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Jur 5 Minuten.

Von Jenny Hirsch.

-.Schluß.)

Ein anderes Bild. Der Diener bringt mir eine Karte, auf welcher ein mir gänzlich fremder Namen steht."Ich habe doch ausdrücklich befohlen, mich nicht zu stören!" herrschte ich ihn an.Das habe ich auch gesagt, aber der Herr meinte, mit ihm würden Sie wohl eine Ausnahme machen." Bedaure, bin nicht zu sprechen," erwiderte uh und wende mich wieder meiner Arbeit zu. Im nächsten Augenblicke erscheint der Diener abermals.Der Herr bittet nur um füns Minuten, die Angelegenheit ist so dringend und der Weg so weit." , .

Ich lasse mich erweichen. Der Fremde tritt em, verbraucht schon mit der Entschuldigung, daß er es gewagt habe und der Versicherung, daß er nicht lange stören -wolle,. mehr als fünf Minuten, erzählt mir dann, von den Großeltern anhebend, seine Lebens­geschichte und als er zum eigentlichen Zwecke seines Besuches gelangt, ist beinahe eine Stunde verflossen und es ergiebt sich, daß er sie mir völlig unfruchtbar für sich selbst geraubt halber ist mit seiner Sache völlig vor die falsche Schmiede gegangen."

Auf einen solchen Fall kommen aber doch viele andere, in denen man bei Dir vor die rechte Schmiede kommt, Onkel," begütigte ich ihn,und Du bist \a; stelle Dich, wie Du willst, immer hilfsbereit."

Das ist Menschenpflicht", brummte der gute Mann, aber man soll sich nichts erschleichen und erzwingen, und das thun die, welche sagen, sie wollen meme Zeit nur für fünf Minuten in Anspruch nehmen.'

Auch wenn sie diese Frist ehrlich inne halten?" Selbst dann wären sie im besten Falle Egoisten. Nur fünf Minuten" für mich, sagt derjenige, den ich dringender Geschäfte halber abweise.. Wennfünf Minuten" für ihn, warum dann nicht auch für einen Zweiten und Dritten? Was dem einen recht ist, das ist dem Andern billig. Doch das find Hypothesen.Nur fünf Minuten" ist ein Betrug.'

Immer?" .

Immer, oder sagen wir Unwahrheit und zwar eine von der allergefährlichst-en Sorte, mit der man nicht nur Andere, sondern sich selbst täuscht. Ich bin so mißtrauisch dagegen geworden, daß ich kaum an diefünf Minuten Aufenthalt" glaube, mit denen der Schaffner die Thür des Eisenbahnkoupees aufreißt. Heißt man mich auf Jemand eine Stunde warten, so verstehe ich mich unter Umständen dazu, sagt man mir, er könnenur noch fünf Almuten' ausbleiben, so gehe ich ebenso schleunig von dannen, wie ich ein Restaurant verlaffe, wo der Kellner mit der Vertröstungnur fünf Minuten" an mir vor­übereilt, und auf Reisen benutze ich nie und nimmer ein Lohnfuhrwerk, deffen Lenker mir betheuert, es dauerenur fünf Minuten," dann gehe es fort. Mit einem Worte."

Wer Dir vonfünf Minuten" spricht, wird

abgewiesen, wären es selbst Deine nächsten Verwand, ten," unterbrach ich ihn neckend.

Nichtig, Du wolltest mich sprechen," sagte er sich mit der Hand vor die Stirn schlagend,bas hatte ich in meinem Eifer ganz vergessen, und Du hattest nur fünf Minuten."

Nicht doch, Onkel, das galt nur für Dich?

Verstehtsich. Weißschon. Nun, wasgiebtes?"

Ich brachte mein Anliegen vor. Er ließ sich die Angelegenheit gründlich auseinandersetzen, stellt! Fragen, die ich zu beantworten, machte Einwände, die ich zu berichtigen hatte, wir überlegten und be- riethen und kamen endlich mit der Sache ins Reine. Als ich mich erhob, um Abschied zu nehmen, fragte er:

Was meinst Du wohl, wie lange unsere Ver­handlung gewährt hat?"

Ich weiß nicht genau," entgegnete ich verlegen.

Aber ich weiß es, denn ich habe nach der Uhr gesehen, als Du Deine Auseinandersetzung begännest. Wir haben eine Stunde und zehn Minuten berath- schlagt."

Verzeih, Onkel" ,

Hat nichts zu sagen, ich hätte Dir mit Vergnü­gen noch viel längere Zeit gewidmet. Wie langt glaubtest Du aber, dafür beanspruchen zu dürfen?"

Nur fünf Minuten," antwortete ich kleinlaut.

Du erfährst also an Dir selbst das Trügerisch der Redensart," sagte er mich zur Thür begleitend, dort drückte er mir freundlich die Hand und fügt! lächelnd hinzu:Komm bald wieder, aber nicht nut auf fünf Minuten."

Vermischtes.

Aber, Kutscher, fahren Sie doch zu: Ich komm ja zu spät zum Zuge!" Der Kutscher zuckt mit ben Achseln.Aber, Kutscher, hauen Sie doch mal au| Ihre Mähre, ich komme ja im Leben nicht auf ben Stettiner Bahnhof."Ich kann nicht, Herr, wem ich schnell fahre, bekomme ich Herzklopfen."

Im Schwurgerichtssaal. Präsident: Als« erzählen Sie einmal den Hergang. Zeuge : Also ick sitze janz jemüthlich bei Hoppolden und drinke » Droppen. Mit eenmal kommt eener, ohne bet M merke, hinterrücks uf mir zu, und haut mir mit'n Seidel 'n Loch in'n Kopp, so jroß wie'n Dhaler - un bet fiel mir uf!

Höflich.Bitte tausendmal um Entschuldigung, daß ich Ihnen keinen Stuhl angeboten habe, ich konnte ja nicht wissen daß Sie mir mehr als fünf Viertelstunden die Ehre Ihres Besuches schenken

würden.

W e n i g Z u t r a u e n. Chef (zu seinem Commis): Mensch, mit Ihnen ist auch nichts, rein gar nichts los; ich glaube, Sie können nicht einmal die Cholera kriegen. ____________

Siebaction; A. Scheyda. Druck unb Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Thc. Pietsch) in Gutzm,