber, weil er jetzt unbeeinflußt von der Außenwelt seine Ge­danken zu ordnen vermochte.

Sich eine Cigarre amündenb, lehnte er sich be­quem in eine Ecke, und starrte den blauen duftigen Ringeln nach. Doch wie er stch auch geistig anstren­gen mochte, dir heikle Sache seiner Verbindung mit einem verfolgten Verbrecher in's rechte Licht zu rücken und über sich wie den Onkel unparteiisches Gericht zu halten, er vermochte es nicht , da sich immer und immer wieder ein bestrickend schönes Bild dazwischen drängte, eins Zauberin, deren braune Augen ihn überall verlockend anschauten und seine Sinne verwirrten, bis er dem Zauber erlag, und, jeden anderen Gedanken aufgebend, sich in süßen Träumen denselben ganz hingab.

Als er die Residenz erreicht, fuhr er jäh empor und schalt sich selber einen Thoren, der nur deshalb heimgekommen, um sich Knall und Fall in das erste beste Gesicht zu verlieben. Ec lächelte über diesen banalen Gedanken jenem holden Wesen gegenüber und seufzte tief auf bei der unumstößlichen Thatsache, daß Hedwiga von altem Adel und Erbin des noch vorhandenen Vermögens, also für jeden Ebenbür­tigen eine begehrenswerthe Partie fei.

Sei kein Narr, alter Jungel" brummte er halblaut in den Bart, als er stch nach einem in der Nähe des Bahnhofs gelegenen Hotel, das fein Onkel ihm bezeichnet, begab. Unwillkürlich stieg der Ge­danke an das kranke Freifräulein von Jmmendorf, die despotische Irmgard, in ihm auf, welche die Scheidewand zwischen dem guten Onkel Tellkamp und der selbstlosen Ulrike noch jetzt.in ihrer vollständigen Hülflosigkett so energisch aufrecht zu halten vermochte, und ein bitteres Lächeln stahl sich über sein stolzes, tiefgebräuntes Antlitz.

Er spann diesen Gedanken noch eifrig weiter, al« er bereits im Hotel bei einem Abendessen saß, dem er nur ganz mechanisch zusprach. Ob Hedwiga, fall« ihr Herz dabei in's Spiel kam, stch auch so blindlings jener selbstsüchtigen Despotin fügen würde? Diese Frage beschäftigte ihn lebhaft, und er grollte fast der armen Ulvke, die ihr Lebenrglück so leicht hatte aufgeben können.

Er sprang auf und maß das Zimmer mit hasti­gen Schritten.

Sie wird das Schicksal ihrer unglücklichen