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„Die armen Thiere sind todtmüde. Dis S-rußen sind in einem schrecklichen Zustande und der Wind erstarrt siel"
„Aber was soll das heißen? ' schrie der Passagier zornig. „Ihr wißt doch, daß Ihr mich weiter fahren müßt! Ich kann ja nicht hier bleiben."
„Und ich kann Euch nicht helfen, Euer Gnaden. Es würde dis Thiere tübten, heute Nacht noch den Berg erklimmen zu müßen", erklärte der Kutscher hartnäckig. „Sie würden zusammrnbrechen, lange, ehe wir die Spitze erreicht hätten. Ich bin verant« wörtlich für die Pferde und ich weiß, was sie ertragen können. Zvei Meilen dieser Bergfahrt würden sie in ihrem jetzigen Zustande zu Grunde richten."
Der Passagier riß hastig dir Wagenrhüre auf und sprang heraus auf das Steinpflaster. Ein Blick auf seine große, stattliche Gestalt und in sein weißes Gestchr mit dem Ausdrucke kalter Verachtung und anmaßenden Hochmuths genügte, um ihn wieder zu erkennen, wenn man ihn auch erst nur einmal ge» sehen hatte.
Es war Olla's treuloser Vormund und unerbittlicher Feind — Herr Devereux Gower!
i Fortsetzung folgt.)
Eine Londoner Wokksöekustigung.
Von Adam Affler.
(Nachdruck verboten.)
Die Boxkunst, ausgeübt als Unterhaltung und zum Vergnügen, im ernsten Zweikampfe und als Rechtsmittel, als Kunstfertigkeit und zum Erwerbe, bildet eine der wichtigsten Lehrgegenstände der englischen Jugend. Der Unterricht muß früh beginnen, denn die Kunst wird früh ausgeübt. In der That übt sich das Kind oft schon in seinem sechsten Lebensjahre in seinem Faustkampfe und ist jeden Augenblick auf denselben vorbereitet. Fühlt sich z. B. ein Straßenjunge von seinem Spielkameraden beleidigt, so wirft er instinktmäßig die Jacke vom Leibe, streift die Hemdärmel, wenn er nämlich noch ein paar hat, bis über den Oberarm auf, ballt beide Fäuste und stellt sich, so ausgerüstet, seinen Gegner scharf und aufmerksam ins Auge fassend, diesem gegenüber.
Bei der ungeheueren hin- und herwogenden Menschenmasse in allen Straßen Londons versammelt sich natürlich ein Kreis von vielen Personen um diese zankschnaubenden Hähnchen, viele nur, um als Schiedsrichter acht zu geben, daß alle Regeln des Zweikampfes gewissenhaft befolgt werden. Statt den Zank zu schließen, werden diese beiden oft von den ältesten Leuten unter den Zuschauern auf das furchtbarste aneinander gehetzt, und der Kampf zweier folcher Kinder wird von beiden Seiten mit kaum glaublicher Wuth fortgesetzt und beendigt. Während dieser Zeit haben sich aus der gaffenden Menge unaufgefordert zwei Sekundanten eingefunden und sich, weiter in den Kreis tretend den Kämpfenden genähert.
Freilich geht es bei diesen kindlichen Boxereien
eben nicht „schulgerecht", aber um desto blutiger her, und wehe selbst der Mutter eines der boxenden Kinder, welche es wagte, ihren Sohn in diesem Kampfe zu stören, ihm denselben zu verbieten oder den Kleinen aus dem Kreise zu reißen, ohne Umstände würde sie einen scharfen Gegner haben.
Fällt nun nach einem oft mehrere Minuten lang anhaltenden Ringen einer der Kämpfenden zu Boden, so hört das Gebalge für einige Zeit auf. Beide, der Ueberwinder sowohl, wie der Ueberwundene, nehmen, um auszuruhen und sich zugleich zum neuen Angriff vorzubereiten, jeder auf dem ausgestreckten Knie seines Sekundanten Platz. Diese haben sich nämlich mit einem Knie auf die Erde niedergebeugt und halten dem Kämpfer das andere während der Erholungspausen zum Ruhen entgegen.
Oft habe ich sogar sechsjährige Kinder Gin trinken sehen, welcher ihnen von den Umstehenden gereicht wurde: dem Sieger wird übrigens ein wütbender Applaus zu Theil. Die Schlägerei geht fort', bis sich der eine von ihnen für überwunden erklärt oder vor Schmerzen nicht weiter fechten kann.
In diesem Kampfe geht manches Auge, die Form mancher schönen Gesichtsbildung verloren: die g e r i n g- st en Wahrzeichen müssen wenigstens durch ein zerkratztes, blutiges Gesicht; durch Verlust einiger Zähne oder eines Büschels Haare bekundet werden.
Daß der Ueberwundene, nachdem er gefallen, oder der zum Fortsetzen des Kampfes Unfähige, wenn er einmal auf der Erde liegt, von feinem Gegner nicht weiter berührt werden darf, ist ein Urgesetz, worauf streng gehalten und das selbst von den kleinsten Knaben, ja nicht einmal von den Fischweibern überschritten wird; auch verbietet das Gesetz, daß zwei gegen einen kämpfen.
Zur Erlangung und Vervollkommnung dieser so „edlen" und „nothweudigm" Kunst haben einige „Professoren" (Professors of Boxing) ihre „Vorsäle" in London geöffnet und genießen des ungeteilten Zuspruchs der jungen männlichen Gentilüy und No- bility; denn boxen muß jeder können. Wie sollte sich auch wohl diese Klasse vor den Beleidigungen eines starken, aber nicht geschickten Lastträgers oder jener anderen gemeinen Schlingels schützen, der nur Naturalist ist und daher nichts von den Feinheiten des schulgerechten Boxens versteht, welches oft den Sieg über die rohe Kraft davonträgt.
In der Mitte dieser „Vorsäle" ist eine Tribüne, 2—4 Meter hoch, mit einem Geländer umgeben, errichtet, auf welcher die Schüler ihre Hebungen paarweise anstellen. Hier werden die Hiebe aber nicht mit der bloßen Faust gegeben, sondern die Hände mit großen gepolsterten Fausthandschuhen, von weichem Leder gefertigt, bekleidet, welche über dem Handgelenke befestigt sind. Auch sind die Kämpfer bei diesen Hebungen nur selten bis auf die Hüfte entkleidet, was beim wirklichen Boxen der Fall ist, worauf ich jetzt komme.
(Schluß folgt.)
Rcdactiou: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'jchen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


