183

thürmte bet Norbwrst die Wogen und Blitz auf Blitz zerriß bas Dunkel der Nacht. Mit lauter grollender Stimme, als wolle Lowder in Mitte der aufgeregten Natur auch seiner Aufregung Luft machen, fuhr er fort:

Meine Mutter und ich bewohnten viele Jahre hindurch eine dumpfe unansehnliche Wohnung, in der uns der stolze Herr von Zeit zu Zeit besuchte, wie ich mich wohl erinnere. Seine Besuche wurden in der Folge immer seltener und die Wangen meiner Mutter wurden welk und die Augen trübe. Ich glaube, daß er sich unser geschämt hat, daß er in einem seinen Hause Gesellschaften empfing, als Hage­stolz galt und im Ueberfluß lebte, während ich und dir arme Mutter in der Dunkelheit des Unbekannt- seins ihr Dasein verbrachten. Wie oft hat sie ihn gebeten, uns anzuerkennen, wie ost hat sie gefleht, die Schmach der Illegitimität von uns zu nehmen. Aber stets wußte der seine Herr Ausflüchte, immer betheuerte er, es sei noch u früh, er könne nicht handeln wie er wolle und Jahr und Jahr rollte dahin im Laufe der Zeit. Als ich das zehnte Lebens­jahr erreicht hatte, da stand ich am Sarge meiner Mutter sie war dahin gewelkt mit krankem Herzm und krankem Körper das Opfer eines Wüstlings, eines Ruchlosen!"

Ein Schauder schien die Gestalt des Erzählers zu erschüttern, als der junge Lord seine Hand ergriff und voll Mitgefühl drückte.

Einen Monat ungefähr blieb ich mit unserer ein igen alten Dienerin in der Wohnung", begann Lowder wieder,und mein Vater besuchte mich einige Male, wobei er seine Ratlosigkeit aussprach, was er mit mir thun solle. Eine Woche nach dem Tode meiner Mutter theilte er mir mit, daß sein Bruder todt sei, nach einem weiteren Monate stürzte sein Vater vom Pferde und mein Vater war nun unbe- strittener Erbe all' der Reichtbümer und Ehren der Dahingeschiedenen. Nun beschloß mein Vater sich meiner gänzlich zu entledigen und brachte mich zu meiner alten Großmütter nach Brighton. Die alte Frau stand jetzt, nachdem auch ihre Söhne aus dem Leben geschieden waren, einsam und verlaffen da und die Habgier dieser Frau wohl kennend, ver­sprach er ihr reichliche Belohnung, falls sie seine Vaterschaft geheim halten werde, bis es ihm möglich sei, mich als seinen Sohn und rechtmäßigen Erben öffentlich anzuerkennen. Die alte Frau willigte ein ich aber sah meinen Vater nie wieder. Ich ging in die Schule, wuchs heran und als ich 21 Jahre alt war, starb meins Großmutter und ich erbte ihrs Ersparnisse. Mein Vater hatte mich längst ver- laffcn auch wußte ich nicht, wo ich ihn suchen konnte, wenn ich gewollt hätte. Ich nahm mein Geld, ging auf Reisen und war noch nicht zwei Jahre auf dem Festlande, als mein kleines Vermögen aufgezehrt war und ich Dir begegnete. Das Uebrige weißt Du."

Finster brütend schaute Lowder in die tosenden Wogen.

Ich bedauere Dich", sagte Lord Trelsilian in theilnahmsvollem Tone.Aber was geschah weiter? Heirathete Dein Vater wieder?"

Lowder lachte bitter auf.

Wenigstens glaube ich mit Recht annehmen zu dürfen, daß er wieder geheirathet hat und ich Habs begründete Ursache dazu. Ich, der Sohn aus seiner ersten Ehe, bin heimathlos und arm, ein anderer Sohn von ihm, hervorgsgsngen aus seiner zweiten Ehe, wird sein anerkannter Erbs sein, aber ich will es ihm gedenken ich werde einer Tages mit ihm zusammsntreffsn, wenn er noch am Leben weilt, und will Vergeltung an ihm üben."

Darf ich mir die Frage erlauben, wie Dein Vater hieß?"

Ich kann hierüber nicht mit voller Gewißheit I antworten, denn ich kenne seinen wirklichen Namen nicht, aber sein Gesicht würde ich unter allen Um­ständen wieder erkennen, obwohl ich ihn 13 Jahre nicht mehr gesehen. Als meine Mutter starb, da * wiederholte sie im Todeskampfe mehrmals den Ra« mm Devererx und ich werde diesen Namen, den ich für den meines Erzeugers halte, niemals vergeffen. | Denn alle Beweise fehlen mir, und auch die Zeugen, welche bei der Trauung meiner Mutter zugegen l waren, sind längst todt."

Lord Tressilian wollte etwas Etwas entgegnen, i aber die Wuth des Sturmes, welche jetzt mit voll- i ster Heftigkeit hereinbrach, verhinderte jedes weiters * Sprechen.

(Fortsetzung folgt.)

Wermi sch Les.

(Schutzmittel gegen ansteckende Krank­heiten.) Gegen die Ansteckungsgefahr bei allen mit Husten und Auswurf verbundenen Krankheiten, also zumal bei Lungenschwindsucht und Diphtheritis, ist es von größter Wichtigkeit, daß die Auswürfe der Kranken sofort dircct in ein Thon« oder Por­zellangefäß gelangen, welches bis zu einem Drittel mit öprocentiger Karbolsäure gefüllt ist. Es be, festigt sich nämlich in ärztlichen Kreisen immer mehr die Ansicht, daß die Verbreitung des Ansteckungk- stoffss (Bazillen) bei Lungen-Tuberkulose und Diphthe­ritis doch sehr leicht durch die Auswürfe des Patienten möglich ist, zumal Eventualitäten in Bezug auf die Berührung und Vermischung des Ansteckungsstoffes mit gesunden Menschen und deren Speisen eintreten, an die man bisher kaum gedacht hat. Es ist dies die Verbreitung des Ansteckungsstoffes durch die Stubenfliege, welche sich ja auch in wenigen Exem­plaren im Winter in den Wohnzimmern aufhält, und die Gewohnheit hat, mit Vorliebe von allen Flüssigkeiten etwas auftusaugen und sich dann überall hin, auf Tische, Schüffeln, Teller, Speisen u. s. w. zu setzen und dadurch Ansteckungssioffe, wenn solche in den am Boden liegenden Flüssigkeiten vorhanden