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Zur Heschichte derschwarzen" Großmacht.

(Fortsetzung.)

Die Entdeckung der neuen Welt machte sich auch in den ersten Jahrzehnten des sechszehnten Jahrhun­derts durch mannichfacheZeyttungen",Rewe Zeyt- tungen",Copepen" von Briefen u. s. w. geltend, welche jenes einen ganz neuen und großen Zeitabschnitt nach sich ziehende epochemachende Ereigniß und Alles, was mit ihm zusammenhing, behandelten. Indessen trug der Inhalt dieser ältesten Preßerzeugnisse der gegenwärtigen Zeitepoche noch lange nicht den Charakter einer periodischen Sammlung von Nachrichten, sondern es handelte sich immer nur um ein einzelnes Ereigniß, wobei Unglücksfälle und Verbrechen die Hauptrolle spielten, während bei einer Nachricht politischen Charakters, wenn ja einmal eineZeyddung" eine solche brachte, jede politische Reflexion fehlte. Selbst als zur Reformationszeit der Einfluß der öffentlichen Meinung sich allmälich geltend machte und der refor­matorische Gedanke wie die zäh am Alten hängende Richtung tausende von Flugblättern und Brochüren entstehen ließen, fehlte doch noch immer die Regel­mäßigkeit, um diese Preßerzeugnisse zu Zeitungen im heutigen Sinne des Wortes zu machen. Ebenso wenig können als solche dieNotizie scritte, die geschriebenen Nachrichten" betrachtet werden, welche im sechszehnten Jahrhundert an verschiedenen Orten der Republik Venedig aufgelegt wurden und deren Einsichtnahme,mit Geld (gazeta) ausgewogen werden mußte.

Die Entstehung einer regulären Presse datirt vielmehr erst aus dem siebzehnten Jahrhundert und zwar trug hierzu sehr wesentlich die Ausbildung des Postwesens bei. Die speciell in Deutschland im ersten Viertel des sechszehnten Jahrhunderts erfolgte Einrichtung staatlicher Posten durch die Einführung der Thurn und Taxis'schen Posten steigerte in Verbindung mit den in jener Zeitepoche erfolgenden weitreichenden staatlichen und religiösen Bewegungen und Umwälzungen, sowie im Zusammenhänge mit den deutlicher hervortretenden Wechselbeziehungen der großen Masse zu dem Gange der politischen Ereignisse den Nachrichtenverkehr ganz bedeutend. Die erste regelmäßige, von Franz von Taxis auf Anregung des Kaisers Maximilian eingerichtete Postverbindung, die zwischen Wien und Brüssel, und dann die schon bedeutendere Postverbindung zwischen Brüssel und Italien über Speyer und Tprol, wurde alsbald nach ihrem Entstehen von Fürsten und reichen Handelsherren dazu benutzt, um sich Nachrichten wirthschaftlichen wie politischen Inhalts aus der Ferne zu verschaffen und somit erhielt auch das Zeitungswesen eine gewisse Regelmäßigkeit und letztere bildete sich immer mehr aus, je größer die Verbesserungen waren, die im Postwesen eingeführt wurden.

Man kann demnach das regelmäßige Erscheinen der Tagespresse in Deutschland, Frankreich, England,

Italien und einigen anderen Ländern wohl bis in die zweite Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts zu- rückdatiren; ja, verschiedene größere Städte besaßen noch früher bereits regelmäßig erscheinende Tages­blätter, oder richtiger gesagt Wochenzeitungen und soll z. B. dasFrankfurter Journal" 1615 entstanden sein. Natürlich waren die Zeitungen jener Epoche noch von sehr dürftigem Aeußereu und entsprechendem Inhalte und wirkte in letzterer Beziehung besonders die eifersüchtige Ueberwachung und die scharfe Censur ein, welcher dieGazetten" der damaligen Zeit seitens der Regierungen unterworfen waren und noch weit bis in das achtzehnte Jahrhundert hinein waltete dieses Verhältniß vor, welches selbstverständlich der gesunden und gedeihlichen Fortentwickelung der Presse nichts weniger als förderlich war. Selbst im Staate des großen Preußenkönigs, in dem doch sonst jeder nach seinerFapon selig werden" konnte, repräsen- tirten die Zeitungen nichts weniger als die unverfälschte öffentliche Meinung, ja, gerade Friedrich der Große handhabte die Censur mit größter Strenge und zwang er die Zeitungen oft, den Lesern handgreifliche Lügen aufzutischen und duldete er auch keinerlei politischeRaisonnements" der Presse. Nur in den Reichsstädten, wo ja überhaupt ein etwas freierer Luftzug wehte, erfreuten sich auch die Zeitungen einigermaßen einer größeren Freiheit und Bewegung, so daß die in denselben erscheinenden Blätter in der Regel auch reichhaltiger an Inhalt und wenigstens etwas interessanter in der Form waren, als die an anderen Orten Deutschlands erscheinenden Preßorgane.

Neben denjenigen Zeitungen, welche mehr Nach­richten politischen odervermischten" Charakters brachten, tauchten in Deutschland verhältnißmäßig früh auch Zeitungen der rein gelehrten Richtung auf, welche Gattung auf das PariserJournal des Savants als Urbild zurückzuführen ist. Denn nach dem Muster der französischen gelehrten Zeitschrift wurde auch die erste gelehrte Zeitschrift in deutscher Sprache eingerichtet, nämlich dieActa Eruditorum, welche vom Professor Otto Mencke in Leipzig 1682 herausgegeben und von ihm bis zu seinem 1707 erfolgten Tode redigirt wurde. Das Unternehmen, zu dem sich die ersten Gelehrten Deutschlands zu jener Zeit vereinigt hatten, wie Leibniz, Seckendorf, Cellarius, Thomasius, Wagenseil u. a. bezweckte namentlich die Mittheilung von gedrängten Jnhalts- anzeigen und Auszügen aus neuen wichtigen Schriften, außerdem sollten dieActa Eruditorum auch Kri­tiken und kleinere, selbstständige Aufsätze enthalten. Die Zeitschrift fand sehr rasch Verbreitung und eine i von Jahr zu Jahr steigende Anerkennung, so daß die 1Acta Eruditorum bald als oberster Richter über Z sämmtliche Leistungen der deutschen Literatur galten. I Nach dem Ableben des Professors O. Mencke wurde die Zeitschrift von seinen Söhnen herausgegeben, von welchen Friedrich Otto Mencke eine neue Folge des Journals unter dem Titel:Nova Acta Eru­ditorum erscheinen ließ. (Schluß folgt.)

SReiiacnon: A. Sche» da. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.