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Durch den Tod. Ich war noch ein junger Lieutenant, als ich mit einem Detachement nach einer Gegend geschickt wurde, wo Unruhen unter den Arbeitern ausgebrochen waren. Bei einem Förster wurde ich einquartirt, hier lernte ich seins Tochter kennen, bald liebten wir uns ich habe diese Liebe nie vergessen, nie verwunden. Kein Lebender weiß darum, ich wünsche auch nicht, daß es irgend Jemand außer Ihnen noch erfahre, ich bitte Sie daher um Discretion."

Selbstverständlich, Exellenz."

Sie werden es nun wohl begreiflich finden, da mein Jugendtraum mir hier wieder lebendig vor Augen tritt, daß ich mich für den Herrn Geheim, rath und feine Tochter in besonderer Weise interessire, und wie sehr ich Sie, gnädige Frau, hochverehre, dafür mag Ihnen als Beweis dienen, daß ich Ihnen die Geschichte dieses kleinen Bildes erzählt habe, die ich keinem Andern mehr anvertrauen würde."

Alexandra reichte dem General schweigend die Hand, die dieser ehrfurchtsvoll an seine Lippen führte.

Doch sehen Sie", tief er nach einigen Secunden, dort am Ende des Sees sitzt Ihr entflohener Täubchen auf einer Bank. Aber wo ist Felix? Ah, da steigt er aus der Eiche herab."

Aus der Eiche?"

In der Eiche befindet sich ein bequemer Sitz, sine kleine Wendeltreppe um den Stamm führt zu ihm hinauf. Man hat von dort einen eigenartigen Anblick auf den See. namentlich Abends bei Mond« fcheinb leuchtung. Wir haben jetzt gerade Vollmond. An den letzten Abenden habe ich dort jedes Mal längere Zeit gesessen. Ich fürchte, ich werde noch auf meine alten Tags zum Schwärmer. Erlaubt es Ihre Zeit, heute noch einen Gang um den See zu machen?"

Mit Vergnügen!"

Beide verließen den Pavillon.

Man machte eine Promenade um den ganzen See, und nachdem Frau von Barsen ihrem Besuche noch einige kleine Erfrischungen dargereicht, fuhr die Equipage der Geheimräthi« vor. Der General, Franziska und Felix begleiteten den Besuch bis vor das Portal des Schlosses.

Herr v. Stolzenberg ist eigentlich ein sehr interessanter Gesellschafter. Ich hatte Anfangs etwas gegen ihn, es war rin unbestimmtes Gefühl, aber da» hat sich jetzt gänzlich verloren."

Alexandra warf einen forschenden Blick auf da« Gesicht ihrer Tochter und erwiderte:

Es ist mir ähnlich so ergangen."

In Gedanken sprach sie: Er scheint sich für sie zu interessiren. Könnte man es wünschen, daß die Beiden sich in Liebe finden? Er ist ja ein Kavalier mit den glänzendsten Eigenschaften, aber er ist zwei« undvierzig Jahre und sie sechszehn. Das ist doch ein zu bedeutender Unterschied.

Felix hatte, nachdem der Besuch sich verabschiedet, sein Zimmer ausgesucht und saß, in glänzende Zu­

kunftsträume versunken, in seinem Schaukelstuhl Seine Gedankenbilder wurden durch das Klopfen eine» Dieners unterbrochen, der ihm einen Brief überreichte. Felix öffnete ihn und sah nach der Unterschrift.

Wie?" rief er überrascht röU»,von dem Kastellan der Schlangenburg? Was will denn der alte Ahasverus?"

Er las:

An den gnädigen Herrn von Stolzenberg! Ich bin vernichtet, erschüttert; in dieser Nacht ist das große Gemälde des Herrn von Stolzenberg im Rittersaal heruntergefallen. Der goldene Rahmen ist zertrümmert, das Bild selbst hat einen Riß mitten durch die Brust erhalten. Das war eine Mahnung für mich, der ich noch nicht meine Pflicht erfüllt habe. Warum haben Sie feit dem letzten Mittwoch die Schlangenburg nicht wieder betreten? Täglich habe ich darauf gehofft, um meinen Auftrag zu erfüllen, aber immer vergebens. Jetzt bin ich krank, der Tod kann jeden Augenblick meinen Lebens« faden abschneiden, und kann ich vor Ihre Ahnen hintreten, ohne aus geführt zu haben, was mir auf« getragen ist? Ich habe Ihnen etwa» zu überliefern, was ich an einem sichern Orte aufbewahrt habe. Ich bitte Sie unterthänigst, heute Abend zu mir zu kommen, aber nicht vor elf Uhr, dir Domestiken müssen erst zur Ruhr gegangen fein. Euer Gnaden werden die Thür im großen Thurme offen finden, ich erwarte Sie dort. Kommen Sie, kommen Sie unter jeder Bedingung, damit ich ruhig sterben kann. Es schließt mit ehrfurchtvollster Hochachtung Euer Gnaden allerunterthänigster Diener

Ludwig Gedelmann.

Was kann er nur sein? Was wird er mir denn zu überliefern haben? In meiner Familie hat von jeher etwas von einem verborgenen Schatz ge« spukt, der Bruder meines Vaters sprach mehrfach davon, in der alten Bibel, die in seinem Besitz war, sollen Aufschlüsse enthalten sein, wo er vergraben liegt, aber kein Mensch hat diese Ausschlüsse her« aurfinden können. Sollte Gedelmann darüber etwa» mehr wissen? Wäre es überhaupt denkbar, daß der Alte die Gräfin Fichtenberg und ihren Geheimsekretär, meinen Ahnherrn, persönlich gekannt hat? Es wäre doch interessant, darüber etwas zu hören. Ich werde mich zu dem nächtlichen Rendezvous ein« stellen!"

Gegen Abend ritt Fel'x nach Holzendorf, um, wie er dem Onkel sagte, einen Abend im Militär» kastno zuzubringen. Er ging aber nicht ins Kasino, fonbern blieb in dem Hotel und machte sich gegen halb elf Uhr auf den Weg. Dunkel und majestätisch zeichnete die Schlangenburg.sich am mondbeleuchteten Himmel ab. Als er das Thor passirt hatte, horchte und spähte er, ob er auch irgend ein Geräusch »er« nehmen könne; e» regte sich aber nichts und unbe­merkt kam er bis zum Schloß. Als er die Thür des großen Thurmes öffnen wollte, that diese sich wie von selbst auf und eine leise Stimme sagte: