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schwelle stehen. Sein Herz schlug unruhig. Sri« Auge mußte sich erst a» das Halbdunkel gewöhnen.
War die Gestalt mit den bleichen, eingefallenen Wangen, mit den tiefliegenden Augen, welche dort auf der Bank faß, der Angeklagte? War das die kräftige, lebrnsfrifchs Gestalt des Försters?
Erschreckt trat Körber einen Schritt in die Zelle. Es war der Förster, der ihn so starr, so gleichgiltig anblickte.
„Hellmann!" rief Körber und schritt auf ihn zu.
Langsam erhob sich der Gerufene.
„Kommen Sie auch endlich einmal!" sprach er und seine Stimme klang dumpf, hohl. „Sie hat wohl der Criminalrichter zu mir gesandt! Haha! Sie sollen wohl in mich dringen, daß ich endlich eilte Thal gestehe, die ich nicht begangen habe! Sie sollen mich fangen durch schlaue Fragen, süße Worte I Sie können ja reden — ich weiß es — Sie sind ja ein gewandter Polizeibeamter--"
„Hellmann!" unterbrach ihn Körber vorwurfsvoll und streckte ihm dis Hand entgegen.
Der Förster zögerte, die Hand anzunshmen.
„Erst sagen Sie mir, daß Sie der Criminalrichter nicht zu mir sendet", erwiderte er.
„Hellmann, ich komme aus freiem Antriebe zu Ihnen", sprach Körber, dem des Gefangenen Verzweiflung ti.f in's Heiz schnitt. „Ich bin Ihr Freund gewesen — ich bin cs noch,— vertrau.» Sie mir!"
„Haha! Verirauen! lachte der Förster bitter auf. „Sie mein Freund! Sie sind ja Polizei-Commisiär! Doch was wollen Sie von mir?"
„Die Wahrhrit, H llmann", sprach Körber,ff„die volle, ganze Wahrheit, in Allem, warum ich Sie frage, Hellmann" und er beugte sich zu ihm — „ich verdiene Ihr Vertrauen — sehen Sie hier diesen Ring an meinem Finger — ich habe ihn von Anna — sie ist meine Braut."
Der Förster zuckte empor. Er richtete das Auge prüfend auf Körber.
„Sie sind Polizei Commissär", erwiderte er langsam — „doch fragen Sie, ich w>ll Ihnen in Allem die volle Wahrheit sagen — ich habe sie nicht zu fürchten."
„Ich weiß es", versicherte Körber, dem Gefangenen die Hand drückend — „ich glaube nicht an Ihrs Schuld — ich weiß, daß Sie unschuldig sind, deshalb will ich Sie retten!"
„Sie wiflen, daß ich unschuldig bin", fuhr der Förster heftig auf, „und dennoch sitze ich seit Mona- ten h'.er, dennoch sind Sie nicht für mich aufgetreten und haben meine Unschuld bewiesen!"
„Ich Hobe es vergebens versucht", entgegnete Körber, „ich konnte die Beweise, welche gegen Sie sprechen, nicht vernichten. Hellmann, ich habe seit Ihrer Verhaftung keine ruhige Stunde gehabt, olle ! meine Kräfte habe ich daran gesetzt, um für Ihre ; Befreiung zu wirken — es ist mir nicht gelungen. Aber jetzt — Habs ich neue Hoffnung — es w!rd mir gelingen; nun antworten Sie mir wahr und offen." r
„Haha! Sie wollen wissen, ob ich Berger ei* schossen habe?" warf Hellmann ein. Nein! Ich — und wenn ich verurtheilt, wenn ich auf das Scheffot geführt werde, so werde ich von dort herabrufen: ich habe es nicht gethan! Ich bin unschuldig!"
„Seien Sie ruhig, Hellmann, bat Körber und legte die Hand auf den Arm des Gefangenen. Er zog ihn mit sich zur Bank. „Kommen Sie, setzen Sie sich hier zu mir — Sie sollen ja nichts gestehen, was Sie nicht gethan haben. Meine Fragen werden etwas ganz anderes betreffen. In welchen Beziehungen haben Sie zu dem Doktor Prell gestanden?"
Der Förster blickte ihn prüfend an. Er schien ihm noch immer nicht zu trauen. Ec war vorsichtig in seinen Antworten geworden.
„In sehr geringen", erwiderte er endlich. „Ec war mein Arzt, allein ich habe seine Hilfe nur wenig nöthig gehabt."
„Ich weiß es", unterbrach ihn Körber. „Haben Sie nie Streit mit dem Doktor gehabt?"
„Nie", versicherte Hellmann.
„Oder haben Sie ihn irgend beleidigt", fuhr der Commiffär fort. „Zürnte er Ihnen — war er Ihnen feindlich gesinnt?"
„Wozu alle diese Fragen?" warf der Förster ein. „Ich bin im Ganzen wenig mit dem Doktor zusammengekommen, wenn es geschah, war es stets in freundlicher Weise. Auch er kann es nicht anders behaupt-», oder er spricht die Unwahrheit."
„Ist et öfter in Ihrem Haufe gewesen?" fragte Körber weiter.
„Ja — wenn ich einmal unwohl wsr, und auch sonst 5;m er wohlßzu Zeiten — er ist zuweilen mit auf die Jagd gegangen", gab der Förster zur Antwort. , Er ist ein Jagdfreund und schießt gut. Was haben Sie aber mit ihm zu scheffen?"
„Noch nichts", entgegnete Körber.
(Fortsetzung folgt.)
Me Schlafröcke.
Eine Weihnachts-Historie. Von Dr. Land.
(Schluß.)
Rath und Näthin trafen sich bald nachher im Speisezimmer und da spielte sich folgende Scene ab:
Rät hin (bei Seite); (Er ist doch ein guter Mann)—Rath (ebenso): Sie ist doch eine kreuzbrave Frau! — Räthin (bei Seite): Ich habe ihm Unrecht gethan und will Abbitte leisten. — Rath (ebenso): Ich werde sie um Verzeihung bitten. — Räthin und Rath (nähern sich). — Räthin: Guter Mann, Du hast also auch Heuer . . . — Rath (unterbricht sie): Daß Ihr Weiber doch immer zartfühlender sein müßt! O ich Bösewicht! — Räthin: Bösewicht? O, nein! — Rath: Cordula, ich danke Dir von ganzem Herzen. — Räthin: Du mir?. Ich muß Dir danken. Hast Du doch mir einen Schlafrock . . . — Rath! Du hast mir


