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schmückung der Räume reichlich verwendeten Gemälde wurden nur hervorragende Künstler herangezogen, und Nichts ist gespart worden, um die Ausstattung zu einer wahrhaft glänzenden zu machen, deren Wirkung noch gesteigert werden wird, wenn das nach den bewährtesten Systemen eingerichtete elektrische Licht seinen Glanz über das Ganze ansströmt.

Auch die Zwischendecks-Einrichtung ist insofern wesentlich vervollkommnet, als die Passagiere nicht, wie gewöhnlich, in einem großen Raume, sondern in einzelnen Kammern in Gruppen von 1218 Per­sonen untergebracht werden.

Der Ventilation der verschiedenen Schiffsräume, dieser für einen großen Dampfer so überaus wichtigen Einrichtung, ist die größte Aufmerksamkeit zugewendet worden. Die Decks, auf welchen sich die Passagier­kammern befinden, werden nicht nur durch sehr reichlich bemessene Luft- und Lichtschächte, welche selbst bei schlechtem Wetter offen gehalten werden können, venti- lirt, sondern es sind außerdem noch 38 mechanische Ventilatoren vorhanden, welche jeder einzeln durch eine besondere kleine elektrifche Maschine von einem durch Dampf betriebenen großen Elektricitäts-Erzeuger in Gang gesetzt werden.

Neben den für Unterbringung und Bequemlichkeit der Passagiere bestimmten Einrichtungen nehmen in besonderem Grade die maschinellen Anlagen die Auf­merksamkeit in Anspruch, welche in Bezug auf ihre Größe nur unbedeutend, in ihrer Vollkommenheit indeß noch bei keinem existirenden Dampfer übertroffen worden sind.

Wie bereits erwähnt, erhält das Schiff zu seiner Fortbewegung zwei von einander unabhängig arbeitende dreicylindrige Expansionsmaschinen, welche einen Ge- sammteffect von 13 000 Pferdestärken enwickeln. Jede dieser Maschinen hat einen Hochdruck - Cylinder von 1050 Millimeter, einen Mitteldrnck-Cylinder von 1700 Millimeter und einen Niederdruck-Cylinder von 2700 Millimeter Durchmesser, bei einem Hube von 1600 Millimeter. Die Oberflächen - Condensatoren werden durch 4 mächtige Centrifugalpumpen, deren jede ein Auswurfrohr von 400 Millimeter Durchmesser besitzt, mit dem erforderlichen Kühlwasser gespeist, erhalten 6 durch besondere Maschinen bewegte Luft­pumpen und besitzen im Ganzen 7,800 Rohre von je 3,8 Meter Länge. Sämmtliche Condensator-Rohre zusammengenommen besitzen also eine Länge von 29,640 Meier, gleich fast 4 deutsche Meilen.

Damit man sich eine Vorstellung von den riesigen Dimensionen der Maschinen zu machen im Stande ist, sei erwähnt, daß der Durchmesser der Kurbelwellen 500 Millimeter und das Gewicht jeder einzelnen dieser Wellen 45 Tons oder 900 Gentner beträgt. Diese Wellen sowohl als anch die beiden Schranben- wellen, deren jede ein Gewicht von 820 Gentner besitzt, geben zugleich ein beredtes Zeugniß von der Leistungsfähigkeit der deutschen Stahlindustrie. Das Gewicht eines der großen Dampfcylinder beträgt 32 Tons und das Gesammtgewicht beider Maschinen

circa 1000 Tons oder 20000 Gentner, wovon allein 1200 Gentner auf die kupfernen Dampf- und Pumpen­rohre kommen.

Der zum Betriebe erforderliche Dampf wird in 8 großen Kesseln erzeugt, die im Ganzen mit 48 Feuerungen versehen sind, und in drei Schornsteinen von je 3,4 Meter oder 11 Fuß Durchmesser münden. Das Gesammtgewicht der Kessel beträgt 508 Tons oder 10160 Gentner. Von dem Kohlenquantum, welches diese 8 Kessel verschlucken, kann man sich am besten eine Vorstellung machen, wenn man den Kohlenvorrath, den das Schiff für eine Reise von Hamburg nach New-Iork einzunehmen hat, in Eisen­bahnwagen - Ladungen ausdrückt. Es sind danach 240 Waggons erforderlich, um dieses Quantum zu befördern, das entspricht einem Eisenbahnzuge von 1V2 bis 2 Kilometer Länge, zu dessen Fortbewegung 5 bis 6 Locomotiven nothwendig sein würden.

Bei der Großartigkeit der Maschinen-Anlagen sind außer den Hauptmaschinen noch eine beträchtliche Anzahl kleinerer Maschinen, speciell zum Betriebe für Pumpen, der Asch-Hißvorrichtung, der Ventilatoren für die Kesselräume, für die elektrische Beleuchtung n. s. f. erforderlich, so daß in der Maschinen-Abthei- lnng 40 selbstständige Dampfmaschinen mit zusammen 82 Dampfeylindern vorhanden sind.

Jede der beiden großen Maschinen hat ihre be­sonderen Hilfsmaschinen, wie Eireulations-, Luft- und Speisepumpen rc., so daß also die Apparate sämmtlich doppelt vorhanden sind. Die Gonftruction und Lei­stungsfähigkeit derselben ist aber eine derartige, daß im Falle des Brechens einer Hülfsmaschin), die andere den Dienst für beide versehen kann, ein Umstand, der gleichfalls eine wesentliche höhere Betriebssicherheit gegenüber den gewöhnlichen Schraubendampfern ge­währleistet.

Zehn Maschinisten mit zwölf Maschinen-Assistenten, nebst 80 Heizern sind nothwendig, um die Maschinen im Betriebe zu erhalten.

Es muß jeden Deutschen mit Stolz und Freude erfüllen, unsere Handelsflotte durch zwei Dampfer vermehrt zu sehen, welche die Aufmerksamkeit aller Fachkreise der alten und neuen Welt auf sich lenken; eine noch größere Genugtuung gewährt es aber, daß eines dieser Schiffe in Deutschland erbaut wird. Bisher war der Bau dieser großen und schnellen Passagierdampfer gleichsam ein Privilegium der eng­lischen Schiffbauer; Deutschland tritt somit zum ,'rsten Male auf diesem Gebiete mit England in Eoncurrenz. Man darf überzeugt fein, daß der Vergleich nicht zu Ungunsten der deutschen Arbeit ausfallen wird.

Für die Hamburg-Amerikanische Packetsahrt-Aetien- Gesellschaft aber, deren Verwaltung es zum größten Lobe gereicht, in so thatkr ästig er Weise vorgegangeu zu fein, wird die Jnfahrtstellung dieser Schiffe ohne Zweifel ein weiteres und wohlverdientes Gedeihen mit sich führen. Für Hamburg wird der Schnell­dampfer-Verkehr gleichfalls Vortheile nach den ver­schiedensten Richtungen zur Folge haben.

Siebactton; A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gictzcin