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dastehen würde, ich suche ihr die Erinnerung an den i schweren Verlust, den sie erlitten hat, zu erleichtern ich sorge für sie nach besten Kräften, allein, die Sorge beeinträchtigt meine Liebe zu Dir nicht! Nun sei vernünftig, Kind. Nimm Dich zusammen, daß Paula nicht gewahr wird, von welch' thörichten Ge­danken Du erfüllt gewesen bist versetz' Dich im Geiste in ihre Lage und Du wirst einsehen, wie es ihr den Aufenthalt hier im Hause verbittern müßte, wenn sie wüßte, daß Du mit thörichter Eifersucht auf sie blickst. Nun gieb mir die Hand und ver­sprich mir, vernünftig sein zu wollen!"

Mit Thränen gab ihm Marie die Hand. Seit Jahren hatte ihr Vater nicht so mild und liebevoll zu ihr gesprochen. Sie konnte ihm nichts erwidern, keins seiner Worte konnte sie widerlegen und dennoch fühlte sie sich durch dieselben nur halb überzeugt.

Nun sei ruhig", fuhr Prell fort.Höre auf zu weinen und laß Niemand merken, daß Du eine Närrin gewesen bist. Komm' mit mir zurück zum Hause komm', Marie Du bist doch ein thörichte» Mädchen!"

Sie kehrte mit ihrem Vater zurück.

Er war gesprächig und liebevoll. Hätte sie sich dennoch getäuscht? Sollte dennoch Allee nur ein Werk ihrer erregten Einbildung gewesen fein? Sie lag mit sich selbst im Zweifel. Und doch, sie mußte sich geirrt haben, denn würde ihr Vater sonst so ruhig, so mild gewesen fein?

Der Abend brach herein. Paula kehrte zurück, und in ihres Vaters Zimmer kamen sie zusammen zum Abendeflen. Nichts verrieth in Prells Gesicht, welches Gespräch er mit seiner Tochter gehabt hatte. Er war heiter, war gegen Paula ganz wie bisher, nur gegen Marie war er freundlicher, theilnehmen- der. Sie glaubte cs zum wenigsten zu bemerken.

Und so blieb er auch in den folgenden Tagen.

Die Ruhe war allmählig in das aufgeregte Herz des Mädchen« zurückgekehrt. Sie selbst gestand sich jetzt, daß sie sich geirrt habe und im Stillen machte sie sich Vorwürfe, daß sie ihrem Vater Unrecht ge ihan habe. Durch erhöhte Liebe suchte sie es gut zu machen. Auch an Paula schloß sie sich noch enger an. Sie sprach mit ihrem Vater kein Wort hierüber, allein sie wollte ihm zeigen, daß sie auf Paula nicht mehr eifersüchtig sei.

Vierzehn Tage mochten auf ,diese Weise ver­stossen sein.

Marie fühlte sich wieder glücklich. Mit Paula saß sie auf ihrem Zimmer. Ihr Vater trat ein. E« geschah äußerst selten, daß er auf ihr Zimmer kam, und sie sprang auf und eilte ihm entgegen. Au« seinen Augen suchte sie die Veranlassung, welche ihn zu ihr führte, zu lesen. Er schien ganz ruhig zu sein, er lächelte ihr zu.

Du blickst mich ja erstaunt an, Mädchen", sprach Prell.Komme ich Euch nicht gelegen?"

G wiß, Vater", erwiderte Marte.Allein Du kommst so selten hierher und fast nie ohne eine be­sonders Veranlassung."

Und sie führt mich auch heute zu Dir", fuhr Prell fort.Meine Schwester Deine Tante hat heute geschrieben. Sie wünscht, daß Du sie besuchen wögest. Es ist lange Dein Wunsch gewesen, die Residenz kennen zu lernen ich werde es Dir des­halb gestatten, der Einladung zu folgen."

Marie blickte ihn erstaunt an. Sie sah nur, daß seine Augen sorschend auf sie gerichtet waren.

Nun Du schweigst!" fuhr ihr Vater fort, als sie nichts erwiderte.Ich glaubte, diese Nach­richt würde Dich freudiger gestimmt haben, da Du mich früher wiederholt darum gebeten hast."

Das habe ich gethan", erwiderte Marie.Jetzt verlangt mich indeß nicht mehr nach der Residenz, ich habe ja jetzt Paula hier das weiß die Tante vielleicht nicht."

Die Freundlichkeit schien aus dem Gesichte ihres Vaters zu weichen. Leichte Falten zeigten sich auf seiner Stirn.

Paula ist zu gut, um Dir das Vergnügen zu mißgönnen", sprach Prell.Sie wird es Dir nicht Übelnehmen, wenn Du sie einige Zeit allein läßt."

Gewiß nicht, Marie", versicherte Paula und sie meinte e« ehrlich.Es würde peinlich für mich fein, wenn Du Dich meinetwegen diesem Vergnügen entziehen wolltest. Ich bitte Dich, reise hin."

Marie war von einem beklemmenden, einem ängstigenden Gefühle gefaßt. Sie war noch nicht im Stande, sich Rechenschaft darüber zu geben.

Es ist kein Vergnügen mehr für mich", ent­gegnete sie.Ich bleibe lieber hier--ich habe

ja jetzt hier Zerstreuung genug."

Sie sah zu ihrem Vater aus und begegnete dessen Blicke. Es war ein leuchtender, durchdringender, drohender Blick.

Ich wünsche aber, daß Du der Einladung Dei­ner Tante folgst. Es wird Zeit für Dich, daß Du das Leben in der Residenz kennen lernst", sprach Prell. Er sprach es lächelnd, dabei tang seine Stimme befehlend.Früher warst Du noch zu jung j tzt fällt dieses Bedenken fort. Ich werde heute noch meiner Schwester schreiben, daß sie Dich morgen Abend erwartet."

Marie zitterte. Der Blick ihres Vaters hatte ihr Furcht eingeflößt.

Morgen schon? warf sie fragend ein.

Morgen", wiederholte Prell.Wenn Du mor­gen Mittag hier fortfährst, kommst Du gegen Abend in der Residenz an. Du hast noch Zeit genug, Deine Sachen in Ordnung zu bringen! In der Residenz bedarfst Du neuer Kleidung man macht dort andere Ansprüche ich werde meiner Schwester schreiben, Dir das Nöthige zu besorgen. Du sollst keine Ursache zum Klagen haben!"

Die letzten Worte klangen bitter.

Er stand auf, um das Zimmer zu verlassen.

(Fortsetzung folgt.)