Ausgabe 
18.12.1888
 
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Tags laß uni untere Verlobung feiern -- es soll ein doppelter unb dreifacher Freudrntag für uns werben.

Anna versprach es ihm gern.

Körber verließ fie. Er war in freudiger Auf» regung. Die Stirn brannte ihm. Langsam ging er um die Stadt, um sich abzukühlen, um ruhiger zu werden. Er war ihm, als wenn das Porte­monnaie in seiner Tasche ein unendlich großer Schatz sei und es war auch ein Schatz für ihn. Noch einmal überdachte er Alles. Außer allem Zweifel stand es für ihn, daß durch dieses Portemonnaie der auf dem Förster hastende Verdacht verstärkt werben sollte. Aber wer wer hatte es über die Maner geworfen? Täuschte er sich nicht dennoch über Prell? Die Nacht war dunkel gewesen wie leicht konnte er sich geirrt haben I Und wenn er sich geirrt hatte, wie sollte er aber Denjenigen entdecken, der ihm entflohen war? Diese Schwierig­keit schreckte ihn nicht mehr zurück. Stand doch jetzt unerschütterlich fest in ihm, daß Hellmann un­schuldig war.

Wenn er sich aber in Prell nicht getäuscht hätte was konnte den Doktor bewegen, den Förster verderben zu wollen? Wie kam das Portemonnaie in seine Hand? Sollte er den wirklichen Mörder kennen? Sollte er mit ihm in Verbindung stehen? Körber überflog im Geiste alle Diejenigen, mit denen Prell in näherer Verbindung stand; allein er fand Keinen unter ihnen, der einer solchen That fähig wäre. Konnte Prell indeß nicht noch Verbindungen haben, die er nicht kannte? Dies zu erforschen, er­schien ihm nicht schwer.

Bald war er sich über seine Schritte, welche er einschlagen mußte, vollständig klar. Er mußte zu dem Gefangenen, mußte ihn sprechen, um von ihm zu erfahren, in welcher Beziehung er zu Prell ge­standen hatte.

Schnell entschlossen schritt er dem Hause des Richters zu. Er fürchtete nicht mehr Pintus' Lächeln. Bald bald mußte ja für ihn der Augenblick kommen, in dem er mit siegreichem Lächeln vor den Criminalrichter hinlreten und ihm sagen konnte:Ich habe Recht gehabt der Förster ist unschuldig!"

Er traf den Criminalrichter auf seinem Zimmer.

So zeitig schon, Herr Commissär!" rief ihm Pintus zu, als er eintrat.Was bringen Sie mir Wichtiges?"

Nur eine Bitte führt mich zu Ihnen!" erwi­derte Körber.

So sprechen Sie Sie wissen, daß ich Ihnen gern gefällig bin, wenn es in meiner Macht steht!"

Es steht in Ihrer Macht", versicherte Körber. Gestatten Sie mir eine Unterredung mit dem Förster."

Ter Richter richtete prüfend das Auge auf ihn.

Was wollen Sie bei ihm?"

Ich muß ihn sprechen allein."

Pintus lächelte.

Herr Commissär", sprach er.Haben Sie

immer den Gedanken noch nicht aufgegeben, daß der Förster unschuldig ist?"

Gestatten Sie mir eine Unterredung mit ihm", warf Körber ein.

Ich darf es nicht. Sie würden nur mir und sich selbst Unannehmlichkeiten bereiten."

Sie dürfen es!" erwiderte Körber.Nicht als Freund, Herr Criminalrichter, nicht weil ich seine Schwester liebe, wünsche ich mit ihm zu sprechen ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß ich nur als Polizei Commissär diese Bitte an Sie richte!"

Was wollen Sie bei ihm?" warf Pintus ein. Hoffen Sie noch immer, ihn retten zu können?"

Ich hoffe, Ihnen bald nähere Beweise gegen den Mörder Bergers an die Hand geben zu können", gab Körber zur Antwort.

Pintus schwankte, er verstand und begriff ihn nicht recht.

Herr Commissär", sprach er,Sie wissen, daß ich Ihnen wohl will; wenn Sie mich täuschen wenn Sie mich zwängen, gegen Sie aufzutreten bedenken Sie Ihre Stellung."

Noch Niemand hat mich als Lügner kennen ge­lernt", entgegnete er,ich handle nur, wie meine Pflicht als Polizei-Commissär mir vorschreibt!"

Und Sie wollen mir Ihre Absicht verschweigen, mir als Untersuchungsrichter?"

Dies ist das Einzige, weshalb ich Sir bitte, kein Mißtrauen gegen mich zu haben. Hier meine Hand Sie werden es mir einst danken!"

Pintus schüttelte zweifelnd mit dem Kopfe.

Ich verstehe Sie nicht", sprach er,ich begehe vielleicht eine Thorheit, allein, ich will doch sehen, ob ich mich auch in Ihnen geirrt habe gut ich gestatte Ihnen eine Unterredung mit Hellmann!"

Lus Körbers Auge blitzte ein Strahl der Freude.

Sie werden es nicht bereuen", entgegnete er. Kann ich den Förster noch heute Morgen sprechen? Sogleich?"

Pintus setzte sich schweigend an einen Schreibtisch und schrieb einige Worte auf ein Stück Papier.

Hier", sprach er, Körber das Papier über­reichend.Der Gefängnißwärter wirb Sie zu ihm führen."

Noch Eins, Herr Commissär!" rief Pintus ihm nach.Ich kenne kein Gefühl der Schonung mehr, wenn ich hintergangen werbe!"

Seien Sie ruhig", gab Körber zur Ant­wort.Ich bedarf keiner Schonung!"

Er verließ das Zimmer des Richters. Sein Herz schlug lauter, als er Über die Straße dem Ge- fängniß zueilte.

Brachte ihm die Unterredung mit dem Gefangenen Aufklärung? Gab sie ihm nur einige Punkte in die Hand, die er weiter benutzen konnte, um den Mörder Bergers zu entdecken?"

Diese Fragen beschäftigten ihn. Geduld! Wenige Minuten später öffnete ihm der Gefängniß­wärter die Thür, welche zu Hellmanns Zelle führte.

Zögernd blieb er einen Augenblick auf der