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gestorben, als man ihr die Wundermähr mittheilte, daß Hedwiga zur jüngsten Hofdame ernannt worden und auch Ulrich wahrscheinlich eine Hof-Charge, viel­leicht als fürstlicher Stallmeister oder Jägermeister erhalten werde, wenn er es nicht vorzöge, eine Afrika- Expedition mitzumachen. Der Ausfall dieser Wahl durfte durchaus nicht zweifelhaft fein, zumal für einen Freiherrn von Jmmendorf, welcher fich bereits hinreichend in der Welt umgesehen, um endlich nicht einen Ekel vor plebejischer Gesellschaft zu empfinden.

So lautete Tante Irmgards Ausspruch vor dem Einschlafen, und ste freute fich ihrer alten Herrschaft in der Familie, als Ulrich scheinbar nachgab und acht Tage später Hedwiga nach der Refidenz brachte. Hätte sie eine Ahnung davon haben können, daß der verhaßte Egon Dörner, ebenfalls an den Hof befohlen war und vom Major Tellkamp wie von Magda Rosen zum Bahnhof begleitet wurde, hätte die ahnenstolze Dame es mit ansehen müffrn, wie zärtlich die junge Hofdame der Fürstin von ihrer bürgerlichen Freundin Abschied nahm und wie tief das Oberhaupt de» Freiherrlich Jmmendors'schen Hauser in die blauen Augen der verwirrten Magda schaute, ja, wie selbstverständlich der verhaßte Doktor im Coupö an Hedwigas Seite sich niederließ und wie Beide so vertraulich-zärtliche Blicke mit einander tauschten, ach, die arme Tante Irmgard! ste wäre an diesem Anblick sicherlich gestorben.

So ungefähr mochten auch Ulrichs Gedanken lauten, als der Zug davonbrauste und seine zer- streuien Blicke auf das gegenüberfitzende Paar fielen. Wahrhaftig, er hatte dem kecken Egon seinen Platz eingeräumt, dort an Hedwiga» Seite hätte doch er, der Bruder, fitzen müssen!

Glücklich sind die Unwissenden", murmelte er, ste lächelnd betrachtend, o, Tante Irmgard, hättest Du jetzt einen Zauberspiegel I"

Immer weiter brauste der Zug, immer größer wurde die Entfernung zwischen ihm und der Vater­stadt und immer freier und leichter athmete er auf; trotz Magda's schönen Augen wäre er am liebsten mit Egon geradewegs in die unendliche See hinaus- gesteuert, um den Ocean zwischen sich und seine letzte Vergangenheit zu legen.

Egon und Hedwiga aber schienen nur den ein­zigen Wunsch zu haben, dieses beseligende Beisammen­sein ebenfalls in'« Unendliche auszudehnen.

Leider nimmt Alles auf Erden ein Ende, auch bas höchste Glück, der seligste Traum. Der Zug brauste in den Bahnhof der Residenz, wo eine fürst­liche Equipage zur Aufnahme der neuen Hofdame bereit stand, während Ulrich und Egon, welche die Equipage ebenfalls benutzen konnten, es vorzogen, in einer Droschke nach dem ersten Hotel zu fahren.

Der Empfang de» jungen Fürsten-Paares war hier in der Refidenz ganz außerordentlich pomphaft gewesen. Roch strahlte die ganze Stadt in Laub­und Flaggenschmuck und die Festlichkeiten im Schlosse wollten kein Ende nehmen.

Hedwiga, welche ungewöhnlich huldvoll empfangen

worden, war Anfang» ganz verwirrt von dem ge­räuschvollen Hoflebm, doch eingedenk Tante Irmgard« Ermahnungen, es niemals zu vergessen, daß ste eine Freiin von Jmmendorf und einem uralt edlem Ge­schlechte entsprossen sei, fand sie sich mit avgebornem Takte bald in die Hof-Etikette hinein, zumal ihr Tante Ulrikes trockene Bemerkung, daß ihr uralte« Geschlecht unzweifelhaft bi» zum Vater Adam hin« aufreiche und daß der Stammbaum de« Menschen am besten nach seinen Früchten zu beurtheilen fei, sie rasch über jede Beklommenheit und Angst hin- wegsetzte und ihr die natürliche Heiterkeit bei Geistes und Gemürhs zurückgab.

Es blieb der Umgebung bald nicht zweifelhaft, daß die neue Hofdame die Gunst der Fürstin in einem hohen Grade besaß und daß auch ihr Bruder, der schöne Jmmendorf, wie die Damen ihn nannten, vom Fürsten ausgezeichnet wurde.

Der Obcrstallmeister war gestorben, der Platz noch nicht wieder ausgefüllt, kein Zweifel, der neue Günstling wurde hineingeschoben.

So zischelte und flüsterte man in den Hof­kreisen und Haß, Reid und Kabale erhoben ihr Haupt.

, Ich beabsichtige, Sie zu meinem Oberstallmeister zu machen, lieber Jmmendorf", bemerkte der Fürst nach einigen Tagen.Sie sind ein tüchtiger Reiter und Pferdekenner, der Dienst würde Ihrer Neigung zusagen, wie?"

Durchlaucht häufen zu viel Huld und Gnade, zu viele Schulden der Dankbarkeit auf mein Haupt", versetzte Ulrich ehrerbietig, doch frei,und auf die Gefahr hin, undankbar zu erscheinen, bitte ich Ew. Durchlaucht, den gnädigen Antrag ablehnen zu dürfen."

Ich war darauf gefaßt", nickle Fürst Friedrich ernst,gebe Ihnen aber Zeit, zu überlegen und zu bedenken, daß eine solche Charge Sie mit Einem Schlage in eine ehrenvolle Stellung versetzt und jeder Verdächtigung die Spitze abbricht. Sie ziehen es also noch immer vor, unfern Doktor Dörner auf der neuen Expedition zu begleiten?"

Ulrich verbeugte sich. Dann erhob er nach kurzer Ueberlegung das gesenkte Antlitz.

Gestatten Durchlaucht e« mir, diesem Entschlüsse treu zu bleiben. Sollte ich, wie ich es wünsche und hoffe, gesund znrücktehren, dann, mein gnädigster Fürst und Herr, darf ich mit größerem Rechte und stolzer Genugthuung den Posten annehmen, den Ew. Durchlaucht Huld mir zugedacht."

Gut", lächelte der Fürst, ihm die Hand reichend, so sei es denn, ich ehre Ihren Stolz und will den Posten bis dahin für Sie reserviren. Wann wird die Expedition aufbrechen?"

Wie es heißt, noch vor Anbruch des Winters, vielleicht schon in acht Tagen."

(Fortsetzung folgt.)