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„Eroten Euer Gnaden herein, ich bin es, der Kastellan. Gort sei Dank, daß Sie da find!" Ich habe Sie mit Ungeduld erwartet. Ziehen Euer Gnaden diese Filzschuhe über Ihre Stiefel, man darf unsere Schritte im Schloß nicht hören. Auch habe ich keine Laterne mitgebracht, der Schein könnte uns verrathen, wir müffen im Dunkeln vorwärts. Im italienischen Anbau ist noch alles hell, die Herrschaften sind noch nicht zu Bett, alle Fürstenzimmer und der Rittersaal sind noch strahlend erleuchtet, die neue Gaseinrichtung wird heute Abend probirt."
Gleich darauf öffnete er eine Thür und sie gingen durch einen langen, dunklen Corridor.
„Sprechen Sie kein Wort, im Rittersaal find noch Menschen."
Jetzt öffnete er eine Thür, ergriff Felix am Arm und leitete ihn über die Schwelle^ worauf er die Thür wieder verschloß.
„Wir find in meinem Zimmer", flüsterte er. „Ich werde gleich L'cht machen, zuvor will ich aber nachsehen, wer im Ahnensaal sich befindet."
Er öffnete links eine Thür, die mit der Gallerte in Verbindung stand, aber nur so viel, daß man durch einen schmalen Spalt in den Saal hinabblicken konnte. Darauf kehrte er wieder zu Felix zurück und sagte:
„Der Herr Geheimrath, die Frau Geheimrath und das gnädige Fräulein find im Saal. Kommen Euer Gnaden. Sie können einen Blick hinabwerfen."
Sie verließen das Zimmer, Felix stellte stch an den Spalt der Thür und schaute in den Saal hinunter. Dieser war taghell erleuchtet. Die drei von der Decke herabhängenden Rtesenleuchter verbreiteten ein so intensives Licht, daß aus den entferntesten Ecken des wetten Raumes jede Spur eines Schatten» verdrängt wurde. Im innern Saal, link« von den Kronleuchtern, standen Wolter, feine Frau und Frieda.
„Ich hätte nicht geglaubt", sagte der Geheim- rath, „daß die Flammen der Kronen ausreichen würden, den ganzen Saal zu erleuchten, ich war vielmehr der Ansicht, daß wir auch noch an den Wänden Lampen anbrtngm müßten."
„Ich war eigentlich auch Deiner Ansicht", versetzte Alexandra, „trotzdem uns der Garinspektor versicherte, daß die Kronleuchter genügen würden. Um so mehr aber bin ich wirklich überrascht von der strahlenden Helle."
„Es ist über die Garprobe spät geworden", bemerkte der Geheimrath. „Er hat schon Elf geschlagen. Namentlich für Dich wird er Zeit, Friedchen!"
„Ich bin noch gar nicht müde, Papa."
„Aber willst Du mir wirklich nicht die erbetene Gefälligkeit erweisen."
„Du bist recht konsequent in Deinen Bitten, liebes Kind."
„Bitte, bitte, lieber guter Papa, thue es!"
„Wäre es mir nur möglich, Dir etwas abzu- schlagen! Alle meins Argumente habe ich erschöpft — in Gottes Namen denn!"
Und Wolter begann das Lied:
„Im kühlen Keller fitz' ich hier
Auf einem Faß voll Reben."
Weiter kam er nicht, denn in der kurzen Pause, dis er sich zum Athemholen gönnen mußte, hörte man deutlich hinter der Gallerte den Ruf:
„Ha, das ist -"
Wolter hielt erschrocken inne und blickte nach oben, aber da schob sich schon der Kopf des Kastellans mit der Sammetkappe durch die Spalte der Thür.
(Fortsetzung folgt.)
Die müerörochene Kochzettsreife.
Eine tragt-komische Geschichte.
Von C. Berting-Ebbers.
Es war an einem der letzten Sonntage.
Auf dem großen Bahnhofe zu C., einer der bedeutenderen Städte des Rheinländer, herrschte ein un- gemein reges Leben und Treiben ankommender und abfahrender Reisenden, und alle Wagen des unter der weiten Bahnhofshalle haltenden Schnellzuges nach Süvdeutschland und der Schweiz waren von reisenden Menschenkindern außergewöhnlich stark besetzt.
Schon zeigte die große Bahnhossuhr 9 Uhr 58 Min., nur noch eine Minute trennte das zischende und schnaubende und gleichsam ungeduldig auf den Wink des Führers zum beflügelten Ritt in die sonnige, heitere Landschaft harrende Dampfroß von dem Augenblick der Abfahrt; schon hob der Ktationsbeamte den Arm, um dem am anderen Ende des Perrons unter der Stationsglocke stehenden Portier das Zeichen zu geben, durch deren metallene Stimme die Lokomotive aus ihrer Spannung zu lösen, als plötzlich durch dis bunten, bewegten Gruppen der noch auf dem Perron stehenden und promenirenden Reisenden und Neugierigen ein mit mehreren Reisetaschen und Schachteln bepackter junger Mann, der vielleicht 30 Jahre zählen mochte, eilig hervorgestürzt kam. Ihm folgte ebenso raschen Schrittes eine junge Dame im Retsekleide, welche gleichfalls einige kleinere Reise-Utensilien trug.
Leicht konnte man an den strahlenden und leuchtenden Mienen der beiden Ankömmlinge, den zärtlichbesorgten Blicken des jungen Mannes, wenn er sich, wie dies fortwährend geschah, nach der ihm folgenden Dame umwandte, erkennen, daß es ein junges Ehepaar war, welches heute im Begriff stand, die obligate Hochzeitsreise anzutreten und die Flitterwochen in irgend einem stillen Erdenwinkel zu verbringen. Für diese Annahme hätte allein schon die Menge und Art de» Reisegepäcks den Beweis geliefert.
Verfolgt von den neugierigen Blicken der Umstehenden, eilte das junge Pärchen am Zuge entlang, um ein paffendes Coupö zu suchen; wenn möglich, wollten sie ein solches ganz für sich allein Haden; ungestört von den Mitreisenden, wollten sie mit einander kosen, stch erfreuen, ihr erstes süßes Eheglück genießen. Leider war jedoch, wie schon erwähnt, der Zug so


