Eichener Aamilienblätter.

Belletristisches Beiblatt;um Gießener Anzeiger.

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Nr. 124. Samstsx, bett 20. October. 1888.

Im Kaufe Immendorf. |

Original-Roman von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Wo Baben Sie Ihren Freund gelaff-n?" tief der Fürst Egon entgegen.

, Er bet wich, ihn bei Ew. Durchlaucht zu ent» schr-ldigen, weil er, höchst angegriffen, sich einstweilen nach Hause habe begeben müssen."

Ach, wirklich? Hat er schwache Nerven?" lächelte der Fürst etwas ironisch,nun ja, dergleichen greift wirkl.ch an, und auch ich fürchte mich ein wenig vor dem morgigen Trubel."

Ah, Durchlaucht fürchten Sich vor der Liebe höchst Ihrer Residenz?"

Das nicht, lieber Doktor! man verschwendet nur zu viel Geld babd, welches den Armen zu Gute kommen könnte, der Winter steht vor der Thür, der­gleichen hat stets einen bitteren Nachgeschmack für mich. Doch läßt es sich nicht ändern, ohne die Ge» müthsr zu verletzen, und wissen Sie, Doktor, es ist mein zweiter Vermählungs-Einzug, einen dritten aber soll Niemand wieder erleben. Nun, davon nichts mehr, Doktor I wovon redeten wir eigentlich?"

Von Ulrich Jmmendorf, Durchlaucht!"

Richtig, er hat eine sehr schöne Schwester, superbe Erscheinung, von welcher die Fürstin en!» zückt ist. Die andere junge Dame ist Ihre Pflege- schwester, eine entfernte Verwandte vor» Ihnen?"

Durchlaucht halten zu Gnaden, keine Verwandte, die verwaiste Tochter eines Freundes meines ver­storbenen Vaters, welche allein in der Welt zurückblieb."

sonst noch etwas zu sagen, ich lese dergleichen in Ihrem Gesicht."

..Ja, Durchlaucht 1 ich möchte noch um einige Minuten gnädiges Gehör im Interesse meines Freun­des Jmmendorf bitten."

Ah, also doch etwas Besonderes mit seiner An­gegriffenheit", sprach der Fürst, sich in feinen Sessel niederlaffend, und mit einer leichten Haudbewegung | den Doktor ebenfalls dazu aufforderud, woraus dieser | in resprctvoller Entfernung Platz nahm.

Sprechen Sie, lieber Doktor", nickte ihm der I liebenswürdige Fürst freundlich zu.

Egon erzählte kurz, was sich bei dem Einzugs ereignet halte.

sWieder dieser ominöse Name in eines Dritten I Munde, das ist seltsam", sagte der Fürst nachdenk- 5 lich,es wird jedenfalls dieselbe Person sein."

Unzweifelhaft, Durchlaucht! der arme Ulrich I steht sich verrathen und verkauft, falls man ihn mr- j haften und ihm bm Proceß machen sollte. Er l fürchtet, daß Ew. Durchlaucht ihn alsdann sollen t lassen müsse."

Fürchtet er bas wirklich?" rief der Fürst, ge* s davkmvoll den Dvkror anblickend,cllerdings bin ich Z kein Despot, welcher Gesetz und R^cht beugt, um ? seinen Willen durchzusetzen und einen Schuldigen vor l Strafe zu schiitzm. Aber hier, denke ich, liegt die z Sache ganz anders, und meine fürstliche Pflicht und Aufgabe gipfelt dabei einfach in der Verhütung eines Justizmordes. Ich muß die Richter, welche nach dem unseligen Thalbestand dar Schuldig unbedingt aussprechen müssen, vor jenem Verbrechen schützen. Das ist meine Urberzeugung, Doktor?'

Und von ihm in fein Haus aufgenommen wurde", I sprach der Fürst wohlwollend,das ehrt den Ver» 5 storben-n noch im Grabe. Wie nennt sich die junge Dame doch gleich?"

Magdalene Rosen, Durchlaucht zu Befehl!-"

,,U-rd Sie heißen Dörner, ei, mein lieber Doktor, « da gehöd die Dame ja unzwe sselhafk zu Ihnen, vom Schicksal gleichsam für Sie prädestinirt, meinen Sie - nicht? Rose und Dornen allerliebst!"

Mazda ist mir lieb, wie eine Schwester!" ver- } setzte E^on ernst,ich darf den gleichen Wärmegrad der Gefühle von ihrer Seite für mich constatiren."

Schade!" meinte der Fürst, ihn sirrnend be­trachtend.Nun, pardon, Doktor! er war nicht böse gemeint- Ich sehr Sie also mit Ihrer ganzen Familie bei der Tafel wieder? Haben Sie mir

Dieser erhob sich tief bewegt, um vor dem ebenso edlen als k-ugen Fürsten, besser- Geistesschärfe den jungen Mann überraschte, das Knie zu beugen, um ihm so fdnett Dank und seine Huldigung dar» zub ringen.

D-r Fürst hob ihn rasch aus und drückte ihm die Hand.

Ich dulde dos von keinem Menschen, mein lieber, junger Fr-und!" sprach er läch-lnd,von Ihnen, dem freien, geraden Manne erwartete ich dergleichen am wenigsten, obwohl es mich deshalb besonders erfreuen und mit Siolz erfüllen sollte. Es ist nicht wohlgethan, dem Fürsten jede Pflichterfüllung als hohe Tugend anMechnen, er verliert der. Maßstab für sein Thun und Streben nach jener selbstlosen Aufopferung, welche wir erst mit dem erhabenen AusdruckTugend" bezeichnen dürfen. Nun aber