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Anns trat hinzu.

Sich' steh' hier!" fuhr er fort.Ein silber­ner Bügel! Ich täusche mich nicht, es ist des Er­mordeten Portemonnaie!"

Er öffnete es, es war leer.

Ich begreife nicht, wie es hierher gekommen ist", sprach Anna erschreckt und verwirrt.

(Fortsetzung folgt.)

Die Schlafröcke.

Eine Weihnachts-Historie. Von Dr. Land.

Der pensionirte Rechnungsrath Brummer und seine ehrsame Gattin Cordula stehen seit einigen Tagen auf gespanntem Fuße mit einander. Zwei Schlafröcke tragen die Schuld daran. Der Herr Rechnungsrath i. P. war von der Dringlichkeit eines neuen Schlaf­rockes für seine respektable Person gründlich überzeugt; die Frau Rechnungsräthin bezog diese Dringlichkeit auf ihre eigene werthe Persönlichkeit und da das Hausbudget den Ankauf zweier Schlafröcke nicht ge­stattete, wurde im Familienrathe beschlossen, daß so­wohl der Rath als die Räthin auch fürder sich mit den alten, allerdings schon stark abgetragenen Toilette­stücken behelfen sollen.

Der Familienrath bestand aus dem Ehepaare und einer die Wirthschaft führenden verwaisten Nichte des Rathes. Julie hieß sie. Der einzige Sohn des Rathes und der Räthin lebte zur Zeit in G . . . wo er der Steuerdirektion zugetheilt war.

Soeben hatte der Briefträger einen Frachtbrief aus G . . . gebracht, den Julie unterschrieben und dem Dienstmädchen übergeben hat, damit es das Packet von der Post hole. Der Herr Rath war nämlich. im Kaffeehause und die Frau Räthin bei einer verwittweten Landgerichtsräthin zur Visite.

Da klopfte es und herein trat Herr Theobald Nagerl, Beamter im Finanzministerium und zugleich Anbeter Juliens, deren Hand ihm vom Onkel zuge­sagt wurde, wenn er Herr Theobald nämlich es erleben sollte, einmal wirklicher Konzipient zu werden.

Julie!" rief Theobald und fiel dem Mädchen um den HalsJulie! Endlich! Ich bin's. Wirklicher Konzipient bin ich worden. Morgen steht's im Amts­blatt und wenn Dein Onkel Wort hält, bist Du noch heute meine liebe, liebe Braut!"

Dabei regnete es natürlich Küsse, die Julie aller­dings getreulich zurückgab, jedoch nicht ohne ihrem provisorischen Bräutigam zugleich die traurige Historie von den Schlafröcken mitzutheilen.

Ach, Theobald," rief sie.Der Onkel ist in so miserabler Laune, daß ich befürchte, er jagt Dich trotz Deines Avancements hinaus, wenn Du ihm heute mit Deinem Anträge kommst.

Da dachte Theobald eine Weile nach, und es fiel ihm auch Etwas ein. Warum denn nicht? Ein

Konzipient ist ja noch lange nicht Minister, und da kann ihm doch mitunter zur rechten Zeit auch etwas Rechtes einfallen.

Wie wär's," Hub er nach einer Weile an,wenn wir auf künstlichem Wege eine Versöhnung zwischen Beiden und mit derselben die frohe Laune wieder zu Stande brächten? Wir kaufen die Schlafröcke und Du redest sowohl dem Onkel als der Tante ein, daß die Brummerei nur Komödie war, und daß sie einander insgeheim mit dem so Ersehnten überrascht hätten.

Julie nagte an einem Finger ihrer Hand.

Die Idee wäre nicht schlecht, wenn wir nur die Mittel hätten, sie auszuführen. Meine Erspar­nisse sind in kleinen Weihnachtsgeschenken für Onkel und Tante aufgegangen," sagte sie und fügte hinzu: wie stehen denn Deine pekuniären Angelegenheiten?" Dabei sah sie Theobald einigermaßen mißtrauisch an, denn sie hatte ein geübtes Auge nicht nur für seine Vorzüge, sondern auch für seine Schwächen. Theo­bald machte mit der linken Hand eine verdächtige Bewegung, als ob er sich just da kratzen wollte, wo es ihn nicht juckte.

Plötzlich fiel ihm wieder etwas ein.

Vivat!" rief er aus.Versuchen auch wir es, die kleinen Defizite durch ein großes zu decken. Ar- rangire die Geschichte, ich gehe pumpen. Böse Bei­spiele verderben eben gute Sitten!"

Sprach's und eilte davon. Als RechnungSrath Brummer einige Minuten später brummig heimkehrte, theilte ihm Julie die hochherzige Idee seiner Gattin mit, ein Manöver, das sie zehn Minuten später bei der ebenfalls heimgekehrten Rechnungsräthin erfolgreich ausführte.

(Schluß folgt.)

Vermischtes.

Moppel hat sich verlausen.Lieber Mann, ich bin untröstlich über den Verlust meines Moppels. Laß doch, bitte, eine Anzeige in die Zeitung setzen!"Gern liebe Frau." Am andern Tage liest sie:Zehn Mark Belohnung. Verloren ein Schoßhund mit einem Auge, ohne Schwanz, auf den Namen Moppel hörend, zu fett, um laufen zu können. Wer ihn a u s g e st o p f t zurückbringt, erhält dreißig Mark.

Kleine Bosheiten. Eine Dame, welche mit ihren Verwandten nicht sehr harmonirte, wurde von einer Freundin gefragt:Wie stehst Du denn jetzt mit Deiner Tante?" Ich danke," war die Ant­wort,wie immer, auf dem Kratzfuß."Derselben Dame wurde eines Tages erzählt, daß einer ihrer Vettern, welcher etwas schmeichlerischer, liebedieneri­scher Natur war, Sanitälsrath geworden sei.Ah" rief sie aus,hat der Mann endlich Charakter bekommen? Er hat ihn wirklich nöthig gehabt!"

Skbartion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.