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den bewundernden Blicken zuschrieben, die ihr der Letztere spendete.
Blanche hatte niemals lieblicher ausgesehen, als an diesem Abende, mit ihren großen, glänzenden treuen Augen, in deren durchsichtigen Tiefen jedoch diese gedankenvolle Traurigkeit log, welche Sir Arthur bemerkt, aber nicht verstehen konnte.
Die Drei nahmen ihre Plätze bei Tische ein. — Purmton, der würdige, alte Haushofmeister, beaufsichtigte mit großer Umsicht bis beiden Diener und die Mahlzeit ging fast stillschweigend vorüber.
Erst als der Wein und das Dessert aufgetragen war und die Diener sammt Purmton sich zurückgezogen hatten, schien Sir Arthur'« Ernst etwas zu weichen. Er sagte gleichsam, als ob er die allge- meine trübe Stimmung aufheitern wollte, mit einem Lächeln:
„Du siehst verstimmt aus, Guy. Selbst Blanches Gegenwart ist nicht im Stande, die Wolke von Deiner Stirne zu vertreiben. Ich glaube, Du bist gar nicht derselbe, seit Du heute Nachmittag diesen Bettelbrief empfingst und die Zusammenkunft mit dem sonderbaren Fremdling hattest."
Lowder hatte sich eingebildet, daß er für jede Anspielung auf Palestro's Brief vorbereitet und die Aufregung, die er bei dessen Empfang gezeigt hatte, vorüber sei, aber jetzt erschrak er unwillkürlich. Sir Arthur bemerkte den Schatten, der über dar hübsche Gesicht des Eindringlings glitt und sah, daß Lowder mehr als erschrocken — daß er beunruhigt war.
„Du — Du hast diesen Menschen gesehen?" stammelte Lowder in heiserem, sonderbarem Tone.
„Ich sah ihn, als er aus einer Allee im Parke bervortrat, um Dich zu begrüßen", entgegnete Sir Arthur, jetzt vollends überzeugt, baß die Vergangenheit seines vermeintlichen Sohnes irgend ein Grheim- niß berge. „War er nicht ein ehemaliger Bekannter von Dir, Guy?"
Lowder erzwang ein unruhiges Lächeln.
„Welch sonderbare Idee?" rief er aus, ohne von dem rothbackigen Apfel, den er mit sichtlich zitternden Händen schälte, aufzuschauen. „Der Mensch war ein Landstreicher, ein gewöhnlicher Bettler, der sich ohne Zweifel nach den Namen der ersten Familien in d-r Grafschaft erkundigt hatte, um seine Börse zu füllen. Ich glaube, mein Name stand ziemlich obenan auf der Liste. Ich gab ihm eine halbe Krone und schickte ihn fort."
Sir Arthur schaute seinen Sohn mit verwirrtem Ausdruck an.
. "Atr Guy", sagte er ganz ruhig, „Du hast mit dem Menschen eine Stunde lang gesprochen. Poxter
aus dem Park schleichen, als Du ihn entließest. Es war beinahe zwei Uhr.
„Poxter, ah, der Verwalter", murmelte Lowder. „Der Bursche hat vielleicht noch in dem Parke her- umgelungert, nachdem ich ihm befohlen hatte zu gehen. Aber davon weiß ich natürlich nichts. Der Mensch ist mir, wie ich schon früher sagte, gänzlich fremd." '
Sir Arthur erwiderte nichts, aber der verwirrte
Ausdruck in seinem Gesichte machte der schsechrvei- borgenen Anast Platz. Er glaubte, daß Lowder ihn belüge und das unbestimmte Mißtrauen gegen ihn vertiefte sich sehr. u
Mit einem Seufzer ließ er den für ihn so unangenehmen Gegenstand falle« und sagte:
„Ich habe an ein Hochzeitsgeschenk für Dich gedacht, Guy. Ich hörte vergangene Woche, daß die Roy Farm, welche an Dein Gildethorpe stößt, zu verkaufen ist. Früher gehörte sie zu Gildethorpe und ich habe immer daran gedacht, daß sie wieder damit vereinigt werden sollte. Der jetzige Eigenthümer sieht sich gezwungen, sie zu verkaufen, weil er in Schulden gcrathen ist. Ich habe beschlossen, die Roy Farm für Dich zu kaufen und die kleine Besitzung, die Du von Deiner Mutter geerbt hast, zu vergrößern. Ich habe bereits alle einleitenden Verfügungen getroffen und werde morgen Vormittag, wo ich um 10 Uhr mit Herrn Roy eine Zusammenkunft bei dem Advokaten in Ardleigh habe, den Kauf abschließen."
„Das wird ein fürstliches Geschenk sein, mein Vater", sagte Lowder, den Kopf erhebend. Die Roy Farm ist eine der schönsten in der ganzen Grafschaft. Wie viel mußt Du dafür bezahlen?"
„Zweitausend Pfund!"
Lowder erschrak wieder und senkte seine Augen.
Zweitausend Pfund! Das war gerade die Summe, die er brauchte, um das ihm drohende Unheil von sich abzuwenden I
„Wie viel von dem Betrage wird als Schuld darauf bleiben?" fragte er, bemüht, sorglos zu sprechen.
Sir Arthur schaute ihn überrascht und verletzt a».
„Wenn ich Geschenke mache, Guy", sagte er etwas kalt, „so mache ich sie nicht halb, sondern ganz. Ich werde den Betrag baar auszahlen und mir dis Besitzurkunde ausfertigen lassen."
„Natürlich", beeilte sich Lowder lächelnd zu sagen. „Ich hätte das für selbstverständlich annehmen sollen; aber nur ist die Summe so groß und ich weiß, daß Du in Ardleigh Dein Geld richt anlegst; aber ohne Zweifel wirst Du einen Wechsel auf die Bark von Glocester aus stellen, um das Geld auszufolgen."
(Fortsetzung folgt.)
Episoden und Anekdoten ans dem Leöen Kaiser Ariedrichs.
HI.
Einen recht treffenden W e i h n a ch t s s ch e r z hatte vor Jahren Kronprinz Friedrich Wilhelm für einen Kadetten ersonnen, um ihn auf längere Dauer von der vorzeitigen und ihm verhängnißvoll gewordenen Verehrung des Tabakskrautes zu heilen. Jni Jahre 1863 besuchte „unser Fritz" das Lazarett) in der damaligen Berliner Kadetten-Anstalt und fand unter Anderen einen Zögling „fieberkrank in Folge von


