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bewegt anschsuend, als wolle er in ihrem Antlitz einen Zug der einst von ihm geliebten Mutter entdecken.
Sie trug die Züge seines Geschlechts, eine echte Jmmendorf! — Aber ihr Herz war lauter, rein, ein H^rz voll Menschenliebe, das ihn vor Schmach und Schande bewahrt hatte, ohne ihn zu kennen.
„Du sollst glücklicher werden als Deine arme Mutter, das gelobe ich mit meinem Manneswort, wenn Gott uns gesund heimkehren läßt.
So flüsterte er m-t feuchtem Blick, küßte Hedwigs und ließ das junge Mädchen in seltsamer Bewegung und ahnenden Gedanken zurück.
21.
Der Detcctiv Thorsen saß 14 Tage später in seiner einsamen Wohnung beim Morgen-Kaffee und überflog gedankenvoll das soeben erschienene Tage- l blatt. Plötzlich blieb sein Blick starr auf einer l Stelle hasten und ein Fluch entfuhr seinen Lippen, |
Diese Stelle aber enthielt folgende Anzeige:
„Wie uns aus der Residenz mitgetheilt wird, ; haben gestern zwei Söhne unserer Stadt, der be< i rühmte Reisende Doktor Egon Dörner und der nach > jahrelanger Abwesenheit vor einiger Zeit zurückge- i kehrte junge Freiherr Ulrich von Jmmendorf eine l lange Abschieds-Audienz bei Sr. Durchlaucht dem l Fürsten gehabt, worauf die beiden Herren gestern | Abend nach Berlin abgereist sind, um alsdann vor l Eintritt des Winters eine neue wissenschaftliche Expe- s dition nach den südlichen Polar-Gegenden anzutreten, s Se. Durchlaucht haben Veranlassung genommen, l Herrn Doktor Dörner bei dieser Gelegenheit zum s Professor zu ernennen, während Herr von Immen- s dorf, wie man sagt, nach seiner Rückkehr für einen z Hof-Posten ausersehen sein soll."
Thorsen warf das Blatt auf den Tisch und | erhob sich, um aufgeregt das Stübchen zu durchmessen. I
„Jetzt steh' ich ganz allein mit meiner Anklage", I grollte er zähneknirschend, „hatte den Commiffar schon halb überzeugt, da er zugeben mußte, daß der alte | Diener durch sein Betragen ihm große Ursache zum E Verdacht gegeben und die Aussagen der so Knall f und Fall entlassenen Life jenen Verdacht wesentlich 8 verstärken mußten."
Er nahm aus's Reue das Blatt und überlas l noch einmal den Arttkel.
„Keine Silbe davon, wohin sie gereist sind", setzte er seinen Monolog finster fort, „nach den südlichen Polar-Gegenden! — o, mein schlauer Freiherr, Dein Verbrechen verjährt nicht, endlich wirst Du doch zurückkehren und Deinem Schicksal verfallen, trotz mächtigen Schutzes. — Fürstengunst! — Thor, man wird Dich dort rasch genug sinken lassen, wie man Dich emporgehoben."
Dieser t östliche Gedanke schien ihn etwas zu beruhigen, da er die Parthis für's Erste verloren hatte, und sich außerdem nicht verhehlen konnte, daß der junge Freiherr augenblicklich doch eine unver- ; letzliche Persönlichkeit für ihn gewesen wäre.
Run, ein Glück mar dabei für den ehrgeizigen Detecliv, daß der Verwundete seiner völligen Genesung mit Riesenschritten entgegenging und schon in der nächsten Zeit aus dem Krankenhause entlassen werden konnte. Er freute sich mit einer Art Ingrimm darauf, diesen gehetmnißvollen Burschen, der sicherlich ein geriebener Kunde war, für seinen Zweck in Beschlag zu nehmen und ihn zur geeigneten Stunde seinem Feinde gegenüber zu stellen.
Der schlaue Thorsen hatte hinreichende Erfahrung, um auch in diesem Falle mit verschiedenen Factoren zu rechnen. Er sagte sich, daß der Verwundete verschiedene triftige Gründe haben müsse, seinem Gegner trotz der Mordanfalls zu entfliehen und einem derartigen Plane deshalb niemals zustimmen werde.
„Ich muß den Burschen sondiren", murmelte er, „und ihn in solchem Falle bis zur Rückkehr des Freiherrn dingfest machen lassen."
Aber auch der klügste Sterbliche kann irren und seine feinsten Pläne an irgend einer unerwarteten Klippe zerschellen sehen.
Die Zeit eilte rasch dahin, und eines Tags wurde der jetzt ganz genesene Fremde aus dem Krankenhause entlassen. Man ließ ihn zu seinem unruhigen Erstaunen in eine Droschke steigen, und, von zwei Schutzleuten bewacht, zum Polizei-Gebäude fahren, wo ihn der Director und ein Gerichts-Assessor in's Verhör nahmen. ,
Der Fremde nannte sich John Walter, wollte seine Papiere verloren haben, in Australien lange gewesen und überhaupt ein ehrlicher Mann sein. Er besaß gebildete Manieren, doch ein ziemlich freches Wesen und behauptete, seinen Angreifer niemals gesehen zu haben.
Man ließ den Detcctiv Thorsen, welcher den Vorgang mit angesehen und den Mörder überrumpelt hatte, sofort rufen.
Thorsen erzählte, wie er den letzteren verdächtig gehalten und scharf beobachtet, wie derselbe von der Straße aus durch das Fenster der Wirthschaft geblickt, dann spornstreichs hineingestürzt und nach einer kurzen Weile der hier Anwesende an ihm vorbeigerannt sei, gefolgt von dem andern Menschen.
„Es war eine wahre Hetzjagd auf Leben und Tod", fuhr er dann fort, „welche ich, auf die Gefahr hin, vom Schlage gerührt zu werden, unverdrossen mitmachte. Ich kam just in dem Augenblick an, als ein Schuß fiel und die beiden Männer miteinander rangen, worauf dieser hier getroffen niederstürzte und ich den andern sofort packte."
„Ihn aber auch sofort wieder entwischen ließen", tadelte der Polizei-Director mit scharfer Stimme.
„Herr Director wollen seine Flucht mit der Situation entschuldigen", vertheidigte sich Thorsen sehr ruhig, „ich war allein mit dem Verbrecher, dieser von der Kraft der Verzweiflung erfüllt, während die fürchterliche Hetzjagd meine Kräfte augenblicklich gänzlich erschöpft hatte. Trotz alledem verfolgte ich ihn bis zum Jmmendors'schen Garten, dessen Rückseite


