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bekanntlich an der Hohen-Tbor-Promenade liegt. Hier : verschwand er, wie vom Erdboden verschlungen, was i mich schließen ließ, daß er mit diesem Terrain bc- kamt sein müsse."
„Seltsam", sprach der Assessor, „aus welchem Grunde flohen Sie vor jenem Menschen?" wandte er sich jetzt an Walter.
„Weil er mich mit einem Revolver bedrohte", versetzte jener achselzuckend, „ich saß ganz mutterseelenallein in der Gaststube bei einem Glase Bier, als der Fremde wie ein Wahnsinniger, für den ich ihn auch bis zur Stunde halte, hereinstürzte, mich mit dem Namen Adam Sturm anredete und Geld von mir verlangte. Er ließ mir keine Zeit zu der Erklärung, daß er sich in meiner Person irre, sondern setzte mir die Waffe aus die Stirn und drohte, bei dem geringsten Laut mich zu erschießen. Nun, meine Herren, man läßt sich nicht ruhig umbringen, zumal von einem Verrückten, der durchaus keine Vernunft respecttrt, ich benutzte den Augenblick, al» er sich nach einem Geräusch umwandte, um zu entfliehen, lief blindlings jenem G-hölze zu, wo er mich packte und niederstteß, nachdem er vorher einen Schuß abgefeuert. Das ist der ganze Vorgang."
„Und Sie haben wirklich Ihren Angreifer niemals vorher gesehen?" fragte der Polizei. Direktor, ihn scharf anblickend.
„Nemals, er war mir gänzlich fremd."
Man lieb den Mann durch Thorsen hinausführen und bewachen.
„Halten Sie seine Aussagen für wahr?" fragte der Direktor den Assessor.
„Hm, sie haben immerhin die Wahrscheinlichkeit für sich", versetzte dieser, „Thorsen hat die Geschichte aufgebauscht, wir werden es jedenfalls mit einem Verrückten zu thun haben."
„Möglich, — ich wundere mich in diesem Falle nur über das Interesse, welches der Fürst, wie ich Ihnen unter Dtscretion mitgetheilt, an der Geschichte nimmt."
„Ein Geheimniß, das mit dem wahnsinnigen Angreifer zusammenhängen wird", nickte der Assessor nachdenklich, „schicken Sie diesen Menschen noch heute nach der Residenz, wie der allerhöchste Befehl gelautet, Herr Dircctor, wir waschen unsere Hände in Unschuld."
„Und hüllen uns in Schweigen", stiwmke der Polizecherr eifrig bei. „Ich glaube, Thorsen wäre der rechte Mann, ihn an den Ort seiner Bestimmung zu bringen", setzte er rasch hinzu.
„Geben Sie ihm lieber noch einen Schutzmann mit", rieth der Assessor, „der Bursche sieht mir ganz darnach aus, daß er sich am liebsten unsichtbar machte. Wenn er aber dem Thorsen unterwegs entwischte —"
„Das könnte eine heiße Brühe werden, — Sie haben recht, Herr Assessor!"
Er klingelte und befahl, Thorsen zu rufen, den Gefangenen aber streng zu bewachen.
„Sie können den Mann mit dem nächsten Zuge,
der in einer Stunde abgeht, nach der Residenz brin gen und in's dortige Eesängniß abltefsrn. Ich gebe Ihnen einen Schutzmann zur Bedeckung mit; Sie hasten mir aber für die sichere Ablieferung des Gefangenen."
Thorsen verbeugte sich.
„Ich kann auch ohne den Schutzmann dafür hasten, Herr Dircctor!" versetzte er ruhig.
„Nein, nein, besser ist besser, mein Lieber, der Bursche scheint ein schlauer Vogel zu sein, er darf um keinen Preis entwischen. Kommen Sie in einer halben Stunde wieder, um den Gefangenen, welchen ich hier behalte, und Ihre nöthigen Instructionen abzuholen."
„Sehr wohl, Herr Director!" sprach Thorsen, sich mit einer tiefen Verbeugung entfernend.
Er eilte rasch nach seiner in der Nähe befindlichen Wohnung, um etwa» Wäsche einzupacken und fich für die Reise zu restauriren.
Eine gewaltige Aufregung hatte sich seiner bemächtigt. Was sollte dieser Mensch, der sich John Walter nannte, in der Residenz? Weshalb behandelte man ihn wie einen Verbrecher, ließ ihn als einen solchen transportiren und dort in'» Gefängniß bringen? — Handelt es sich um ein wichtiges Geheimniß? —
Der Deteetiv lächelte spöttisch bei diesem Gedanken. — Natürlich handelte e» sich darum, den neuen Günstling des Fürsten vor jeder Gefahr zu sichern, folglich mußten Se. Durchlaucht von der Geschichte Kenntniß erhalten und den merkwürdigen Befehl er- theilt haben.
Während Thorsen rasch ein frugales Frühstück zu sich nahm, verarbeitete sein Gehirn diese Gedanken, wobei die Aussagen des Gefangenen, daß sein Angreifer ihn Adam Sturm genannt habe, seine schöne logische Bewrirkelte bedenklich zu zerreißen drohte.
„Gleichvül", murmelte er, aufstehend und seinen Hut ergreifend, „der Name Adam Sturm hat fich bereit» bewährt, ich werde meinen Mann schon gesprächig machen."
Er eilte nach dem Polizei-Bureau zurück, wo er von dem Director ein Schreiben für den Gefängniß- Jnspector der Residenz erhielt und fuhr mit dem Gefangenen und einem Schutzmann in einer Droschke nach dem Bahnhof, wo sie sogleich in dritter Clafle abdampften. Während der Fahrt wurde mit dem finster vor sich htnbrütenden Gefangenen kein Wort gewechselt; als auf der zweiten Station 20 Minuten Aufenthalt verkündigt wurde, schickte Thorsen den Schutzmann zu einem guten Trunk hinaus. Er hatte das vollständig abgeschlossene Coupä jetzt allein inne und faßte den Entschluß, die Gelegenheit rasch zu benutzen.
Als er dem Manne die Hand auf die Schulter legte, fuhr dieser erschreckt empor.
(Fortsetzung folgt.)


