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Hunderts, welche aus der Menge zu bedeutenden Würden emporstiegen. Seine Mutter hatte stch zeitweise dadurch ernährt, daß sie gelegentlich Ammendienste sür Kinder reicher Leute verrichtete. Hierdurch war sie dem Dr. Baudelique bekannt geworden, der ein besonderes Gefallen an ihrem aufgeweckten Sohne fand. Der Arzt ließ dem Knaben Unterricht ertheilen und da sich derfelbe lernbegierig zeigte, auch gute Anlagen verrieth, so ermöglichte er ihm, die akademische Lauf- bahn zu betreten.

Der junge Lavalette war zuerst entschloßen, Prie­ster zu werden; doch bald ging er zum Studium der Rechte über. Während der Revolution ward der junge Student zum Osficier der Nationalgarde ge­wählt und nachdem er im August des Jahres 1792 die Tuillerien mit Erfolg vertheidigt hatte, beschloß er die Mtlitär-Carriöre zu seinem Lebensberufe zu machen. In Italien gelang es ihm, die Aufmerksam­keit Napoleons auf sich zu ziehen und nunmehr ward sein Glück vollkommen. Napoleon ernannte ihn zu I seinem Adjutanten und vertraute ihm seine geheime Correspondenz an. Um den brauchbaren Mann völlig an sich zu fesieln, vermählte er ihn später mit einer Richie seiner Gemahlin, der späteren Kaisers Jose- phine. Lavalette begleitete Napoleon auch nach Egypten. Nach Erhebung seines Gönners auf den Kaiserthron, erhielt Lavalette die schwierige Verwaltung des Reichs­postwesens, welchem Amte er mit Auszeichnung bis zum Jahre 1814 verstand.

Nach der Abdankung des Kaiser» in Fontaineblau, trat Lavalette in das Privatleben. Sein Nachfolger im Amte ward ein gewißer Ferrand, der ihn jedoch sehr häufig in wichtigen Angelegenheiten um Rath fragte, so daß Lavalette stet» über die geheimen Vor- gänge im Cabinete des Königs unterrichtet war.

Lavalette's sog. Verrath oder sein Verbrechen be- stand nun darin, daß er am 20. März 1815, wenige Stunden nach der Flucht des Königs Ludwig XVIII. aus Paris, mit dem General Sebastiani im Gebäude de« Postamts erschien und Ferrand zwang, ihm se ns Stellung zu überlaßen, in der er natürlich kräftig für das Gelingen de» kühnen Unternehmens seines frühe­ren Kaisers mitzuwirken im Stande war.

Lavalette hätte sich ebenfalls durch die Flucht retten können; doch er that es nicht und ward ver­haftet. Man eröffnete die Untersuchung gegen ihn und stellte ihn vor ein Geschworenengericht, welche« ihn im November 1815 schuldig fand, wonach dar Todesurtheil über ihn ausgesprochen ward; ein Akt, welcher allgemeine Sensation erregte und den bösesten Deutungen unterlag, als die Vorbereitung zu seiner Hinrichtung mit unverständlicher Eile betrieben wurde. Da faßten, gewiffermaßen noch in der letzten Stunde, drei Engländer, Wilson, Hutchinson und Beura, den Entschluß, den Unglücklichen zu retten; - doch wie - ? das war jetzt dis Frage. Die Herren kamen vorläufig dahin überein, sich mit der Gemahlin des Grafen in Verbindung zu setzen, um in Erfahrung zu bringen, ob bereits von anderer Seite eine Rettung de» Grafen geplant worden und ob sie vielleicht mit dem Gemahl

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in Correspondenz stehe. Kapitän Hutchinson begab sich also zu der Gräfin.

Die hartgeprüfte Frau zeigte stch sehr erfreut über die Theilnahme, welche die Herren ihrem Ge- mahl schenkten, doch im Uebrigen hatte sie nur ver­neinende Antworten. Alles, was sie bisher gethan, das Geschick der Grafen zu ändern, bestand in Gnaden­gesuchen, die jedoch keinen Erfolg gehabt. Mit dem Ge- mahl in Verbindung zu treten, war ihr ebenfalls nicht gelungen. Nur das Versprechen hatte man ihr gegeben, daß sie den Grafen heute noch auf einen Moment sehen dürfe; die Zeit dazu solle ihr noch näher be­zeichnet werden.

Das war sreilich wenig genug; es schien sich nicht recht etwas daraus machen zu laßen. Hutchinson bat die Dame, ihr auch noch seine Freunde zufuhren zu dürfen, damit man in gemeinsame Berathung treten könne. Die Gräfin gab die Erlaubniß dazu und kurz vor Abend erschienen die drei Britten bei ihr.

Inzwischen war die Gräfin Lavalette benachrich­tigt worden, daß die Gefängniß-Jnspection angewiesen sei, ihr nach Eintritt der Dunkelheit den Besuch de» Gemahl», dessen Hinrichtung auf den nächsten Morgen festgesetzt war, zu gestatten. Ihre Tochter, ein Kind von zwölf Jahren, und dessen Gouvernante dursten sie dabei begleiten.

Man begann die beabsichtigte Berathung, und fast schien es, als solle die Zusammenkunft der vier um den Grafen Lavalette besorgten Personen resultatlo» bleiben

Da kam der Gräfin plötzlich ein kühner Gedanke. Mit lebhaften Worten theilte sie den Herren einen Man mit, der dieselben aus einen Moment verstum­men ließ, um sodann ihre lebhasteste Bewunderung, freilich auch Zweifel am Gelingen desselben, hervor­zurufen.

Ich will Ehre und Leben meines Gemahls retten!" erwiderte jedoch die heroische Dame auf alle Einwendungen,da kann es auf einige Widerwärtig­keit für mich nicht ankommen." Die Herren mußten der Dame Recht geben und schnell ward jetzt das Weitere besprochen, um ein gemeinsames Handeln in der gewagten Affaire zu vermitteln. Hiernach empfah- len sich die Engländer. Kaum hatten die Fremden da» Hau» verlassen, so beschied die Gräfin ihre Tocyter und deren Gouvernante zu sich, um beiden eine ein­gehende und eindringliche Unterweisung zu ertheilen. Dann ging man sofort daran, die weiteren Vorberei­tungen zu treffen. Mit Eintritt der Dunkelheit waren die Gräfin und ihre beiden Begleiterinnen gerüstet, i Ez war, wie schon bemerkt worden, November und s bereits kalt. Die Gräfin hatte daher einen langen Pelzmantel umgenommen und eine Pelzkappe aus den St'pi gezogen. Da» Pelzwerk der beiden Bekleidungr- Geg nstände verdeckte da» Gesicht der Dame bis auf die Augen. Beide Kleidungsstücke waren bestimmt, eine besondere Rolle bei dem gewagten Unternehmen der Gräfin zu spielen.

(Schluß folgt.)