Ausgabe 
24.4.1888
 
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Ich wies Euch sanft und freundlich zurück, fürchtend, Euch zu verletzen. Dann singt Ihr mit den Verfol­gungen an, die ich aufgezählt habe."

Ein fchrecklicher Fall", höhnte Herr Gower. Man würde mich nach Eurem aufgeregten Bericht wirklich für ein Ungeheuer halten. Was Eure An­spielungen auf meine verstorbene Frau, die Lady Feodora, mit der Sache zu thun haben, kann ich wahrlich nicht verstehen. Es ist wahr, daß Ihr ihre Mündel wäret und daß sie Euch mir als Vermächl- niß hinterlassen hat. Ich glaube, sie würde meinen Entschluß, Euch zu heirathen, billigen, denn sie liebte uns Beide, trotz ihrer Eifersucht, die Erste sein zu wollen. Sie war eine Frau, auf die man stolz sein konnte", sagte er sinnend.Groß, stattlich, elegant und vornehm, aber sie vergaß nie, baß sie die Toch­ter eines Grafen war. Vor unserer Heirath ver­sicherte sie mir, daß sie nie einen Wittwer heirathen würde. Sie wollte niemals die Zweite im Herzen oder in der Heimath des Mannes fein. So lange sie lebte, vergaß sie nicht, daß sie eine Dame von hohem Range war und ich nur ein armer Edelmann. Aber das ist jetzt Alles vorbei. Wenn ich wieder heirathe, nehme ich nur Eine, die mit mir im gleichen Range ist; Heirathen unter wie über seinem Stande haben immer ihre Schwierigkeiten. Ich würde ein Weib wählen, das jünger ist als ich; die Jugend in ihrer Unschuld und Frische ist so schön. Kurz und gut, Olla, ich würde Euch wählen."

Niemals könnte ich Euch wählen, niemals", ent­gegnete Olla in lebhaftem Tone.Es ist unnatür- sich, daß sich die Jugend mit dem Alter vereint."

(Fortsetzung folgt.)

Wann und wie sollen wir essen und trinken?

Diätetische Plaudereien.

(Sortierung.)

Für den Morgen und Abend schickt sich dagegen nur ein sparsamer Genuß leicht verdaulicher Speisen, der die Thäügkeit des physischen und psychischen Le­bens nicht beschränkt und dozu dient, die schnellen Uebrrgänge im Verdauungsgeschäfte zu mäßigen und die zu plötzliche und zu starke Anfüllung des Magens, welche bei einmaligem Essen erfolgen müßte, zu ver­hüten. Ur. streitig dürste zu diesem Behufs vor Allem die unseren Säften so leicht assimilirbare Milch, welche in Verbindung mit Brod, Semmel oder auch einem andern leicht verdaulichen Nahrungsmittel, allen gemachten Anforderungen vorzüglich entspricht, am geeignetsten sein.

Diese Lebenrordnung wird noch nützlicher werden, wenn man sich gewöhnt, seine Mahlzeiten täglich zu einer fest bestimmten Stunde einzunehmen, besonders unerläßlich ist es, das Abendbrot stets einige Stunden vor dem Schlafengehen zu verzehren, um jede Stö­rung des naturgemäßen Schlafes zu vermeiden.

Nicht minder als das Wann? ist das Wie? bei

der Befriedigung unserer- und Trinkbedürsniffs zu beachten, denn die rechts, naturgemäße Act dieser Befriedigung erscheint jedenfalls auch hochwichtig für unsere Gesundheit. Die Natur hat dem Menschen zur Stillung seines Hungers und Löschung seines Durstgefühlss außerordentlich mannigfaltige Genüsse angewiesen, fo daß er stets nach eigenem Belieben eine Auswahl treffen und eine fortwährende Ab­wechslung beobachten kann. Was ihm aber die gütige Natur zum Geschenke anbietet, dar darf er nicht eigensinnig verschmähen; denn sie verbindet, eben so weise als gütig, mit allen ihren Gaben auch einen heilsamen Zweck. Wie jeder einzelne Nahrungrstoff zum Ersätze des täglich Consumirten auf seine eigen- thümliche Weise beiträgt, einer sich diesen, der an­dere jenen Theilen des organischen Körpers vorzugs­weise aneignen läßt, mithin keiner ganz durch den anderen ersetzt werden kann: so fühlen wir auch nach dem lange fortgesetzten Genüsse einer und der­selben Speise, wäre sie auch an sich die indifferen­teste und angemessenste, Ekel, Ueberdruß und Unbe­haglichkeit entstehen zum deutliche« Beweise, daß wir von dem ebenen Wege der Natur abgewichen sind.

Darum sind wir es unserer Gesundheit schuldig, in den täglichen Genüssen so viel als möglich abzu­wechseln und nicht immer dieselbe Speiss wieder zu genießen.

Auf der andern Seite ist aber auch hohe Ein­fachheit ein allbekanntes Naturgesetz, und diesem zu­folge würden wir mit Unrecht jede unserer Mahlzeiten mit vielen und mannigfaltigen Speisen und Getränken überladen. Wie der Genuß einiger angemessenen Nahrungsmittel, wenn diese täglich, oder auch nur von Zeit zu Zeit verändert werden, den Appetit auf eine angenehme Weise anregt und gesund erhält, so muß im Gsgentheil die künstliche Zusammensetzung vieler und verschiedener (wiewohl indifferenter) Speisen zu einem Gerichte, wie jede Uebertreibung, dem un­verwöhnten Mage« höchst zuwider sein, den verwöhn­ten (kranken) aber immer noch weiter verwöhnen und verderben.

Auch in quantitativer Hinsicht verdienen unsere Genüsse eine besondere Berücksichtigung. Vernünf- tiger Weise und nach dem Willen der Natur können wir nur so lange essen und trinkrn, bis unser Be- dürfniß befriedigt ist, d. h. bis das sigenthümliche Gefühl des Hungers und Durstes, welches uns zum Essen und Türken nöthigts, verschwindet; länger zu genießen, ist zwecklos und verderblich. Der natür­liche Mensch, welcher ißt und trinkt, um zu leben und gesund zu bleiben, genießt stets mäßig bis zu seiner Sättigung, nie bis zum Verschwinden des Appetites, ja, er versagt sich den Genuß schon, sobald das dringende Bedürfniß befriedigt ist, weil er aus Erfahrung weiß, daß die genossenen Nah­rungsmittel erst einige Zeit nachher, wenn sie, mit dem Magensafte vermischt, den ersten Akc der Ver­dauung erleiden, das Gefühl einer vollkommenen Sättigung (gelinde Spannung in der Magenge gend u. s. w.) erregen. Anders Brr verfährt H