und in der Höhe der Gestelle, einzelne Abänderungen zeigten. Die Römer unterschieden das Schlafbett (lectus cubicularis) vom Ehebett (lectus genialis), ferner das eigentliche Krankenlager, das niedrige scimpodium und das Paradebett des Todten (lectus funebris) von dem bei der Mahlzeit hauptsächlich benutzten kostbaren lectus tricliniaris. Gestelle sowohl, als Polsterstoffe zeigten besonders während der größten Machtentfaltung hohen Reichthum.
Weit einfacher sind die Ruhestätten der nordischen Völker, welche ihr Lager meist aus Thierfellen oder einer Streu herstellten.
Im sechszehnten Jahrhundert werden im ganzen, zumal in vornehmeren Häusern, Bettstellen mit kostbaren Schnitzereien häufig, weil man in dieser Zeit die Holzschnitzkunst mit besonderer Vorliebe pflegte. Alle verschiedenen Formen der mittelalterlichen Bettgestelle haben das Hohe und Kollossale gemein, so daß die Bettstücke darin aufgethürmt werden konnten und der Ruhende oft mehr darin faß, als lag. Die erste Unterlage war das Pflumit oder Federbett, an dessen Stelle aber auch manchmal Stroh eingelegt wurde. Das Hauptstück darüber war der Kulter (lat. culcita, franz, coultre), eine stark gepolsterte Matratze, mitunter auch eine leichtere Steppdecke. Auf diesen legte man das Leilachen, die linde Wat, „Linien", das Bettlaken. Den Kopf stützte man durch das kleine zierliche „Wangekifsen" und das letzte Stück war das „Deckelachen", eine leichte Decke von „Pfellel" (Baumwollenzeug, Seide, Pelzwerk oder mit Pelzwerk verbrämte Seide).
Das heutige Bett mit seinen schweren verweichlichenden Federbetten ist erst eine Erfindung des 18. Jahrhunderts. Natürlich sollen nun nicht alle Federbetten sofort beseitigt werden und etwas harte Matratzen an deren Stelle treten, aber etwas weniger „Verzärtelung" der Menschheit könnte nichts schaden. Nur eins wollen wir als Ausnahme hervorgreifen, nämlich das in neuerer Zeit auftauchende Vorurtheil gegen weiche Betten, soweit kleine Kinder in Betracht kommen. Es ist in letzterer Zeit von ärztlichen Autoritäten nicht selten darauf hingewiesen worden, daß «allzuharte Matratzen, d. h. solche, die in keiner Weise dem Drucke des Körpers nachgeben und keiner Bewegung desselben sich anzuschließen vermögen, von schädlichem Einfluffe auf die Gestaltung des jugendlichen Körpers sind. Vögel und andere Thiere bedecken ihre Brut mit den weichsten Stoffen, welche ihr Instinkt sie auffinden läßt, und in gleicher Weise bereiten sie derselben möglichst weiche Unterlagen. Die weiche Roßhaarmatratze sollte bei jungen Kindern die Grenze sein, während wollene Decken im Sommer als Zudecke genügen, die im Winter durch zwei oder drei Decken oder auch ein Federbett abgelöst werden kann.
Für das Verlockende und die Gewohnheit der Kinder, in Federbetten besonders am Morgen länger liegen zu bleiben, giebt es ein einfaches Korrektiv: Energie seitens der Eltern!
Auf eine Gefahr der Federbetten möchte aber doch noch aufmerksam gemacht werden. Dieselbe besteht darin, daß sie die Ausdünstung des Körpers zu leicht in sich aufnehmen. Werden nun die Betten nicht alltäglich und fleißig und sorgsam gelüftet, so können nur zu rasch Krankheiten entstehen, deren Ursachen häufig ganz wo anders gesucht werden.
Eine Unsitte aber verdient des schärfsten Tadels.
Die kleinsten der Weltenbürger, welchen das Laufen auf ihren eigenen Spazierbeinchen noch nicht zugemuthet werden kann und daher noch in den Kinderwagen gefahren werden müssen, werden meist auch im Sommer in schwere, dicke Federbetten eingehüllt. , Tropische Mittagsgluth und diese gleichzeitige unsin- I nige Einpackung aber sind es, welche nur zu oft | den Todeskeim in die Kinder legen. Und strampelt | solch ein kleiner Kerl infolge der unerträglichen Hitze »v das Deckebett endlich von sich, so sind unkundige I Mutterhände schleunigst bereit, den armen Kleinen ; wieder in sein Gefängniß einzupacken, vielleicht auch l einzubinden.
I Den Schluß bilden die neumodischen Schiebekinderwagen, bei welchen die Begleiterin das Kind niemals im Auge haben kann, und eine die Sehorgane der Kinder zu Grunde richtende scharlachrothe Decke.
Es könnte wahrlich nichts schaden, wenn bezüglich der Lager- und Ruhestätten mit ihrem Anhängsel 5 bald gesündere Reformen Platz griffen. Man schütte l jedoch das Kind nicht mit dem Bade aus und treibe l die „Abhärtung" nicht zu weit. Solche Prinzipien- \ reiterei, bei welcher die Kinder bei offenen Fenstern I schlafen und im Winter Flußbäder nehmen müssen, i niemals wollene Strümpfe tragen dürfen und bis ' zum 14. Lebensjahre mit nackten Knien Herumlaufen » und auf Matratzen schlafen müssen, welche sich von i den Holzpritschen eben nur durch das Material i unterscheiden, solche Prinzipienreiterei ist ebenso ver- werflich, wie Federpfühle und Watte-Emballagen.
s Egon W.
Mermisch 1 es.
; Wölfe in Indien. Die Nachbarschaft von Murgaon in Bandelkand ist stark von Wölfen heim-
* gesucht, deren Vernichtung ein leichtes wäre, denn sie wohnen in Schluchten um die Dörfer her, die
i völlig zugänglich sind, und eine kleine Summe, die man den Kaudschars gäbe, würde den Zweck erreichen, aber man giebt diese Kleinigkeiten nicht. Man rechnet, daß in der Stadt Agra jährlich 200 Kinder von Wölfen zerrisfen werden. Man hat alles Mögliche gethan,
! um die Bewohner zu größerer Wachsamkeit anzufeuern und hat Preise auf jeden Wolfskopf gesetzt, aber die Eingeborenen halten die Wölfe für eine besondere Geißel des Himmels und deren Vernichtung für gottlos.
Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag bet Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.
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