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Fünfunddreißigstes Kapitel. Die Reise nach der Heimath.
Preises die Ma-nschast nach dem Versteck Carvellt's zu führen. Die Vorgänge im Innern der Höhle hatten die Aufmerksamkeit der Banditen, sowie der ausgestellten Wache auf sich gezogen, und begünstigt durch die einbrech nde Nacht, gedeckt durch die Büschs und Bäume, erreichten die Truppen ungesehen und ungehindert die Höhle und folgten dem Allarm schla« genden Vorposten direct auf der Ferse.
„Ergebt Euch", lief der Anführer der Truppen dem Räuberhauptmann zu.
„Ergeben!" fchlie der Räuberhauptmann mit blitzenden Augen. „Nimmermehr! Wenn Ihr uns haben wollt, so nehmt uns; aber ich sage Euch, wir wollen uns verzweifelt wehren!" t
Er erhob seinen Carabiner und schaute die Ein. dringlinge mit wilden Blicken an.
„Jeder Widerstand ist vergeblich", entgegnete der Ansührer der Truppen; „Ihr seid eingeschloffen — die Flucht ist unmöglich. Ich befehle Euch noch, mals, ergebt Euch!" *
In diesem Augenblicke tauchte das bleiche, angst, volle Gesicht des Verräther« zwischen den Soldaten auf und er betrachtete seinen früheren Herrn mit listigem Ausdrucke.
Blitzschnell feuerte Carvelli einen Schuß nach ihm ab. Mit einem gellenden Schrei fprang der Ver. räther in die Luft und stürzte dann tobt zu Boden.
„Dar für den Verrath!" schrie Carvelli. „Diese Schuld wäre ausgeglichen. Nun kommt heran, Signore Capitano! Kommt nut!"
Dis grauenhaften, entsetzlichen Unthaten des gemein gefürchteten Räubrrhauptmanns Carvelli, bisher unangreifbar in feinem Schlupfwinkel in den Bergen gehaust, hatten sich von Tag zu Tag gemehrt. Schilderungen schrecklichster Art waren unter dar Volk gelangt — Niemand getraute sich mehr die Berge zu passiren — ein panischer Schrecken vor Carvelli erfüllte alle Gemüther. Die italienische Regierung sah sich endlich genöthigt, nach verschiede, nen Richtungen Truppen auszusenden, um den Gefürchteten zu suchen und setzte einen hohen Prei^ aus den Kopf Carvellt's.
Tage hindurch war das Militär schon in den Bergen umhergeirrt, ohne nur die geringste Spur von dem Gesuchten zu entdecken und verdrossen und mißmuthig beschloß der Befehlshaber, mit seinen Truppen wieder unverrichteter Sache abzuziehen, t- Da endlich half Verrath und Habsucht. Spät Abends, als die Truppen ermüdet ihr Nachtlager aufschlugen, gesellte sich ihnen ein anscheinend einfacher Weinbauer zu, der sich bereit erklärte, gegen Gewinnung des
Es war klar, daß die Räuber Widerstand zu leisten entschloffen waren bis zum letzten Athemzuge. Der Truppenhauptmann gab seinen Leuten einen kurzen Befehl und den Läufen ihrer Gewehre folgte ein tödtlicher Kugelregen.
Die Räuber beantworteten den Gruß der Trup. pen mit einem unregelmäßigen Feuer. Carvelli feuerte seine L?ute an und schrie ihnen zu wie ein Rasender. Ein wüthender Kampf, dem ein blutiges Handgemenge folgte, entspann sich, und Schüsse, Flüche, Seufzer und Gebete klangen wirr durch dar Zimmer.
Der Kampf war kurz, aber furchtbar. So lange Carvellt's gewaltige Stimme gehört wurde, der seine Leute wie ein Rasender anspornte, fochten die Rän» ber wie die Löwen. Aber endlich vereinigten sich die Rufe zu einem einzigen langen Sterbeseufzer und der rothe Carvelli stürzte unter dem Dolche des Armeehauptmanns tobt nieder. Eine Minute später wurde auch sein Lieutenant getödtet und die ihrer Anführer beraubten Ueberrests der Bande erklärten, sich ergeben zu wollen.
„Legt Eure Waffen nieder!" schrie bet Truppen. Hauptmann. „Zurück bort an bis Wanb I"
Der Rauch verzog sich balb und nun sah man den felsigen Boden bedeckt mit Leichen und Ver. wundeten.
Die wenigen am Leben gebliebenen Räuber wur- den gefesselt und dann wandte der Truppenführer
zu Boden gefallene Pistole und die vier übrigen Räuber flohen in eine Ecke.
Carvelli richtete sich mühsam auf und schaute Tressilian mit einem Blicks wilden Haffes an.
„Ich wollte diesen Burschen ja leben laffeN", schrie er, „aber kein Mensch kann mich verwunden und weiter leben, um sich seines Sieges zu freuen. Tödtet den Engländer auf der Stell'. Schießt Alle nieder und laßt nur das Mädchen leben I Kein Hast von ihrem Kopfe darf gekrümmt werden. Ich will mich an ihr anders rächen für ihren Trotz und Wi- ; dersinn. Vorwärts, Kameraden! Schlagt sie nieder!" -
Jetzt hatte die Gefahr für Olla und Tressilian ! den Höhepunkt erreicht. Sie stellten sich in verthei- digsnder Stellung nebeneinander und auf jedem der i heldeumüthigen Gesichter stand der Entschluß geschrir. ! ben, daß sie muthig miteinander sterben wollten.
Die Stimme des rothen Carvelli feuerte seine । Männer unausgesetzt zum Angriffe an. Carabiner und Pistolen wurden angelegt. Die Räuber war. teten finster und grimmig nur darauf, daß einer, der kühner wäre, als die Uebrigen, das furchtbare Mord» werk beginnen solle.
Aber es begann nicht. Die beiden Parteien maßen einander noch immer mit finsteren, brennenden Blicken, als eine Schtldwachr keuchend und athem-
los vor Schreck in die Höhle stürzte.
„Dis Truppen! Dis Truppen!" schrie er verzweifelt. „Canoro hat uns verrathen! Heilige Mutter Gottes. Hier kommen sie!"
Und eben, als er noch sprach, stürmte eine Ab- theilung Militär in die Höhle, welche der Schildwache auf den Fersen gefolgt war. Die zahlreichen Lampen beleuchteten ihre schimmernden Uniformen. Stahl ihrer Waffen funkelte und glitzerte.
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