Ausgabe 
21.4.1888
 
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Freunde, die zur Zeit in Palermo sind eine eng­lische Familie, Nomens Pugh, die ein Haus gemie- thet haben. Einige Mitglieder der Familie sind leidend; könnt' Ihr mir Ihre Adresse verschaffen?"

Pugh!" sagte der Aufwärter.Es hat eine Familie Namens Pugh längere Zeit hier gewohnt, aber sie wurden vor einer Woche nach England zu» rückberufen. Der Herr ist ein englischer Marine- Osficier."

Um der göttlichen Barmherzigkeit willen", rief das junge Mädchen in verzweiflungsvollem Tone, indem sie in lautes Schluchzen auibrach.Zu wem soll ich nun gehen? Wer soll mich schützen? Ich bin recht unglücklich."

Der Aufwärter warf im Fortgehen einen for­schenden Blick auf die junge Dame, denn es war ihm klar, daß ein Geheimniß dieselbe umgab, was er später vielleicht verwerthen könnte.

Weint nicht, mein Kind, das Herz möchte mir brechen, wenn ich Euch so traurig sehe", sagte Frau Popley, nachdem der Bufwärter sich entfernt hatte, indem sie mit mütterlicher Liebe die Arme um den Hüls des jungen Mädchens schlang.Wir können ja morgen den Dampfer nach Marseille benützen und von da nach England gchen; dort findet Ihr meh. rere befreundete Familien, welche Euch gegen den entsetzlichen Menschen in Schutz nehmen können."

Aber wenn man uns verfolgt hat?" feufzts OLa schaudernd.Wenn er uns hierher verfolgen sollte! Es ist nichts leichter möglich als das; wir haben Neapel gestern um 5 Uhr verlassen und eine Stunde später fuhr ein anderer Dampfer von Neapel nach Palermo ab. Er kann in demselben kommen! Er ist vielleicht in einer Stunde schon hier!"

Ich glaube nicht, Fräulein Olla, mein Liebling. Wir haben uns alle Mühe gegeben, ihn von der Spur abzubringen und ihn glauben zu machen, wir wären nach Genua entflohen. Warum sollte er arg­wöhnen, daß wir an diesen entlegene« Ort hierher entflohen sind? Er wird an Eure alten Freunde, wie Pugh's, gar nicht denken, noch wird es ihm ein­sallen, daß Ihr zu ihnen entflohen seid. Bis mor­gen Mittag sind wir jedenfalls hier in Sicherheit. Er mag hier eintreffen, nachdem wir einmal ent­flohen sind."

Ich fürchte, es giebt keine Sicherheit für mich, als im Grabe", entgegnete Olla in jammerndem Tons.

Der Himmel war dunkel geworden von dem drohenden Sturme und die Promenade war fast gänzlich von Menschen verlassen. Der Wind erhob sich stoßweise und begann sein unheimlich heulen­des Lied.

Wir werden einen schrecklichen Sturm haben", meinte Frau Popley.Herr im Himmel, wie viel Schiffbrüche wird das geben und wie froh bin ich, daß wir glücklich vor dem Sturme gelandet sind."

Ohne eine Antwort zu geben, lehnte sich da» ju- ge Mädchen aus dem Fenster und fchaute hinaus

in dis Wogen der Bucht mit traurigem und ver­zweifeltem Ausdruck.

Der Sturm begann seinen Höhepunkt zu errei­chen, er knickte die ältesten Bäume wie Stäbchen und Olla schaute immerwährend hinaus auf die Ver­wüstungen, welche dis tosenden Elemente anrichteten, bis ihr plötzlich ein furchtbarer Schrecken, unbe­wußt warum das ganze Nervensystem erschütterte und sie schaudernd an allen Gliedern vom Fenster zurücktaumelte. Es war dies genau derselbe Augen­blick, in welchem der sardinische Dampfer mit Lord Tresstlian an den Felsengestaden scheiterte.

Mittlerweile verrann die Zeit. Mrs. Popley war zu bet Zeit, in welcher der zweite Dampfer ein- treffen mußte, an den Hafen gegangen. Das Schiff war glücklich eingstroffen, ehe das Unwetter losbrach und zu ihrer unaussprechlichen Freude bemerkten die forschenden Augen der alten Frau den so gefürchteten Verfolger nicht.

Als Olla die Kunde vernahm, daß das Schiff ohne ihren Feind eingstroffen fei, da erhellte feit langer Zeit zum ersten Male ein Freudevstrahl ihre Züge, ihre zarte Gestalt schien förmlich zu wachsen, ihre Wangen rötheten sich und die Augen blitzten, als sie freudestrahlend und jubelnd ausrief:Nach­dem der entsetzliche Mensch heute nicht eingetroffen ist, bin ich in vollkommener Sicherheit. Vor zwei Tagen trifft ein weiteres Schiff nicht ein und bis dahin bin ich weit, weit von hier entfernt. Gott im Himmel, wie danke ich Dir für diese Gütr I Nun kann ich endlich wieder aufathmen und mich meines Lebens freuen."

Das junge Mäbchm war sehr ermüdet, als die Nacht hereinbrach und sie schlief fast augenblicklich ein. Mrs. Popley legte sich in das zweite Bett, das in dem Zimmer stand, und war gleichfalls bald in tiefstem Schlaf versunken,

Es war schon spät am Morgen, als die treue Dienerin erwachte. Sie sprang heftig auf. Olla schlief noch immr; ihr dunkles Köpfchen war tief in die Kissen vergraben und ein Lächeln lag auf ihrem holden unschuldsvollen Gesichte. Mrs. Popley ging in das kleine Nebenzimmer, nachdem sie sich rasch angekleidet hatte, zog daselbst die Vorhänge auf und läutete einem Aufwärter, dem sie zu Heizen befahl.

Der kleine Salon war hell und warm, als Olla erwachte. Mrs. Popley half ihr beim Ankleiden, und dann kam das junge Mädchm in dem braunen Reiseanzug in den Salon.

Der Tag versprach schön zu werden. Die Sonne schien hell vom Himmel herab und die Luft war frisch und angenehm. Olla's Seele war von namen­loser Freude erfüllt.

Wie glücklich bin ich!" sagte sie leicht für sich. XIch fühle mich so sicher - so sicher!"

Mrs. Popley läutete nach dem Frühstück und mußte dasselbe auf Olla's Wunsch mit ihrer jungen Herrin einnehmen. Jim Popley bediente dabei wie am vergangenen Abend.

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