Ausgabe 
21.2.1888
 
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den letzten Worten so rasch durch die Thür, daß Wolter nichts mehr daraus erwidern konnte. Gleich darauf verließ er das Haus.

Nach einer Stunde kehrte er zurück.

Mochte der Geheimrath von dem Reichthum und der Zahlungsfähigkeit seines Bankiers ; überzeugt ge­wesen sein, die besorgten Reden seines Prokuristen, dessen stürmisches Drängen, die Kapitalien zurückzu- zishen, und dis immerhin nicht auszuschließende Möglichkeit, daß der eventuelle Concurs dieses großen Wiener Financiers auf hiesige Verhältnisse einen tief ergreifenden Rückschlag aurüben könne, erzeugten doch eine gewisse Unruhe in ihm, eine gröbere, als er sich selber eingestehrn mochte. Al» Bärmann jetzt in die Thür trat, sah er ihn mit unverkenn­barer Spannung an und rief ihm zu:

Sie haben das Geld natürlich erhalten!"

Rein!"

Rein?"

Herr Römer und sein Prokurist Dalberg sind Beide vor einer Stunde nach Wien abgereist."

Ah!"

Ich traf nur den Kasstrer, der von dem, durch Römer'» Abreise zweifellos bestätigten Tod Falken« stein» nichts zu wissen schien, er konnte mir natür­lich ohne einen speciellen Befehl seine» Prinzipals die Gelder nicht auszahlen. Er erzählte mir, daß Römer ein Telegramm au« Wien erhalten, in Folge dessen er sich sogleich mit Dalberg dahin auf den Weg gemacht, wahrscheinlich handle es sich um eine größere Finanzoperation, die sein Herr selten ohne Dalbergs Assistenz und Rath ins Werk setze."

Auf meine Frage, wann er die Selben Herren wohl zurückerwarte, antworte e er mir, daß Herr Römer ihm beim Abschied gesagt, er würde seine Rückkehr telegraphisch melden. Was nun, Herr Gr- heimrath?"

Sie sehen ganz blaß au», lieber Bärmann, ich erkenne an der Sorge, die Sie sich machen, wie sehr Ihnen unser Geschäft und dessen Gedeihen am Herzen l egt, und ich danke Ihnen für Zhr Interesse. Aber nur noch nicht verzagt! Daß Falkmstetn wirk­lich iodt ist, nehme ich jetzt auch an, und daß Römer, der wahrscheinlich auch nur die nackte Anzeige er­halten, sofort abgereist ist, finde ich erklärlich. So lange wir nicht dir Nachricht erhalten haben, daß sich Ihre Befürchtungen bestätigen, wollen wir um nicht allzu sehr beunruhigen. Noch haben wir nicht den geringsten Anhalt, daß es mit Falkenstein« Finanzen schlecht steht, kann er sich nicht im Irrsinn entleibt haben oder au» irgend einem andern Grunde? Uebrigen» telegraphiren Sie sogleich an unseren Vertreter in Wien und bitten Sie ihn, er möge über Falkensteins Verhältnisse genaue Erkundigungen einziehen und uns das Resultat umgehend depeschireu."

Es wird kein anderes Resultat herauskommen, als das, was ich im Geists klar vor Augen sehe."

, Nur Geduld, nur Geduld, wir erhalten nun bald Gewißheit!"

Bärmann verließ das Zimmer, um da» Telegramm

aufzusetzen. Wolter fing an, wie fast immer, rsenn ernste Gedanken ihn beschäftigten, im Zimmer lang­sam auf und ab zu gehen. Sie stürmten nun, da er wieder allein war, unaufhaltsam auf ihn ein. Anfangs wies er es noch energisch zurück, daß Bär­mann mit seinen pessimistischen Ansichten Recht haben könne, allmälig aber stellte er sich vor, wie e» werden würde, wenn Römer falliren müsse. Dann war sein ganzes Baarvermögen verloren! Das Material zu den kolossalen Bauten bei Holzendorf war angekaust, eine Menge Contracte unterschrieben, im Herbst sollte alle» bezahlt werden, und wenn er dann seine Verpflichtungen nicht erfüllen konnte, mußte auch er seine Zahlungen einstellen. Die Fabrik, seine Villa, die Schlangenburg, alle» kam unter den Hammer und er war ein Bettler. Und neben allen diesen schrecklichen Bildern stand Alexandra, die er an sich gekettet hatte, die an seiner Sette ein liebeleere» Leben führte und der er nur für die Liebe, die sie entbehren mußte, al« schwachen Ersatz den Reichthum und den Luxus hatte bieten können. Wenn der Glanz und der Schimmer verschwänden, wenn sie die Stellung in der Gesellschaft aufgeben müßte, in der sie so reiche Anerkennung ihrer Schönheit und ihrer Talente gefunden, würde sie, nachdem sie von der Höhe herabgesttegen, ein Leben voller Entbehrungen theilen wollen? Würde sie an seiner Seite ausharren, wenn er klein, ganz klein von vorne wieder anfangen müßte, um seinen Lebens­unterhalt zu verdienen? Könnte ihr Stolz es zu­geben, die Gattin eines Bankerotteur» zu heißen, die Demüthigungen hinzunehmen, die einer Gestürzten nicht erspart bleiben, oder würde sie ihm den Rücken kehren, ihn verlassen, um wieder in Berlin ihren Aufenthalt zu nehmen, wo sie sich wohl ge­fühlt, wo sie geachtet und geehrt war?"

Er hob die Arme und machte mit den Händen Bewegungen, al« wenn er die grauenhaften Bilder, die er selbst heraufbeschworen, zurückdrängen und verscheuchen wolle, und nun erschöpft von dem langen Grübeln sich auf einen Stuhl werfend, sprach er laut vor sich hin:

Was klagst Du denn? Hast Du Dir nicht Ge­schäftssorgen gewünscht, nicht die gewöhnlichen, sondern solche, die die ganze Denkkraft, die ganze Schärfe de» Geiste» in Anspruch nehmen, um andere Ge­danken zu tödten? E» war ein frivoler Wunsch, ich fühle es jetzt, das Schicksal hat ihn gehört, und mit rascher Geschäftigkeit erfüllt e» ihn. Folgt die Strafe so rasch dem Vergehen und habe ich denn meinen Zweck erreicht? Verbindet sich nicht sofort diese Sorge wieder mit dem Gedanken an Alexandra? Habe ich wirklich all' -diese Leiden verdient? Was wird die Zukunft mir noch bringen? Schütze mich, mein Gott!"

Neuntes Kapitel.

Es hatte sich bestätigt, daß der Bankier Falken­stein in Wien sich entleibt, weil er den Tag nicht erleben wollte, an welchem er feine Zahlungen hätte