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1888.
Donnerstag den 23. August.
Nr. 99.
Der Kröe des Kaufes.
Roman von Hermine Frankenstein.
Pfarrhauses angelangt und stiegen ab. Tressilian band die Pferde an Holzpfähle, uno Olla den Arm reichend, führte er sie zur Thürs des Pfarrhauses, an welche er laut klopfte.
Der Geistliche, Herr M'Dougal, eine grauköpfige Gelehrten-Erscheinung von etwas gebeugter Gestalt, öffnete. Tressilian stellte erst Olla und dann sich selbst vor und gab ihm dann seinen Wunsch zu er kennen.
„Ihr habt, wie ich glaube, Eile?" fragte der Geistliche in mildem, väterlichen Tone. „Wollt Ihr in der Kirchs getraut werden?"
„Ich würde es vorziehen", sagte Olla rrrothend.
Sie gingen hinaus, durchschritten den Garten und traten durch eine Hinterthüre in die Kirche ein.
Die Kirche war von Innen ebenso einfach wie von Außen. Keine farbigen Glasfenster, kein ge« schnitzter Altar, keine große stattliche Orgel. Die Fensterscheiben waren aus weißem, matten Glas, die Wände einfach weiß getüncht und die alten Bänke und Betstühle sahen aus wie Uebensste einer längst vergangenen Zeit.
Zu Olla's Bestürzung war das Haurthor der Kirche geöffnet worden, und ein kleines Häuflein von Dorfbewohnern war neugierig in die Kirche einge» drungen, um Zeugen der Feierlichkeit zu sein. Die kleine Versammlung bestand aus dem Schlosser, einem ! Krämer, mehreren Arbeitern und einigen Weibern.
Die kurzfe Csremonie war bald vorüber. Die Worts waren gesprochen, welche Olla und Guy miteinander vereinten, um nie wieder getrennt zu wer« den, so lange sie lebten.
Herr M'Dougal zog sich in dis Sakristei zurück \ und schrieb einen Trauschein, welchen er zur Unter- - fertigung von Zeugen in die Kirchs hinaus brachte. I Der Schlosser, der Krämer und einige Frauen setzten - ihrs Namen darunter. Dann führte der Geistliche f das junge Paar in das Pfarrhaus zurück und be» ! wirthete es mit Wern und Kuchen.
Tressilian, welcher in der Börse Jasper Lowder's i noch etwa dreißig Pfund gefunden hatte, drückte zwei Dritttheile dieses Betrages dem erfreuten Pfarrer in die Hand und um 9 Uhr stieg das junge Paar ; wieder zu Pferds und ritt nach Blsak-Top zurück.
Etwa zwei Stunden später waren sie vor dem 1 einsamen Hause auf dem Berge angelangt. Die Popley's und Ripp's liefen ihnen mit leuchtenden Gesichtern entgegen.
Tressilian hals Olla abfierg-n, führte sie zu Frau Popley und sagte lächelnd:
(Fortsetzung.)
Wenige Minuten darauf erschien auch Olla. Sie hatte ein dunkles Rsitkleid angelegt und trug über demselben ihre Rsisejacke und ein kleines Pelzhütchen. j
Tressilian half ihr in den Sattel und bestieg dann das für ihn bestimmte Pferd.
Das Haurp-rsonal war versammelt; nur unter herzlichen Glückwünschen trat das junge Paar die bedeutungsvolle Reife an.
Ein kleines schottisches Dörfchen, das etwa zehn englische Meilen von Bleak-Top entfernt lag, war das Reiseziel der Liebenden.
Sie ritten den Berg hinab über eine ungemein holprige Straße, aber dis Liebenden machten sich nichi viel aus den Mühen und Beschwerden; sie waren zu glücklich, um sich viel darum zu bekümmern. Und dennoch, als sie über dis Grenze waren und schottischen Boden unter sich fühlten, athmeten sie freier auf. Es schien ihnen, als ob sie bereits eine Schranke zwischen sich und Herrn Gower errichtet hätten.
Um halb 9 Uhr, als die Sonne bereits ansing, I matt aus dem Nebel hervorzuleuchten, ritt das junge f Paar über die steinige Straße des schottischen Dörf- ? chens Dunmuir ein.
Wie Gloam-Vale jenseits der Grenze bestand auch Dnnmuir aus wenigen ärmlichen, aus Stein gebauten Hütten; aber im Ganzen hatte das Dörfchen einen malerischen Anstrich durch die eigenthümlichs B.umrt der kleinen Häuschen. Da« Dorf lag viel zu sehr j versteckt und abseits, um häufig von Reisenden besucht zu werden, und es war daher nicht einmal ein ‘ Gasthof in demselben. ■
An dem unteren Ende der Straße war die kleine Steinkirche, welche weder Thurm noch Glocke besaß, und hinter derselben, inmitten eines düsteren, schattigen Gartens stand das alte, mit Epheu überwachsene Pfarrhaus.
„Hier ist das Ziel unserer Wanderung", sagte Gay Tressilian, auf die Küche deutend. „In wenigen Minuten werden wir dort fein."
Sie ritten die Straße entlang und die Hufe der Pferde widerhallten laut von dem Steinpflaster. Nach den vielen Gesichtern zu fchließen, die an den Thüren und Fenstern erschienen, al« das junge Paar vorüber kam, waren Fremde in Dnnmuir wohl eine Seltenheit. Endlich waren sie vor dem Garten des
(Eichener Iamiüenblätler
Belletristisches Beiblatt ?um Gießener Anzeiger.
h) in Gießen,


