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Kaiserin Iriedrich
in ihrem Wirken für Kunstgcwerbe und Frauen- bildung.
Ein Gedenkblatt zum 21. November, von Otto Odrich.
„Gott im Herzen, vorwärts, schauend, Stets sich opfernd, auf ihn bauend, Aufwärts strebend,
Mit sich hebend
Geist und Wissen seiner Zeit, Diente Er der Ewigkeit."
Mit dieser schlichten aber inhaltreichen Widmung kennzeichnet die älteste Tochter des Prinzregenten Albert von England, die Prinzeß Royal Victoria, nachmalige Kaiserin Friedrich, scharf und klar die Vorzüge des Vaters, dessen Ideale die sittliche Veredelung des Volkes durch Hebung von Kunst und Wissenschaft uns in einem glänzenden Beispiele entgegenleuchten. Er, ein Engländer und doch gleichzeitig ein echter Deutscher, am 26. August 1819 auf der Rosenau bei Koburg geboren und am 10. Februar 1840 in Windsor an der Seite seiner Gemahlin, der am 24. Mai 1819 geborenen Königin Victoria eingezogen, war es, der die Anregung zu der ersten Industrieausstellung aller Völker gab und ihm ist es zu danken, daß jener Plan 1851 in London zur Ausführung kam. Mit diesem Werke griff er weit über die Grenzen Englands hinaus und schnitt tief in die Entwickelungsgeschichte der Kunst, des Gewerbes und des Handels ein. Es sollte der Anfang sein einer neuen, glänzenden Epoche der Weltgeschichte, des Zeitalters der Humanität und der Veredelung des Menschengeschlechtes durch das Kunst-Gewerbe. Die Engländer und Prinz Albert an der Spitze waren es, welche zuerst mit aller Energie und heiligem Ernste an das Werk der Reform gingen. Er gab auch die Anregung zur Benutzung der Lehren, welche Gottfried Semper unmittelbar nach Schluß der Ausstellung darlegte (Wissenschaft, Industrie und Kunst. Braunschweig 1852.) Diese Bestrebungen pflanzten sich immer weiter fort, aber erst nach dem Einzug der englischen Königstochter, als Gemahlin des Prinzen Friedrich Wilhelm, gelangt das Kunstgewerbe, die Verbindung des Nützlichen mit dem Schönen, nach und nach zu Ansehen und Glanz und ihr ist es zu danken, daß sich das deutsche Kunstgewerbe schnell aus den kleinsten Anfängen so stattlich herangebildet hat. Ebenbürtig stand sie, die Tochter des Kunst und Wiffenschaft liebenden Vaters, dem nach Aufklärung und Freiheit auf allen Gebieten strebenden Gatten zur Seite, Antheil nehmend und fördernd, alle seine idealen Bestrebungen unterstützend. Von Kindheit an war in ihr das Interesse an dem wahrhaft Schönen und Guten geweckt worden und ihr sollte es beschieden sein, das kaum dem Namen nach bekannte Kind aus den Windeln zu nehmen. Sie hatte es durch eigenes Schaffen gelernt, Kunstwerke zu beurtheilen. Hatte sie schon die Entstehung des Gewerbemuseums 1867 mit Freuden begrüßt, so
setzte sie ihren ganzen Einfluß daran, dieses Museum und damit unser Kunstgewerbe zu fördern. Deutschland und Preußen im Allgemeinen, Berlin im Besonderen werden der hohen Frau bleibenden Dank zollen für die unzweifelhaften Verdienste um die Hebung dieses fast neuen Industriezweiges. 1868 sandte sie Dr. Schwabe nach ihrer eisten Heimath, um ihn dort die Entwickelung der Kunstindustrie studiren und Mittel zur Förderung der Kunstindustrie und des Kunsthandwerks in Preußen finden zu lassen. 1879 begleiteten sie die Professoren Lessing und Ewald nach England zum Zweck kunstgewerblicher Studien. Inzwischen hatte die Kronprinzessin das Handelsministerium für die gute Sache zu interessircn gewußt. Es entstand das großartige Denkmal zur Erinnerung an diese Zeit der ersten Anfänge der eigentlichen Epoche des Kunstgewerbes in Deutschland, das von Gropins und Schmieden erbaute prächtige „Deutsche Kunst-Gewerbe-Museum" in der König- grätzer-, oder besser gesagt in der Zimmerstraße zu Berlin. Als Anerkennung des Verdienstes der hohen Frau um dasselbe öffnete das neue Haus am 42. Geburtstage der Kronprinzessin, dem 21. November 1881, dem Publikum seine Pforten und sie hat es verstanden, die Verbindung zwischen dieser ihrer Lieblingsschöpfung und dem Kensington-Museum in London anzuknüpfen und in Bahnen zu leiten, welche dieses älteste kunstgewerbliche Institut veranlaßten^ der jüngsten Schwesteranstalt als Willkommen die berühmte „indische Ausstellung" einige Zeit leihweise zu überlasten. Dem weiten Kunstsinn und Kunstverständniß der erlauchten Gemahlin Kaiser Friedrichs des Edlen verdankt es unser Vaterland, daß die besten Werke aller Länder und Zeiten dem modernen Kunstindustriellen und Kunsthandwerker zugänglich gemacht worden sind, und daß es ihm so ermöglicht ist, seine theoretischen Kenntnisse durch Vorbilder zeitgemäß zu fördern. Aus diesem Grunde gerade sind der Sammlung nicht nur Erzeugnisse Deutschlands, sondern kunstgewerbliche Gegenstände aller Kulturvölker eingeordnet, denn „das Fremde soll die Förderin des Heimischen werden." Bei all' diesen Bestrebungen hatte sie eine feste Stütze an ihrem hohen Gemahl. Dem edlen Kaiserpaare gereichte es stets zur besonderen Genugthuung, die würdigsten Vertreter von Kunst, Wissenschaft und Industrie ohne Unterschied des Ranges, der Geburt und der Konfession um sich zu versammeln; Talent, Genie und Leistungen waren allein im Stande, dem Bevorzugten die Thür des Palastes zu öffnen. Mit besonderem Eifer förderten sie alle wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen und in den an den Reichskanzler Fürst Bismarck bei der Thronbesteigung gerichteten Worten sagt der körperlich schwer kranke, geistig aber frische und willensstarke Kaiser Friedrich; „— — es wird mir zu besonderer Genugthuung gereichen, die Blüthe, welche deutsche Kunst und Wissenschaft in so reichem Maße zeigt, zur vollen Entfaltung zu bringen.--" (Schluß folgt.)
Kedactivn: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


