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leit Lagen, daß keine Hoffnung mehr für ihn war. Es wäre besser gewesen, wenn ich Dir Alles gesagt hätte. E» ist nicht zu ändern — nun suche Dich zu fassen. Ich will Dich nicht zwingen, mit mir zu kommen — bleibe heute noch hier, aber länger kann ich es nicht gestatten — ich habe Deinem Vater versprochen, für Dein Wohl Sorge zu tragen."
„Sie sind ja auch meine einzige Stütze", rief Paula, seine Hand erfassend. „Ohne Sie stände ich ganz verlassen da."
„Und Du sollst eine^feste Stütze an mir finden", erwiderte Prell. „Du sollst erkennen, daß ich es gut mit Dir nttine — sehr gut, Paula. Von heute an bist Du meine Tochter." Er beugte sich zu ihr herab und küßte sie auf die Stirn.
Prell ging. Er versprach bald wieder zu kom- men und alle Vorkehrungen, welche der Tod des Steusrraths erforderte, in dis Hand zu nehmen.
Der Steuerrath war beerdigt, das Testament desselben auf dem Gericht geöffnet, und der Doktor Prell als der Vormund Paulas bestimmt. Paula war alleinige Erbin, allein dies Erbe hatte sich bedeutend geringer herausgestellt, als man allgemein erwartete.
Seit Jahren hatte Braun sehr eingezogen gelebt, um für seine Tochter zu sparen, wie er dies offen eingestanden. Sein Gehalt war ein hoher gewesen und Manche hatten ihm nachgerechnet, wie viel er sich jährlich zurücklegen müsse. Die Berechnung stimmte nach feinem Tode nicht. Er hatte auch zu Paula gesagt, daß er ihre Zukunft sicher gestellt habe. Selbst diese Worte bewährten sich nicht, denn ihr geringes Erbe reichte nicht aus, um davon leben zu können.
Paula hatte an dies Alles noch nicht gedacht. Noch hatten Schmerz und Trauer keinen anderen Gedanken in ihr auskommen lassen.
In dem Testamente war die Summe, welche Braun seiner Tochter hinterließ, nicht erwähnt. Auch in seinen Papieren fand sich keine Angabe darüber vor. An eine Veruntreuung von irgend einer Seite war um so weniger zu denken, als das Gericht des Verstorbenen Zimmer schon wenige Stunden nach seinem Tode versiegelt hatte.
Bis dahin war kein Fremder in die Wohnung gekommen und die Dienerin hatte ihre Treue lange Jahre hindurch bewährt, als daß gegen sie nur der geringste Verdacht hätte aufkeimen können.
Paula lebte in Prell'» Hause. Des Doktors Tochter, Marie, die in gleichem Alter mit ihr stand und wie sie achtzehn Jahre zählte, war ihre Jugend, gespielin und Freundin. Aus's Innigste schloß sie sich ihr jetzt an.
Paula hatte mit Marie dasselbe Zimmer zu be- ziehen gewünscht, der Doktor war dagegen gewesen. Verschiedene Gründe hatte er dagegen angegeben und Paula hatte sich gefügt — sie war ja trotzdem den ganzen Tag mit Marie zusammen.
Das Zimmer, welches Prell für Paula bestimmt hatte und welches sie bewohnte, war da» freundlichste
und schönste im ganzen Hause. Die mit Wein um» wachsenen Fenster führten in einen parkartig angelegten Garten. Die Einrichtung des Zimmers war äußerst geschmackvoll und fast zu reich zur wohnlichen Gemüthlichkeit. Nach des Doktors eigener Bestimmung und genauester Angabe war sie so getroffen. Er liebte.es, sich in solchen Angelegenheiten um das Geringfügigste zu kümmern. Ihm kam zum wenigsten ein guter Geschmack dabei zu statten.
Diese unmännliche Art und Weise, selbst in den geringfügigsten häuslichen Angelegenheiten Alles von seinen Bestimmungen abhängig zu machen, war vorzugsweise durch den frühen Tod seiner Frau in ihm hervorgerufen. Jetzt war Marie freilich im Stande, die Wirthschaft allein zu führen, allein ihr Vater konnte sich von der einmal angenommenen Gewohnheit nicht lossagen. Er wollte es auch nicht.
Er war äußerst mißtrauisch. Da nun alle Fäden in seinem Hause und in der Wirthschaft in seinen Händen zusammenliefen, so war es fast unmöglich, ihn in einer Weise zu täuschen. Er hielt diese Fäden fest und straff und würde sie eher haben abreißen lassen, ehe er die Fäden gelockert hätte. Er besaß in solchen Angelegenheiten eine starre, eiserne und mitleidslose Consequenz. Auf den Setnigen lasteten diese Verhältnisse drückend. Es lag etwas Tyrannisches in ihnen, obschon Prell meistens ruhig war und nur äußerst selten sich zum Zorn hinreißen ließ.
Das Hau», welches Prell bewohnte, war sein Eigenthum. Es war groß und eigenthümlich gebaut. Die starken Mauern, die mehrfachen Thürmche» und Zinnen verliehen ihm einen burgarttgen Charakter. Der Hof war mit einer hohen Mauer umgeben, und auch diese Mauer trug einen befestigten Charakter, denn überall waren lange und schmale Schieß- löcher in ihr angebracht.
An die Rückseite de« Hauses schloß sich ein großer, parkähnlicher Garten, der sich am Flusse weit hinzog und zuletzt unmittelbar an den Wald grenzte, ja in denselben fast unmerkbar überging; denn ein großer Theil des Gartens war früher Wald gewesen und war nur durch die sorgfältig angelegten Wege und einige Lichtungen hier und dort zum Park umgewandelt.
(Fortsetzung folgt.)
Doppekfchrauöen ■ Schnelldampfer.
(Schluß.)
Alle Salons, Treppenhäuser und Vorplätze sind nach den Plänen des renommirten Architekten Herrn Poppe in Bremen mit der ausgesuchtesten Eleganz und dem größten Luxus ausgestattet, von dem man sich ein schwaches Bild machen kann, wenn man sich vergegenwärtigt, daß für die Decoration der Räume allein eine Summe von 220000 Jl. pro Schiff ausgesetzt ist. Zur Ausführung der behufs Aus-


