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Junkek!

Erzählung von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Regungslos saß Marie da. Noch hatte ihr Vater die Thür nicht erreicht, da sprang fie auf, eilte zu ihm und umschlang ihn mit beiden Armen--

Vater Vater! Laß mich hier!" rief sie bittend.

Unwillig wandte Prell sich um.

Marie!" rief er streng, heftig.

Laß mich hier, Vater", fuhr das Mädchen bit­tend fort.Laß mich hier stoß' mich nicht von Dir!"

Marie fei doch nicht thöriSt!" sprach Prell, sich zusammennchmend und weniger heftig.Paula wird es Dir nicht übelnehmrn, wenn fie acht bis vierzehn Tage allein ist morgen Mittag reist Du fort!"

Gr drängte sie zurück und verließ das Zimmer.

Laut schluchzend warf sich Marie auf einen Stuhl, das Gesicht mit beiden Händen bedeckend. Eine un­bezwingbare, ahnungsvolle Angst hatte sie erfaßt.

Es war ihr, als ob fie lorgeriffen sei von dem Herzen ihres Vaters, als ob fie ihn verloren habe ohne ihre Schuld, nur weil er Paula mehr liebte als fie.

Paula hatte weder Prell» HeftigkeitMch Marien» Schmerz begriffen. Theilnrhmend trat sie zu ihr und legte ihren Arm der Freundin um den Hal».

Marie!" bat sie,sei ruhig, füge Dich dem Willen Deines Vater». Ich bleibe ja gern die kurze Zeit allein, da ich weiß, daß Du in der Residenz Vergnügen haben wirst. Sei ruhig!"

Im heftigen Schmerze kannte Marie sich selbst nicht mehr. Unwillig stieß sie die Freundin zurück. Sie war e» ja, die ihr die Liebe ihre» Vater» ent­zogen hatte, fie hatte mit ihrem Eintritte in diese» Haus ihr Glück untergraben.

Marie!" rief Paula vorwurfsvoll.Hab' ich Dir ein Leid zugefügt?"

Ja ja!" rief die Schluchzende.Laß mich allein geh' fort fort!"

Sie bedeckte auf'» Reue da» Gesicht mit beiden Händen.

Zögernd stand Paula da. Marien» Worte waren für fie ein Rärhsel. Nie hatte fie das sonst so ruhige, sanfte Mädchen in einer so aufgeregten Stimmung gesehen. Sie fühlte stch frei von jeder Anschuldigung, mochte Mariens Mund sie auch aus­gesprochen haben. Schweigend verließ fie das Zimmer.

Bis zum folgenden Morgen blieb Marie allein eingeschloffen auf ihrem Zimmer. Al« Prell am Abend mit Paula allein saß, fragte er kurz:Wo ist Marie?" und als Paula ihm mittheilte, daß fie sich auf ihrem Zimmer eingeschloffen habe, sprach er kein Wort weiter darüber. Er war überhaupt still,

verstimmt, so daß auch Paula nach dem Esten ihn verließ und stch auf ihr Zimmer begab.

Marie war am andern Morgen ruhig, gefaßt, dennoch schien eine Veränderung in ihr vorgegangen zu sein. Sie war ernst, kalt. Sie hatte ihre Sachen gepackt und al» fie am Mittag von ihrem Vater und Paula nach dem Bahnhof gebracht wurde, nahm fie ohne eine Thräne von ihnen Abschied. Es lag in ihrer Ruhe fast etwa« Unheimliches, Aengstliche«. Ihr Vater schien es nicht zu bemerken, denn er war freundlich gegen ste und rief ihr nach, al« fie bereits im Wagen faß, sie möge sich viel Vergnügen machen er werde sie selbst aus der Residenz wieder abholen.

Er kehrte mit Paula allein in sein Hau» zurück.

Paula war verstimmt. Vergebens hatte sie stch den Austritt zwischen Marie und deren am Vater Tags zuvor zu erklären versucht. Martens Ruhe und Kälte beim Abschied hatte ste noch mehr befremdet. Sie hatte ihr kaum die Hand gereicht, und doch waren fie innig befreundet gewesen, doch wußte sie nicht, wodurch fie Marie beleidigt hatte.

Der Doktor sprach wenig, bi« sie in seinem Hause wieder ankamen.

Paula wollte stch auf ihr Zimmer begeben. Er bat sie, mit auf seine Stube zu kommen.

Ich habe mit Dir zu sprechen, Paula", fügte er hinzu.

Setz' Dich setz' Dich, Paula", sprach er, als sie auf seinem Zimmer an gekommen waren. Er konnte seine innere Unruhe nicht verbergen. Aufge­regt schritt er mehrere Male im Zimmer auf und ab. Dann blieb er vor Paula stehen.

Hat Dir Marie mitgetheilt, weshalb ste so un­gern fortging, weshalb ste hier zu bleiben wünschte?" fragte er. Er blickte sie scharf, beobachtend dabet an.

Nein", erwiderte Paula, ihm unbefangen in'» Auge blickend.

Er sah, daß sie die Wahrheit sprach.

Dich wird ihr Benehmen befremdet haben?" fuhr er fort.

Ich begreife e» in der That nicht", erwiderte Paula.Ich habe ihr kein Leid zugefügt."

Da» weiß ich", sprach der Doktor, und seine Stimme wurde milder.Ich weiß e» selbst nicht, was so lebhaft den Wunsch in ihr erweckt haben kann, hier zu bleiben. Mehr al« einmal hat sie mich Du wirst es ja selbst wiffen gebeten, ihr die Erlaubniß zu einem Besuche in der Residenz zu geben. Ich habe ihre Bitte abgeschlagen ich hätte er vielleicht nicht thun sollen, allein es wurde mir schwer, mich von ihr zu trennen, ich wäre dann i in diesem geräumigen Hause ganz allein gewesen, hätte Niemand gehabt, mit dem ich bei meiner Heim­kehr hätte plaudern können. Ich konnte sie nicht entbehren. Dennoch bereue ich jetzt, daß ich sie nicht s schon früher zu ihrer Tante gesandt habe. Ich sehe ein, daß meine Erziehung nicht die richtige gewesen ist. Marie ist gut und sanft, ihr Charakter ist schmiegsam, und so hoffe ich, daß meine Schwester