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schön. Der Wind hatte ausgetobt, die Luft war ungewöhnlich milde für die Jahreszeit und dcr Him­mel wolkenlos ein gutes Omen für die Liebenden.

Bald nach Tagesanbruch und während im Thals unten noch nebelgraue Dämmerung herrschte, welcher das am Fuße des Berges gelegene Dörfchen Glaam« Vale den Blicken der Bewohner von Bleok Top gänz­lich entzog, wurden die zwei kräftigen Farmpfcrde für das junge Paar gesattelt.

Wenige Minuten später kam Tressilian hinab. Er war tadellos gekleidet, sein Gesicht lebhaft g?« röthet und seine furchtlosen, hellblauen Bugen leuch­teten von einem Ausdruck, welcher deutlich zeigte, daß dies der glücklichste Morgen feines Lebens sei.

(Fortsetzung folgt.)

jedoch seine stärkste Waffe. Er machte ihr klar, daß er sie nur als ihr rechtmäßiger Gatte vollkommen beschützen könnte.

Der Erfolg seine« Bitten kann vorausgesehen werden. Mit ihrer Liebe für ihn und ihrer Furcht vor Herrn Gomer's Haß und Verfolgung wurde Olla endlich zu schüchterner Zustimmung gedrängt.

Tressilian schloß seine junge Verlobte außer sich vor Freude stürmisch in seine Arme.

Das Leben, das Du gerettet hast, soll Dir ge­weiht sein, mein Liebchen", sagte er mit vor Erre- gung zitternder Stimme.Du sollst diesen Schritt nie und nimmer bereuen, Olla. Kein Schatten von Kummer oder Leid soll je Dein Dasein trüben, wenn ich es verhindern kann."

Er neigte seinen schönen blonden Kopf zu ihr hinab und eine Thräre fiel neben dem Kuffe, den er ihr gab, auf ihre Stirne.

Wir wollen die heilige Freude dieser Beisammen- seins der Liebenden nicht eingehender schildern. Olla liebte ihn, deffen Leben sie gerettet hatte , mit der Glulh ihrer feurigen Seele. Er war mit einiger Veränderung die Wiederholung der alten Fabel: Ihre Liebe hatte der schönen Statue eine Seele ge­geben, und sie fühlte, daß er ihr nun ganz ange­höre. Seine Blicke hatten die Kraft, dar Errötden ruf ihre Wangen zu locken und ihr Herz von einem wonniglichen Gefühle erbeben zu machen. Und Gvy's Liebe für sie so stark, so tief, so leiden, schaftltch war voll einer zärtlichen und heiligen Verehrung für sie welche die Zeit weder ver- mindern, noch aurlöschen konnte.

Die Liebenden saßen lange in stummer Seligkeit beisammen. Sie wurden endlich durch Frau Po- pley's Erscheinen au« ihrer süßen Träumerei grriffen.

Ich habe Neuigkeiten für Euch, Frau Popley", sagte Guy mit seinem alten gewinnenden Lächeln. Euer Sohn ist von Glaam-Vale zurückgekommen und berichtet, daß er Herrn Gower dort ge» sehen habe."

Frau Popley stieß einen Schrei der Bestürzung aus.

Und da Fräulein Olla in großer Gefahr >st", fuhr Tressilian fort,so haben Fräulein Olla und ich beschloffen, morgen früh über die Grenze zu gehen, und uns trauen zu laffen. Am Nachmittag reifen wir nach Glocester ab, denn ich will meine Braut meinem Vater in Tresstlian-Hof vor stellen."

Man kann sich Frau Popley's Erstaunen denken.

Als die gute Frau wieder ruhig geworden war, läutete Tressilian. Popl-y erschien und Guy beauftragte ihn, Frau Ripp nebst Sohn gle'chfalls herbeizurufen.

Der kleine Hausholt war bald in dem Salon versammelt und Tr ssilian theilte ihnen den Sach« verhalt mit. Dis treuen Diener beglückwünschten das junge Paar auf das Herzlichste und Aufrichtigste.

Achtundvierzigstes Kapitel.

Vereint.

Der Morgen, welch r auf dis Verlobung Olla RympU's mit Guy Tressilian folgte, war mild und

Ghamisso als Deutscher.

Von Roderich Böttcher.

Am 21. August diese« Jahres werden es fünfzig Jahre, daß eine der edelsten deutschen Dichtergestalten au« dem Leben schied. Aber nicht nur eine der edelsten; die Stellung, welche Adelbert von Chamiffo in der deutschen Litteratur einnimmt, ist eine ganz besondere, seine Erscheinung eine nicht sich wieder­holende. Ihn, der al« Sohn eines Edelmsnnes au« altfranzösischem Geschlechte im Jahre 1781 auf Bou- court in der Champagne geboren und erzogen, vielleicht erst in seinem dreizehnten Lebensjahre, als cr durch die Gewitter der großen Revolution mit seiner Familie über den Rhein gescheucht wurde, zum ersten Male die Laute der deutschen Zunge fremd und unverständlich an sein Ohr dringen vernahm, können wir dennoch mit Recht und mit Stolz unter Deutschlands Dichter zählen. Noch in seinem zwar- zigsten Lebensjahr hat er zu lernen und zu kämpfen, um der deutschen Sprache mächtig zu werden, aber wie weiß er sie in der zweiten Hälfte seines Lebens zu meistern. Seine Lieder, Perlen der Lyrik, leben in dem Herzen und Munde deutscher Frauen und Jungfrauen, ja, er erwirbt sich das Verdienst, eine drr schwierigsten dichterischen Formen, die Tsrzinen, auf eine vorher in Deutschland ungekannte Vallkom- menheit zu bringen und dem bis dahin vsrnach. lässtgtsn Strophenbau zu seinem Rechte zu verhelfen. Alles, was seiner Feder emfloffen ist, athmet deutsche Gründlichkeit und Festigkeit, deutsche Herzlichkeit und Gemüthlichkeit, nirgends eine Spur von französischer Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit. Aus allen seinen schriftlichen Beußerungen können wir entnehmen, wie sehr er sich selber als Deutscher gefühlt hat. Im Jahre 1806 nach der schmachvollen Uebergabe Ha­melns an die Franzosen schrieb er schmerzerfüllt an Forqrü, den Dichter der Undine:Ein Deutscher, aber ein freier Deutscher bin ich in meinem Herzen und bletb' ich auf immerdar." Ja, als er im Laufe des folgenden Jahre» seine Verwandten besuchte, wies er alle Versuche derselben, ihn daruhalten, zurück und widerstand selbst, als die Versuchung in dcr Gestalt eine» liebenswerthen und reichen Mädchens, die mau