Hießener IsamiüenbNler.

Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger.

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Nr. 137. Dienstag, dm 19. November. 1888.

AunkeN

Erzählung von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Für Deine Zukunft habe ich, soviel in meinen Kräften stand, gesorgt", sprach er.Dies ist ja in den lrtzten Jahren meine Lebensaufgabe gewesen. Freilich hatte ich gerechnet, länger zu leben, mehr noch für Dich zu «sparen es hat nicht geschehen sollen!"

Paula «widerte kein Wort. Regungslos saß sie da. Er war ihr, als ob die Worte ihres Vaters sie nicht beträfen. Sie war nicht im Stande, an ihre eigene Zukunft zu denken, wo die Wirklichkeit so schmerzvoll an sie hrrantrat.

Du bist noch jung, Paula", fuhr der Steuer- rath, seine Kräfte zusammenraffend, fort.Du kannst jetzt noch nicht allein im Leben dastehen auch dafür habe ich Sorge getragen, folge meinen Rathschlägen meinen Bitten, die Du bald er­fahren wirst."

Ich will Alles Alles thun, nur verlaß mich nicht, Vater!" rief Paula, auf'- Reue in Schluchzen ausbrechend.Mein Kind, Leben und Sterben hängt nicht von des Menschen Willen ab", erwiderte der Kranke, selbst mächtig ergriffen.Eine mächti­gere Kraft steht über uns ihr müssen wir uns mit Vernunft fügen. Und es ist gut, daß es so ist!" fügte er halb in Gedanken versunken hinzu. Nach seinem Willen würde er sich nimmer von seiner Tochter getrennt haben.

Noch um Ein« möchte ich Dich bitten, Paula", fuhr er nach wenigen Augenblicken fort.Es be­trifft die Wahl Deines zukünftigen Gatten. Ich will Deinem Herzen keine Vorschriften machen, denn ich wünsche, daß Du bei der Wahl Deinem Herzen am meisten folgst, das ist ja dis beste Bürgschaft des Glückes, allein weife auch die ruhige Stimme des Verstandes nicht zurück. Prüfe Dein Herz, ehe Du er verschenkst. Mancher glaubt ja zu lieben und sein Herz hat sich durch äußeren Schimmer täuschen lasten. Ich weiß, daß der junge Berger Dich gern hat, daß er Dich liebt. Ich gestehe e« offen, daß ich mit Freuden ihn als meinen Schwiegersohn be­grüßt haben würde, denn ich kenne ihn von Jugend auf er ist ein guter, ein edler Mensch. Sollte er je um Deine Hand anhalten, Paula, dann weise ihn nicht zurück, ehe Du Dein Herz wiederholt ge­prüft hast. Das versprich mir mehr verlange ich ja nicht."

I Paula versprach es schluchzend. Sie würde in I diesem Augenblicke Alles versprochen haben, weil sie unfähig war, irgend einen anderen Gedanken all ihren Schmerz zu fasten.

Der Kranke war durch das Sprechen mehr an- 1 gegriffen, als er befürchtet halte. Näher und näher 3 fühlte er den Tod an sich herantreten, mehr und s mehr feine Kräfte schwinden. Er hatte seiner Tochter l so viel noch zu sagen schon fehlten ihm die l Kräfte dazu.

Schick' zum Doktor zu Prell", sprach er mit matter Stimme.Er soll sogleich kommen. Auch ihn muß ich noch sprechen."

Paula eilte fort, um der Dienerin den Auftrag zu geben. Dann kehrte sie in das Zimmer zurück.

Der Kranke lag mit geöffneten Augen da. Schmerzlich lächelnd nickte er ihr zu. Er schwieg. Den letzten, geringen Rest seiner Kräfte wollte er aussparen, bis der Gerufene kam. Der war sein Arzt und langjähriger Freund.

Paula saß neben ihm. Die Augen hatte sie : angstvoll auf ihn gerichtet. Jetzt entging es auch ihr nicht mehr, welche Veränderung in seinem Ge­sichte vorgegengen war. Das waren schon die Züge des Todes.

Der Morgen brach herein. Die ersten Sonnen­strahlen schimmerten selbst durch die dicht zugezogenen Vorhänge. Der Kranke bemerkte es.

Zieh' die Vorhänge zurück", bat er. Die Worte wurden ihm schon schwer, er sprach sie gebrochen.

Die Sonnenstrahlen fielen auf ihn. Ein Lächeln glitt über sein Gesicht.

Mit peinlicher Ungeduld erwartete Paula die Ankunft des Arzte», auf ihn waren ihre letzten Hoff­nungen gesetzt.

Draußen in dem Vorzimmer saß die langjährige Dienerin, welche den Arzt gerufen hatte, auch sie wartete auf seine Ankunft.

Da wurde die Thür leise geöffnet und ein mittel­großer, fast zierlich gebauter Mann trat leise, fast unhörbar ein. Es war der Dokror Prell,

Er lieb die dunkeln Augen schnell durch das Zimmer gleiten. Es lag etwas Stechendes in diesem Blicke, das sich indeß verlor, al» er sich an die Die­nerin wandte.

Wie steht es?" fragte er.

Der Herr scheint sehr sehr krank zu sein", erwiderte die Dienerin.

Hm! ich weiß es", entgegnete der Doktor, indem i er mit der Rechten über das glatt rasirte Gesicht r fuhr.Ich weiß es", wiederholte er,und ich kann