doch einen . *. — Räthin: Schlimmer Mann!... Ich verstehe! . . . Nun? — Rath: Nun? — Räthin: Wo ist denn der Schlafrock? — Rath: Du hast ihn mir ja noch nicht gegeben. — Räthin: Ich Dir? Du mir, meinst Du wohl? Wie sieht er denn aus? — Rath: Wer? — Räthin: Stell' Dich nicht länger so. Der Schlafrock, den Du mir gekauft. — Rath: Dummes Zeug! Das ist schon unzart. Gesteh' ich doch meinen Fehler ein! Jetzt aber laß' mich schon den Schlafrock sehen, von dem Julie sagte, Du hättest mich überrascht. — Räthin: Julie? Die sagte mir doch, daß Du mir einen solchen kauftest? — Rath: Julie? — Räthin: Julie! Julie! Julie! —
Und die arme Julie trat bleich wie eine geknickte Lilie herein, denn noch war Theobald nicht zurück und sie ahnte, daß Alles verrathen.
Es wäre ihr gewiß sehr schlimm ergangen, wenn nicht in diesen! Moment der Dienstbote mit einem Packet von der Post gekommen wäre.
„Von Karl aus G . . .!" schrie Julie, worauf die beiden Alten, die Schlafrock-Affaire vergessend, sich mit dem Ausrufe: „Der liebe Bub!" rasch über das Packet machten.
Nach einer Weile zogen sie zwei funkelnagelneue Schlafröcke heraus.
Die alten, runzeligen Gesichter glätteten sich mit einem Male.
„Wie schön!" — „Wie prachtvoll!"
Und Rath und Räthin hüllten sich in die neuen Hausgewänder, dieweil ihnen Julie von dem Arrangement Theobald's, von feiner Absicht und der kleinen harmlosen, leiter mißglückten List erzählte. Inzwischen war Theobald im Vorzimmer angelangt, eben als das Dienstmädchen das Zimmer verlassen.
„Sind die Alten noch brummig?" fragte er. — „O nein. Im Gegentheile. Sie sind wegen der neuen Schlafröcke ganz lustig! — „O weh!"'ächzte Theobald, biß sich die Lippe wund und stürzte wieder hinaus. — „Was fang' ich an?" jammerte er, die Treppe hinunterrasend. „Julie hat ihre Sache gut gemacht. Aber ich? Keinen Groschen habe ich aufgetrieben. Dann war ich in etwa einem Dutzend Konfektionsgeschäften, habe gebeten, einen Herren-' und einen Damenschlafrock hierher und die Rechnung in meine Wohnung zu senden. Meine neue Visitenkarte mit dem vollen Titel: „Wirk!. Konzip. im Handelsministerium" hat gar keine Wirkung gemacht. „Man bedaure!" — „Es dürfte schwer gehen!" — „Heute sehr beschäftigt!" und mit ähnlichen Phrasen mehr wurde ich allerorten abgefertigt. O, ich Unglücksmensch! — Halt! Wo die Noth am größten, ist das Darlehen am nächsten, ich verpfände meinen Gagebogen!"
So monologisirte der arme Junge, als er durch die Straßen lief. Eine Viertelstunde später sitzen Rath und Räthin froh im hellerleuchteten Zimmer. Beide tragen ihre neuen Schlafröcke und die gegenseitige Beschenkung mit Kleinigkeiten hatte schon stattgefunden. *
Man wartete nur noch auf Theobald, um sich zum Nachtmahle zu setzen. Da läutet's, und ein Kommis tritt herein. „Wohnt hier Herr von Brummer?" — „Bin ich. Was wünschen Sie?" — Der Kommis öffnet ein Packet und zieht einen Herren-Schlafrock hervor. — „Vom Herrn Konzipienten Nagerl bestellt ..."
Man klingelt wieder. Eine „Mademoiselle" hüpft herein. — „Frau Rechnungsräthin Brummer?" — „Sin ich. Sie wünschen?" — Die „Mademoiselle" öffnet ein Packet und zieht einen Danien-Schlafrock hervor. „Vom Herrn Konzipienten Nagerl bestellt."..
Man klingelt. Wieder ein Kommis, wieder eine „Demoiselle"; noch ein Kommis und noch eine „Mademoiselle". Alle bringen Schlafröcke. Der Rath haut vor Wuth auf den Speisetisch, die Räthin fällt in Ohnmacht und Julie jagt weinend die unschuldigen Geschäftsbediensteten hinaus. Wo man hinblickt, liegen Schläfröcke.
Endlich ist die Räthin zu sich gekommen! der Rath schwört, er erwürgt den verdammten Konzipienten, wenn er ihm unter die Augen kommt; da öffnet sich die Thüre und herein stürzt der Unglückselige und — es ist gräßlich! — in jeder Hand trägt er einen Schlafrock. — Der Rath stürzt auf ihn los. — „Verfluchte Weihnacht, wenn Sie nicht augenblicklich hinausgehcn! Mensch, was haben Sie angestellt?" — Der arme Konzipient läßt vor Schrecken die Schlafröcke fallen. — „Verzeihung!" jammert er. „Ich konnte nicht ahnen, daß die Geschäftsleute die Bestellung wirklich effektuireu werden, doch ist, Gott sei Dank, nichts bezahlt, ausgenommen die beiden, die ich mitgebracht."
Rath Brummer mußte laut auflachen, denn Theobald machte ein gar zu dummes Gesicht, während Julie ihm die Schlafröcke, einen um den andern, an den Kopf warf. „Na, na beruhigt Euch nur," schrie der Rath. Nehmt Euch in Gottes Namen, aber nehmt wenigstens auch die Schlafröcke mit!" Darauf große Rührung. Der Rath umarmt Julie, die Räthin Theobald, und der Weihnachtsabend endete lustiger, als er begonnen.
Vermischtes.
Guter Rath. Rekrut: Herr Feldwebel, ich möchte mich über meinen Unteroffizier beschweren. — Feldwebel (gemüthlich): Weißt Du was, laß das lieber sein, mein Jung'. Beschweren kannst Du Dich wohl mit so was — aber erleichtern nicht.
Offene Antwort. Nun, der wie vielte bist Du denn in der Schule, Kleiner? — „Wenn ich noch um Einen hinaufkomme, so bin ich der Vorletzte."
Opferfreudig. Kleiner Schüler: „Herr Lehrer, Sie haben mir im Wochenzeugniß recht gut gegeben, meinem Bruder mittelmäßig — möchten Sie nicht lieber uns beiden „befriedigend" geben?"
IhSsetien: A. Gchetzda, — Sriti und «erlag der BrShl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


