Ausgabe 
25.2.1888
 
Einzelbild herunterladen

Ler» stille stand, um gleich darauf durch stürmische Klopfen sich um so bemerkbarer S» machen.

, Was meinst Du", fragte dis Geheimräthin ihren Gatten,soll Johann Herrn von Stolzenberg in das gelbe Zimmer führen oder sollen wir ihn bitten, hierher zu kommen?"

Ich denke, wir empfangen ihn hier", erwiderte der Gefragte.

So ersuchen Sie den gnädigen Herrn, Ihnen hierher zu folgen."

Zohann verbeugte sich und kehrte ins Schloß zurück.

Frieda erhob sich und es hatte den Anschein, als ob sie sich entfernen wollte.

Wohin, ma obere ?" fragte die Mutter.

Muß ich dabei sein, Mama?"

Warum wolltest Du es nicht, mein Kind?"

Das junge Mädchen setzte sich ohne weitere Be­merkung wieder nieder.

Der Schlangeuberg, auf dem dis Schlangenburg lag, war von einer waldbewachfenen, mit Felsen durchsetzten Hügelkette, die sich längs dem nicht schr breiten, aber vkrhättnißmäßig t efen Fluffe, der Singe, hinzog, der Höchsts Hügel, dessen baumfreir Spitze meilenweit sichtbar war. Die Burg mit ihrem hohen Thurms und ihren vielen kleinen Thürmchen lag in der Mitte eines breiten Plateaus, hart an den aus letzterem aufsteigenden nackten Felfe-'.kegel hinan, ja thsilweise in ihn hineingebaut.

Die Schlangenburg, deren Wirthschaftrräume alle auf dem inneren Hofraum mündeten, war ringsherum von einem im Rococostyl erhaltenen großen Garten umgeben, der in einen prächtigen, bis an den Fuß des Berges hinsbsteigenden Park überging. Der beschnittene Taxus spielte hier selbstverständlich die größte Rolle, außerdem waren Park und Garten parnaßartig von einer Menge steinerner Figuren be­lebt und alle Götter und Halbgötter des Olymps waren hier, einzelne stehend oder in Gruppen vereinigt, vertreten. Mochten nun auch diese Anlagen durch die Menge all der Grotten, Lauben, Bassins, Pavillons, der dunklen, heimlichen Laubgänge rc. überladen erscheinen, das Ganze machte dennoch einen höchst romantischen Eindruck und unwillkürlich fühlte man sich in das Mittelalter versetzt.

In einer Toxuslaube, welche die Form einer Muschel hatte, von der man durch einen künstlich hergestellten Ausschnitt im Walde eine hübsche Aus­sicht auf die Stadt Holzendorf und einen Theil des Schlangenthals mit dem Flufle hatte, saßen auf mit PlüschdcÄen von rothem Sammet belegten Sand­steinbänken um einen steinernen Tisch herum Wolter, besten Gemahlin und Tochter, sowie eine ältere Frau, Frau Bkhrens, Frieda's Pflegemutter. Sie war in Afrika schon deren Wärterin gewesen, sowie sie auch die Wärterin von Frieda's Mutter gewesen war. Bor mehr als vierzig Jahren war Frieda's Groß­vater von Afrika nach Hamburg herübergekommrn,

um sich eine Frau zu suchen. Er hatte bald ein junges Mädchen gefunden, mit der er sich verlobte und die junge Braut überredete die jetzige Frau Behrens, die damals als einfache Magd bei ihr diente, mit ihr in den fremden Welttheil zu ziehen, wozu diese sich, die Luft und Muth dazu hatte, auch entschloß. Einige Jahre später verheirathete sie sich mit einem im Geschäft angesiellten Deutschen, Namens Behrens, den sie bald wieder durch den Tod verlor, worauf sie wieder zu ihrer Herrschaft zurückkehrte

(Fortsetzung folgt.)

Das verlorene Testament.

Von Leo Sonntag.

Der alte Gerhard Rußmann war gestorben und begraben. Unter all den thsuren Freunden aber, die den Verstorbenen zur letzten Ruhestätte begleitet hatten, herrschte dir größte Aufregung; denn in srinem Testamente war Martha Reger, seine junge Gesellschafterin, als Alleinerbin eingesetzt, während von seinem Neffen Robert mit keiner Silbe die Rede war.

Es muß hier irgend ein Jrrthnm vorliegen", meinte Dr. Wilde, der Anwalt des alten Herrn. Ich weiß bestimmt, daß nach der Rückkehr Herrn Robert's ein neues Testament gemacht worden, das diesen zum Haupterben eins-tzts. Fräulein R?gsr war darin auch in sehr generöser Weise bedacht; aber dieses, bas ihr alles zuschreibt, war abgefaßt worden, ehe Herr Rußmann von der Rettung seines Neffen Ksnntniß hatte. Ich vermuthete, es sei längst vernichtet worden."

Warum vermutheten Sie das?" war Robert Rußmann's sehr natürliche Frage.

Mein Client sagte mir, er wolle er in's Feuer werfen, als wir das zweite aufsetzten, Md ich glaubte natürlich, er habe es gethan. Doch er scheint es aus irgend einem Grunde Unterlasten zu haben, und nun befindet sich das unrichtige Papier in unfern Händen. Wir müssen nach dem andern suchen"

Und bis Sie es finden, oder, wenn Sie es überhaupt nicht finden, besteht dieses zu recht, nicht wahr?" unterbrach ihn Robert ruhig, und der An­walt mußte dies zugestehen.

Fräulein Reger hatte dieser ganzen Unterredung mit niedergeschlagenen Augen zugehört, ohne sich mit einem Worte an derselben zu betheiligen. Desto eifriger aber redeten alle die lieben Freunde, und : manches Wort traf das Ohr de» jungen Mädchens, das wohl nicht ganz für dasselbe berechnet war.

Eine sehr unrkwürdige Lage für Fräulein ' Reger", hieb es da.Sollte sich das echte Tssta- ' ment nicht finden, so wäre es doch eigentlich ihrs