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tigkeit unbemerkt von ihnen geblieben war.
Es war Alles bis hierher programmmäßig ver- laufen, beim hohen Thor, wo die prächtige Ehren- Pforte sich befand, das hohe Paar, welches in einem Wagen, von vier milchweißen Pferden gezogen, faß, von den Ehren-Jungfrauen der Stadt begrübt, und vom Magistrat der übliche feierliche Empfang in Scene gefetzt worden. Es war ein ebenso schöner als liebenswürdiges Fürsten-Paar, welches Freude und Glück empfand und beides dem jauchzenden Volke mitzutheilen auch offenbar von ganzem Herzen
die Namen hörten.
„Freifräulein v. Jmmendorf und Fräulein Mazda Rosen, Du hörest es, meine Liebe!" wandte sich der Fürst erfreut zu seiner Gemahlin, welche-, von einem raschen Impuls getrieben, den beiden holden Wesen
hatte. , ,
Der Zug nahte auch in der That schon, eine Zeit lang durch die gedämpfte Brandung der Menge mnft nur hnrrfi ^rmaotbS maßlose Äef«
bitter fort, „daß Ihr meinen Tod wünscht und her» beisehnt —
„Schwester I" unterbrach sie Ulrike fast heftig.
„O, verstelle Dich nicht, ich ahn-, ja weiß Alles, — Du hoffst alsdann noch auf Glück, und wirst Dich wenig um die Tobten bekümmern, wenig um des Hauses Ehre und Ansehen, um den unbefleckten Ahnenschild unsers glorreichen Geschlecht», wirst Deinen ruhmreichen Namen mit einem obscuren bürgerlichen vertauschen und vielleicht es zugeben, daß die letzten Sproffen dieses Hauses denselben verdamm« lichen Weg wandeln. AVer ehe ich solches zugebe, sollst Du mir schwören —"
„Schwester, um Gotteswillen, welche Scene!" rief Ulrike, leichenblaß vor Empörung und Aufregung, „Du vergiffest, daß wir nicht allein sind, daß ich Dir niemals Ursache zu solchen Beschuldigungen ge- geben habe, ja, daß ich um Deiner Ruhe willen —"
„Meine Gnädigsten, die hohen Herrschaften kam» men!" unterbrach der Baron, der mit steigender Angst dieser Scene gefolgt war, die letzten verhäng« nißvollen Worte der armen, so schwer verletzten ! Ulrike-
Er wunderte sich selber über seine maßlose Kühnheit, zu welcher ihn nur die Furcht, daß Ulrike sich durch einen Schwur um den letzten kümmerlichen Rest ihrer Hoffnungen betrügen werde, hingerissen
„Da unten aber ist'» fürchterlich', flüsterte Baron i Lerchenheim, welcher sich mit Ulrike' in ein Eckfenster zurückgezogen hatte. n,
„Ja, sie scheinen unser Hau» zur Zielscheibe ihrer ungeduldigen Laune gemacht zu haben", ernst, bette Ulrike mit besorgter, halblauter Stimme, „wenn sie nur unsere Kranke verschonen möchten. Ach , setzte sie seufzend hinzu, „hätte der Zug einen ande« rett Weg nur genommen, lieber Baron!"
„Freilich, freilich", seufzte dieser fast unhörbar, worauf er sich ganz leise zu Irmgard begab, um ihre Stimmung zu fondiren.
Diese deutete auf Sonnenschein, wie die goldenen Strahlen, welche ihre Reflexe über die zarte Gestalt warfen und auf ihr wachsbleiche» Antlitz den Schimmer der Gesundheit zauberten.
„Wie lieblich und wohl Sie aussehen. Gnädigste!" flüsterte der alte Herr, ganz beglückt, daß die boshafte Außenwelt ste unberührt gelaffen.
„Man bewundert dort unten unser Haus", lächelte ste zufrieden, „was ist das Volk doch eigentlich, lieber Baron? - Ich sehe da eine große, stch ungenirt drängende Maffe, die man im Grunde nicht für Menschen halten kann. Das Volk ist ein große», ungeschlachtes Thier, nicht wahr, Baron?"
Er hustete verlegen, weil dieser Ausdruck ihm
Menge.
„Sie schauen mich an, L donc!" sprach sie, da» Glas hinlegend und sich mit dem Ausdruck de» Grauens zu dem Baron wendend, „wie gräßlich dieser Lärm mich berührt, weshalb hat man keine Soldaten aufgestellt, um dieses große, rohe Kind in Ordnung zu halten?"
Ulrike gab ihr das Flacon mit Riechsalz und wagte die Bitte, sie in ein anderes Zimmer bringen zu dürfen.
„Nachdem ich so lange hier ausgeharrt?" sprach sie mit schwacher Stimme, „nein, Ulrike, und wenn es mein augenblicklicher Tod wäre, ich muß das erlauchte Paar sehen. — O", setzte sie hinzu, „der Anblick der Menge hat mich unterhalten, ich habe seit langen Jahren so viele Menschen nicht beisammen gesehen. Wäre Ulrich nur hier, es ist unver- zeihlich von ihm, so wenig Rücksicht auf mich zu nehmen, aber wann ist auch solche» in diesem Haufe geschehen?" — Wann hat man Rücksicht auf da» Glück und die Zufriedenheit einer von allen Freuden der großen Welt ausgeschloffenen Kranken genommen?"
Ulrike preßte die Lippen fest zusammen, um jeden Laut der Empörung zurückzudrängen, während der Baron verlegen vor sich hinblickte und diese Aeuße« rung seiner Angebeteten doch ein wenig zu hart finden mochte.
„O, ich weiß es sehr wohl", fuhr die Kranke
bestrebt war.
Al» Hedwiga vortrat, um mit Ueberretchung eines prächtigen Straußes den Glückwunsch der Stadt in kurzer, gebundener Rede darzubringen, als ihre klare melodische Stimme wie Musik erklang, da herrschte Todtenstille ringsum und mit sichtlichem Wohlgefallen ruhten die Blicke des Fürsten-Paare» auf dem I schönen Mädchen, das mit vornehmer Sicherheit und lächelnder Anmuth sich feiner Aufgabe entledigte.
Hewiga und Magda.Rof-n, welche von ersterer mit fester Hand in Reih' und Glied gezogen, wurden jetzt den hohen Herrschaften durch den Bürgermeister vorgestellt, welche mit sichtlicher Ueberraschung
sehr grausam erschien.
„Möchten wir nicht lieber sagen, es ist ein großes
unverständige» Kind, Gnädigste?" ,„..ö ...... ... T,
Irmgard wiegte überlegend den Kopf, und schaute | angekündigt, was nur durch Irmgards maßlose Hef. dann aufmerksam durch ihr Glas auf die lärmende
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