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waren, zu verbreiten, lieber die Verbreitung der Tuberkelbazillen, den gefährlichen Erregern der Lun­genschwindsucht, haben die medicininischen Forscher Spillmann und Haushalter der Pariser Akademie der Wissenschaften vor Kurzem auch einige sehr wich­tige Mittheilungen gemacht, die allgemeines Interesse verdienen. Die beiden genannten Forscher haben Fliegen, welche längere Zeit an tuberkulösem Aus­wurf gesogen hatten, eingefangen und nach dem Ab- sterben in ihren Darmausscheidungen und in ihrem Leibe massenhaft Tuberkelbazillen, gefunden. Selbe fanden sie in großer Zahl auch in den von den Wänden des Krankensaales abgeschabten Schmutzflecken von Fliegen. Es ist nun eine Verbreitung dieser Bazillen durch die Fliegen, welche entweder ihren Koth auf Speisen legen, oder nach sehr kurzer Lebens­dauer irgendwo eintrocknen, zu Staub zerfallen und so eingeathmrt werden, gar nicht ausgeschlossen, zu­mal die Lebensfähigkeit der Bazillen in den Fliegen­leichen feststeht. Aus diesem Grunds ist es rathsam, die Auswürfe Tuberkelkranker in den Gefäßen zuzu- deöen und sie entweder mit kochendem Wasser oder Sprocentiger Karbolsäure abzuködien.

(Verschiedene Erklärungen vonNatur- erscheinungen.) Die Völker, welche sich beson­dere Naturerscheinungen nicht zu erklären verwögen, suchen sich dieselben zu versinnbildlichen. Die alten Scythen meinten, daß die Schneeflocken Federn seien und die irischen Kinder erfahren von ihren Eltern, daß, wenn es schneie, die Schotten ihre Gänse rupfen. Die Eingeborenen in Peru haben von Blitz und Donner folgende Vorstellung: In den Wolken sei ein himmlisches Mägdlein ausgestellt, einen Wasser- krug in der Hand, um zur gehörigen Zeit der Erde Regen zu geben. Unterläßt dies das Mägdlein, so daß auf der Erde Dürre entsteht, so kommt der Bru­der des Mädchens und zerschlägt zornig dessen Krug und Blitz und Donner, mit Regen verbunden, ist die Folge dieses brüderlichen Zornes. Die alten Griechen brachten das Erdbeben in Zusammenhang mit ihrem Glauben an Titanen und Cyklopen. Diese waren es, welche in die Erde eingeschlossen durch ihr unge­duldiges Schütteln und Rütteln dieses Naturereigniß verursachten. Rach der nordischen Mythologie schüt­telt sich der gefesselte Loki, bekanntlich die Personi- ficirung des bösen Princips, wenn Gisttropsen auf sein Antlitz fallen und es entsteht eine Erschütterung des ganzen Weltalls. Die Indier meinen, daß das Erdbeben dadurch hervorgerufen werde, daß einer der acht Stephanien, welche nach dem Glauben der indi­schen Eingeborenen die Erde tragen, sein Haupt schüttele.

Literarisches.

Tausend und abertausend Stimmen verkündigen den Ruhm des dahingegangenen ersten Kaisers im neuen deutschen Reiche; wie alle Tageszeitungen wochenlang den

weitaus größten Theil ihrer Spalten seinem Gedächtniß widmeten, so wird er ohne Frage auch fernerhin durch zahlreiche Schriften und Bücher gefeiert werden. Welche Verdienste sie sich aber auch um seine Charakteristik und um die Geschichischreibung der großen Zeit, der er seinen unvergänglichen Stempel aufgedrückt, erwerben mögen, kein ihn und sein Leben und Wirken behandelndes Werk wird sich rühmen dürfen, in ähnlicher Weise seine eigensten Anschauungen zum Ausdruck zu bringen, in allem Wesent­lichen ein Ausfluß feiner innersten Gesinnungen und so­mit geradezu ein unmittelbares geistiges Vermachtniß des großen Kaisers an sein Volk und die ganze gebildete Welt zu sein, wie das soeben in neuer, bis zum Tage seiner Beisetzung fortgeführtrr Ausgabe erschienene Buch: »Ein« «ndneunzig Jahre in Glaube, Kampf und Tieg, ein Menschen- nnd Heldenbilb unseres unvergeß­lichen Kaiser Wilhelm ).*, von OskarMeding, als Erinnerungsgabe für das deutsche Volk herausgegeben von Carl Hallberger. Preis geheftet X 2.50; in feinstem Original-Einband X 3.50. (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt.) Als dieses Buch in Gestalt einer literarischen Festgabe für den fünfundachtzigsten Geburtstag des allge- liebten Kaisers zum ersten Mal erscheinen sollte, gestattete Kaiser Wilhelm für diesen Zweck nicht nur die Nachbildung der interessantesten Stücke jener Aquarellensammlung, die er zur Erinnerung an die denkwürdigsten Momente seines Lebens für sich selbst hatte anfertigen lassen und deren Hauptblätter nun zugleich den künstlerischen Schmuck dieses Buches bilden, sondern er übte auch auf die Gestaltung des Textes den unmittelbarsten Einfluß aus. Er sah das ihm abschnittweise vorgelegte Manuskript Zeile für Zeile durch, veränderte, schied aus, schaltete ein, führte durch Rand­bemerkungen bedeutsame Richtigstellungcu unb Neugestalt­ungen herbei und bildete so das ganze Werk in solch ein­greifender Weise durch, daß es schließlich ganz auf seine Angaben gestützt und in seiner endgiltigen Fassung von ihm bestätigt als sein eigenstes Getsteskrnd erschien. Mit dem strengen Sinn für lautere Wahrheit und er­schöpfende Gründlichkeit, der sein ganzes Leben auszeichnete und allen seinen Handlungen ein historisch denkwürdiges Gepräge gab, wollte er auch, daß dieses Buch, dem er seine unschätzbare Mitwirkung in hochsinniger Weise zu Th-rl werden ließ, in allen seinen Angaben durchaus korrekt und zuverlässig sei. So gelangt in dieser Darstellung nament­lich auch sein innerstes Denken und Fühlen bei den historisch bedeutsamen Wendungen seines Lebens, als seinen persön­lichen Mttlheilungen entflossen, zum unmittelbarsten authentischen Ausdruck. Durch all das gewinnt dieses einzig in seiner Art dastehende Buch den vollen Werth einer Selbstbtographie. Dabei treten auch hier überall wie in dem Leben des edle» Monarchen die seltene Demuth und Bescheidenheit hervor, die sein Charakterbild zu einem so überaus liebenswürdigen machen. Die treue Pflicht­erfüllung, an die er die ganze Kraft feines langen, thaten- reichen Lebens gesetzt, ist das einzige Verdienst, das er für sich in Anspruch nimmt, ein Verdienst, das auch der er­bittertste seiner Feinde ihm bestreiten zu wollen nie ver­suchen könnte, das vielmehr selbst von leinen grimmigsten Widersachern jeder Zeit mit nicht geringerer Bewunderung anerkannt worden ist als von seinen glühendsten Verehrern. In allem übrigen giebt er Gott allein die Ehre und stellt sich selbst nur als bescheidenes Werkzeug der Vorsehung dar. Von solchem Geiste erfüllt, gewinnt das schon vorher von Tausenden hochgeschätzte Buch jetzt nach dem Tode seines gekrönten Helden und Mitverfassers ein unendlich höheres Interesse, das sich in ungeschwächter Kraft be- haapten und erhalten wird bis in unabsehbare Zeit. Als weltgeschichtliches Quellenwerk wird es nach Jahrhunderten noch denselben hohen Rang einnehmen wie heute, in jeder Bedeutung des Wortes ein echtes Kaiserbuch, das in keiner deutschen Familie fehlen sollte.

A. Scheyda. 4»Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.

Nr.

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