234

ihm seine Seele ist gestorben. Ich möchte Euch daher nur w ederholen, was ich Euch gestern Abend sagte. Es steht Such frei, ihn zu besuchen, so oft Ihr wollt, ihm Delikatesten zu bringen, Lieder vor- zusingen und für sein Behagen zu sorgen. Ich werde ihn nie wieder sehen; sein Anblick ist mir so, al« ob ich in ein offenes Grab schauen würde. Und ich wiederhole Euch auch meinen strengsten Befehl, in meiner Gegenwart nie wiedsr seinen Namen zu nennen, noch überhaupt seiner zu erwähnen oder zu gestatten, daß er in die Villa kommt. Für mich ist und bleibt er todt!"

Olla erklärte, sich seinen Wünschen zu fügen und Mr. Gower ging weiter: doch waren seine Schritte so wankend und unsicher, wie die eines von schwerer Krankheit kaum Genesenen.

Olla folgte ihm ernst und.'traurig, von banger Sorge erfüllt.

(Fortsetzung folgt.)

Iriedrich Mckert.

Eine Blüthenlese aus des Dichters Werken zur Erinnerung an Rückert's hundertjährigen Geburtstag am 16. Mai 1888.

Von Dr. Elima r Wolff.

(Nachdruck verboten.)

Wenn wir den heutigen Tag dazu benützen, um bas Gedächtniß an einen der besten deutschen Sänger wachzurufen, so geschieht es nicht in der Absicht, den Menschen, sondern den Dichter Rückert an unse­rem geistigen Auge vorüberziehen zu lasten. Indem wir das Letztere lhun, weil über das Andere ein jedes Converfations-Lexikon uns Aufschluß zu geben vermag, werden wir auch den Menschen kennen, lieben und verehren lernen, ohne daß wir gar viel uns darum zu kümmern brauchen, wo, wann und wie dieser Mensch gelebt hat. Er hat gelebt! Das ist genug und noch mehr ist es, daß er der Unf're war. Ja! Rückert war ein deutscher Dichter in dem besten und weitesten Sinne des Wortes. Sr war deutsch durch die Tiefe seines Gemüth«, durch die innige Zärtlichkeit und Zartheit, mit welcher er die schöpferische Natur feierte, er war ein deutscher Sänger durch seine Vaterlandsliebe und echt deutsch war jener unbegrenzte Kosmcpotttisrnu«, welcher die poetischen Schönheiten selbst aus dem Altindischen und Chinesischen aufsog, um sie seinen deutschen Brüdern und Schwestern zu verdolmetschen. Warum Rückert trotzdem so bald aus dem Grdächtniste entschwand? Diese Frage ist leicht zu beantworten. Der Dichter war keine Kampfesnatur. Er strebt überall nur nach Versöhnung, Zähmung der Affekte, Klärung de« Ge- müth«. Er selbst spricht das in den folgenden Versen au«:

Nur das ist Hirnmelskunst, die mich versöhnt, Die mir die Welt, mich vor mir selbst verschönt. Was trübt, verwirrt, erreißt, wie stark es tönt, Ist Lltzerrkunst, die bösem Zauber ftöhnt.

Der Dichter sei ein Bildner, kein Traumbilderer Kein Plundcrwirrer, Phantasieoerwilderer, Ein Zähmer des Affekts, Gefühles-Milderer, Selbst in sich klar und oller Klarheit Schilderer.

Aber dieses Streben nach Versöhnung konnte ihn nicht abhalten, unversöhnlich zu geißeln, wa« seinem Empfinden als ein Unrecht erschien. So ist ihm die höfische Gesinnung ein Greuel, und er wendet sich wider sie mit den Worten:

Geh' im Fürstenparke nicht spazieren, Wo sich Busch und Bäume höfisch zieren, Wo die Lüste gehn wie Leisetreter, Sonnenstrahlen lächeln als Verräther. Wo den Kopf zusammen stecken Nüstern, Um von Staatsgeheimnissen zu flüstern, Und Fontainen ohne Unterbrechen Von der ew'gen Langeweile sprechen. Nachtigall behagt sich nicht im Freien, Wo aus Fenstern schwätzen Papageien, Und die Turteltaube flieht den Plan, Wo buntscheckig prunkt der Goldfasan. Alle Blumen fühlen sich befangen, Kleinlaut find die Rosen aufgegangen Und zu präsentiren weiß sich da Nur mit Anstand die Hortensia.

Nicht weniger heftig wendet er sich gegen die literarische Maffenproduction:

Reisemoppen der Touristen, Trödelkram der Humoristen, Teufelsspuk der Pietisten Und der Stall der Journalisten Den Herakles mag ausmisten! Der Flugschriften lange Listen, Der Romane fchwere Kisten Poesie, wo magst Du nisten, In dem Plunder, den nun Christen Lesen müssen? Nur mit Listen Kannst Du zwischen durch Dich fristen.

Es find das nur ganz vereinzelte Kraftstellrn, denen wir begegnen. In dem Munde des Lyriker« Rückert nehmen sie sich doppelt fchroff aus. Denn weicher und süßer und dennoch niemals bezeichnender hat Jemand das Wesen der Liebe besungen als er, indem er sagt:

Die Lieb' ist sichrer als was Du liebst Und wie sie Dir irdisch erscheine.

Und wa« Du ihr da für Namen giebst, Sie selbst ist himmlisch nur Eine.

Wie wenn in wechselnder Maske versteckt Im Saal, wo die Kerzen brennen, Ein Liebchen in mancher Gestalt Dich neckt, Und endlich sich giebt zu erkennen.

So liebt' ich wohl die nun und jene jetzt, Sie wechselten mir und ich ihnen, Und alle waren nur Masken zuletzt, Worunter die Lieb' erschienen-

Vom

l

1 i ( j ! (

8

i c i

Und t

Nun tr Den D Den gr Der do Mit roel Der fre Nicht hi Tritt, r

Als b lyrischen 5 wirft die

O ernst Daß I Gott hi Blast d

Auf 1 wie folgen Gott zu d

Der ich Stürzt Meint! Die Bu

Den d

I t c l c s l a

s 6

II i