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wiebererkennen würde, aber doch jedenfalls fein Freund und Helfershelfer, wie dieser alte Fuchs hier, der ebenfalls eine Rolle in der Komödie spielt. Da ch den Diener nicht verhaften kann, so müssen Sie, Herr Doktor, auf jme Verdachtsgründe hm, mir »um Herrn Criminalrichter folgen."
In diesem Augenblick näherten fich rasche und feste Schritte der Pforte.
„Dar wird mein Onkel Tellkamp sein, der mir auf der Promenade begegnen wollte", rief Egon und sofort ertönte die joviale Stimme de» Majors: Hier bin ich, Egon! Ist mir da« aber eine ver. teufelte Finstrrniß heute Abend, man könnte sich wahrhaftig selbst darin verlieren. Na, wo steckst Du denn? - Aha, da ist der alte Diogenes mit der Laterne." (Fortsetzung folgt.)
sprechen könnte —" ,
„Und da antwortete ich „Nem^ und antworte das wieder und abermals. Sage, Du kommst auf eine halbe Stunde, auf eine ganze Stunde, sprich Dich gar nicht über die Dauer Deines Besuches aus, nur rede mir nicht von fünf Minuten."
„Ich verstehe Dich nicht, Onkel!" ,
„Nur fünf Minuten!" Das Wort ist eine Schlinge, die dem Arglosen gelegt wird, ein Hinterhalt, in • dem man ihm auflauert; mit „nur fünf Minuten" stürzt sich der Räuber meiner Zeit und meiner Ge. duld perfider und erbarmungsloser auf mich als der Räuber meines Geldes mit der Forderung: „la bourae ou la vie.“
Er hatte mir einen Sessel hmgeschoben und stand hochaufgerichtet vor mir. Ein weiter dunkler Schlafrock umgab seine lange hagere Gestalt, die Pfeife, deren Rauchwolken das Zimmer erfüllten, hielt er hochgeschwungen in der einen Hand, die andere machte sich am Hemdkragen zu schassen, dessen eine $atfte, wie gewöhnlich, nach außen gerathen war, während
die andere sich bescheiden hinter dem Schlafrock barg: das gute, faltenreiche Gesicht fah in seinem Zorne o drollig aus, daß ich unwillkürlich laut auflachen mußte. , _. ,,
Meine Heiterkeit steigerte noch semen Unmuth.
„Da haben wir's, Du kannst noch lachen!" „Es kann Dir doch auch unmöglich ernst sein.
„Bitterer Ernst ist es!" fuhr er mich an, ich hasse das Wort!"
„So kenne ich Dich ja noch gar mcht, Onkel."
„Ich kenne mich selbst nicht, wenn ich den verwünschten Ausdruck „nur fünf Minuten," hören muß, grollte er, das Käppchen von dem grauen Kopfe reißend und wieder aufsetzend. „Er hat mich durch das ganze Leben verfolgt, geärgert, beeinträchtigt, erbittert! Warte „nur fünf Minuten" nef nur, da ich ein kleiner Knabe war, unser Nachbarsohn, mit dem ich den Schulweg zusammen machte, zu, dann trödelte der Schlingel, der nie zur rechten Zell aus den Federn kommen konnte, bis es voll geschlagen hatte, und ich, der ich von Jugend an ein Frühaufsteher war, mußte mit ihm wegen Unpünktlichkeit nachsitzen." t , ,x.. „ „r£,
„Versäumte ich in meiner Studentenzeit die Hälfte eines Kollegs, an dem mir sehr viel gelegen war, so geschah es sicher, weil man mich in meiner Stammkneipe mit der Versicherung „es dauert nur noch fünf Minuten" eine halbe Stunde auf das bestellte Gericht, nach dem der knurrende Magen verlangt, hatte warten lassen. Ich könnte ein Buch schreiben, wollte ich allen Aerger, alle Verdrießlichkeiten, allen Schaden und alles Ungemach aufzählen, welche mir schon aus dem „nur fünf Minuten" erwachsen sind. Selbst den Frieden meiner Ehe drohte der Unhold
zu stören." , , _ _ . „
„Onkel!" rief ich entsetzt, „das sagst Du, dessen Eheleben der ganzen jüngereil Generation unserer Familie als ein Muster aufgestellt wird."
„Mit vollem Rechte, mit vollem Rechte", nickte er, und über sein Gesicht ging ein Lächeln, das es jung erscheinen ließ, wie der Sonnenschein einer Herbstlandschaft für Augenblicke die Täuschung des Frühlings zu verleihen vermag. „Gott weiß es, welches . Glück ich in meiner dreißigjährigen Ehe gefunden habe; entstand aber einmal eine Mißhelligkett oder ein Streit zwischen mir und meiner Frau, so gab die Veranlassung dazu ihre leidige Angewohnheit, „nur fünf Minuten" zu sagen."
„War nicht vielleicht die Demlge, das Wort allzu wörtlich zu nehmen, auch ein gutes Theil mit daran Schuld?" warf ich neckend ein. ,
„Vielleicht war dies der Fall, wenigstens im Anfang", gab er ehrlich zu. „Ich hatte zwar schon viel Erfahrungen mit der Redensart gemacht, aber auf meine Frau konnte ich dieselbe doch nicht anwenden, sie war ja in allen Dingen die Wahrhaftigkeit selbst. So wurde denn „nur fünf Minuten" auch hier das Irrlicht, durch das ich mich in den Sumpf locken ließ." (Fortsetzung folgt.)
Rebartion; A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl 'scheu Druckerei (Fr. khr. Pietsch) in Gießen.
Von Jenny Hirsch-
(Nachdruck verboten.)
„Kann ich Dich nur auf fünf Minuten sprechen, Onkel?" fragte ich, in das Arbeitszimmer des Professors H. blickend.
„Nein", scholl es mir barsch und bestimmt entgegen. ,
Erschrocken zog ich den Kopf zuruck und wollte mich schleunigst entfernen, kam jedoch nicht weit. Die Thür wurde vollends geöffnet, der liebenswürdige alte Herr erschien auf der Schwelle und fagte in ganz verändertem, d. h. in dem ihm eigenen gütigen Ton: „Tritt ein und nimm Platz."
„Ich möchte Dich nicht stören, Onkel", versetzte ich, seiner Einladung zögernd Folge leistend.
„Du störst mich nicht." .
„Du sagtest doch aber, Du habest keine Zeit.
„Ist mir nicht eingefallen.",
„Ich fragte Dich, ob ich Dich auf fünf Minuten


