Ausgabe 
24.4.1888
 
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Genußsüchtige, welcher so lange ißt und trinkt, 61$ |eln Appetit sich in Ekel verwandelt, bis Aufblähung und Magendrücken ihn belästigen, im eiMtlichen Verstands bis er nicht mehr kann. Wie ver­derblich aber eine so zwecklose Ueberfüllung des Magens sein müsse, leuchtet von selbst ein. Die verschluckten Speisen können hier weniger a^s Nah­rungsmittel, vielmehr müssen sie durch ihre Volumen (als fremdartige Masi?) wirken und Schaden bnn- aen; sie müssen die Verdauungrkcäfte theils unnützer Weiss erschöpfen, theils krankhaft verändern, michm in einen Zustand versetzen, in welchem sie unfähig sind, dem Organismus den nölhigen Ersatz des Eon- sumirten zuzusühren. Dies zeigt sich sehr deutlich in den Folgen der Ueberladung. Nach ein .m harten Kampfe, der sich In bedeutend krankhafter und schmerz- licher Veränderung des normalen B.findms aus- spricbt, pflegt die widerstrebende Lebenskraft den, als fremdartigen Reiz wirkenden, Inhalt des Magens gewaltsam zu entfernen, und sich gegen seinen ver­derblichen Ewfluß zu behaupten; es entsteht ein ysf- ttak» Erbrechen, ost auch entweder allein, oder mit diesem gleichzeitig, wobei die genossenen Sprrsrn ge­wöhnlich unorrdauet, bisweilen zu einer verdorbenen, übelriechenden Maste umgeändsrt, eur geleert werden. Geschieht die Ausleerung durch Erbrechen sehr b ld nach dem Genusie, so pflegt sich der Orgamsmus eher in seiner Integrität zu behaupten ; er bützt dann für diesmal nur die nöthige Nahrung ein. War er aber unfähig, diese Entleerung frü^eüg zu bewirken, so wird er in feinem normalen Befinden auffallend beeinträchtigt; theils entgeht ihm der nörhtge Ersatz des Consumirten, weil sich dir im Uebermaß genosienm Speisen nicht assimrliren lasi-n, theils wird unter seiner Anstrengung, dar Unver­dauliche zu emf men, der Verlust an gröbern wre feineren Stoffen noch bedeutender, feine Energie mit­hin vollends erschöpft und die Harmonie der L-bens- kläftr auffallend zerstört; die Verdauung kehrt lange nicht wieder in ihren normalen Zustomo zurück, der Appetit ist gänzlich gesunken und die Speisen , mit denen die Uederladung geschah, können, weil schon ihr Anblick bei dem Betreffenden oft Ekel erregt, von ihm vielleicht nie wieder genosien werden.

Wenn nun aber Uebermaß im Esten und Trwken von so verderblichen Folgen für die Gesundheit ist, so wird auf der andern Seite auch der zu sparsame Genuß von Speisen und Getränken bedeutende Nach­theile mit sich führen. Es springt in die Augen, daß der Körper, da ihm auf diese Weise der nüthige Ersatz des Consumirten geschmälert und vorenthalten wird, alle Energie verlieren und gleich einer Pflanze, welcher der erquickende Regen fehlt, dahmsiechen muß. Die weise Natur gab ihren Geschöpfen , um sie zum Esten und Trinken zu nöthigen und so dre schrecklichen Folgen des Mangels an Nahrung sicher zu verhüten, das lästige Gefühl des Hungers und Durstes und erreichte dadurch ihren Zweck vollkom­men. Denn so lange der Mensch nicht durch die

Redaktion: A. Scheyda. Druck und Verlag der B

dringendsten Umstände, z. B. den höchsten Grad von Armuth, abgehalten wird, folgt er gewiß dieser lauten Stimme der Natur und genießt täglich bis zur Sättigung.

(Schluß folgt.)

Vermischtes.

Die Blume des Frühlings ist: das Veilchen! Schon im 13. Jahrhundert beging man zu Wien an der schönen blauem Donau em eigenes Fest, zu Ehren des ersten Blauveilchens, ähnlich wie anderwärts die frohe Wiederkehr der lieben Gäste und ersehnten Frühlingsbooten: Herr Storch und Frau Schwalbe, die willkommene Ge­legenheit zu heiterer Feier gab. In der alten Kaiserstadt Wien zog ehedem der ganze Hof mit sammt dem Herrscher hinaus ins Freie, begleitet von Jubel und Musik, um den lieblichen Herzens-Herold zu begrüßen, der draußen erblüht war; die aber, welche ihre Hand ausstrecken durfte, um das erste Veilchen zu pflücken, mußte die schönste, sittenremste Jungfrau fein. Dann sang man Frühlingslieder, führte Tänze auf, und trug, wie im Triumphzug, das holde Symbol des Lenzes in die Stadt hmem. Dieses einstigeVeilchenfest" scheint später m das Prater-Maifest sich verwandelt zu haben. Wer aber sähe es wohl dem still-bescheidenen, harmlosen Veilchen an, daß es auch politische Bedeutung be­sitzt und zu einem historischen Festact schon Veran- lassung gegeben? - Bekanntlich ist sonderbarerweise just diese schüchterne, anspruchslose Blume der Günstling der Napoleoniden und dadurch m kritischen Zeiten förmlich zum Abzeichen der Bonapartisten geworden. Als Napoleon I. von Elba im Marz 1815 aus der Verbannung plötzlich nach Frankreich zuruck- kehrte, wurde zu seinem Empfange Alles mit Veilchen dekorirt, der Blume des Herzens und der Hoffnung. Die Veilchen und Hoffnungen der Napoleoniden Frankreichs sind verwelkt, dafür aber blüht das deutsche Veilchen für und für in deutscher Treue weiter und trägt seinen zarten, herz-erqmckenden Duft sogar hinauf bis zur Höhe eines Thrones. Und wieder ist's ein Kaiser, der es als Lreblmg sich erkoren! Ist das liebliche Veilchen, des Früh, lings Sinnbild, doch Kaiser Friedrich s Lieblings- blume!

Fürstliche Taufpathen. Als der Kurfürst von Sachsen, Johann Georg L seinen siebenten Prinzen, den 27. Juni 1622, taufen ließ, hatte er 32 Pathen. Darunter waren aber kaum dre Halske aus fürstlichem Stamme, die übrigen vom Hof und Militärstaat. So viel Pathen hatte kem Fürst aus dem Hause Sachsen weder vor noch nach ihm.

ühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gi-ßen.

Nr. 49

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