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ihr stehen. , ,, ...
„Anna", sprach er, und seine Stimme bebte leise, „Du weiht, wie ich selbst die Hoffnung in Dir an- gefc-cht habe, wie ich an Heinrichs Unschuld glaubte. Ich habe Dir gesagt, wie r» für mich nur ein Mittel giebt, ihn zu befreien, daß ich feine Unschuld beweisen, den wirklichen Mörder ausfinden muß. Ich habe Dir gelobt, dies zu erreichen und noch — noch ist es mir nicht gelungen. Nicht eins Stunde lang habe ich mein Versprechen vergeflen, Tag und Nacht bin ich thätig gewesen, die Spur des Mörders hi entdecken! O, ich habe meinen Kopf angestrengt, gemartert, mit Gewalt wollte ich ihm einen Weg abzwingen, auf dem ich mein Ziel erreichen konnte — es ist Alles vergebens gewesen! Du hast mich ost gefragt, ob ich krank fei, weil Dich meine bleichen Wangen besorgt machten - ich mochte Dir nicht gestehen, wie dies die Folgen meiner rastlosen Thä- tigkeit, die Folge meines Schmerzes, Heinrich nicht helfen zu können, war."
„Gieb mir ein Mittel an, wodurch ich Heinrichs Unschuld beweisen kann, nur eine leichte Spur, die den Mörder verräth, und Aller — Alles soll einen i guten Ausgang nehmen. Ich habe auf meine Erfahrung, mein scharfes Auge, meine Kraft, habe auf
öffnete er mit einem Schlüffel, den er aus der Tasche gezogen hatte — und vorsichtig, leise verschloß er die Thür wieder hinter sich. Er ging zu seiner Verlobten.
Das Haus, in welchem Annas Mutter wohnte, bildete die Ecke der Straße und dieser kleinen Gaffe. Ein Garten befand sich hinter demselben. Ihn um» schloß die Mauer, in deren Thür der Commifsär soeben eingelreten war. Er wählte stets diesen Weg, um unbemerkt durch den Garten in das Haus zu gelangen. Es sollte ja Niemand erfahren, in welchem Verhältnisse er mit Anna stand und seine häufigen Besuche würden Alles verrathrn haben, wenn sis bemerkt wären. Annas Mutter hatte ihm selbst den Schlüffel zu dieser Thür gegeben.
Er traf Anna in trauriger Stimmung. Schon vor Wochen hatte sie sich Mühe gegeben, die Er. laubniß zu erlangen, ihren Bruder besuchen zu dürfen. Körber selbst hatte sich beim Richter für sie verwandt, es war ihr die Bitte abgelehnt. Körber war erbrt« tert darüber gewesen.
„Bitte ihn nicht zum zweiten Male", hatte Körber zu seiner Verlobten gesagt. ,
Annas Trauer fiel ihm an diesem Abeno auf. Sie hatte geweint, denn noch waren ihre Augen ge« röthrt. Auch ihrer Mutter sah man an, daß sie geweint hatte.
„Weshalb hast Du geweint, Anna?" fragte Kör. bet sie, indem er nach dem Gruße vor ihr stehm blieb und ihr in's Auge blickte.
kein Wort. Er fchritt im Zimmer auf und ab. Da richtete stch Anna wieder empor.
„Hermann", rief ste, während ihr Auge angst* voll auf ihn gerichtet war, „und auch Du hast keine Hoffnung mehr — auch Du nicht?"
Diefe Frage fchnitt in sein Herz. Was sollte er ihr erwidern? Noch einige Male schritt er oulge- regt im Zimmer auf und ab, bann blieb er vor
Anna schwieg.
Noch einmal wiederholte er. die Frage. - , , .
„Verdiene ich Dein ganze».Vertrauen nicht mehr? und Zufall gebaut; es hat mich Alles im
fügte er hinzu. § Stich gelassen - ich weiß nicht mehr, was ich be-
„Doch — doch!" erwiderte Anna und kämpfte l ^nen soll!"
auf» Neue mit Thränsn. - Ich mache Dir keinen Vorwurf", erwiderte Anna,
„So sage es mir", bat Körber. | „ich weiß ja, daß Du Dein Wort gehalten haben
Anna zögerte. I würdest — und dennoch — Heinrich darf nicht ver-
Sis ist heute wieder bei dem Criminalrichter ge- urtheilt werden, er kann die Thal nicht begangen wrfen und hat ihn noch einmal um die Unterredung ' haßen!" ,
mit Heinrich gebeten", gab ihre Mutter zur Antwort, | „Sei ruhig, Anna", bat sie Körber. „Noch ist
,Mnna — welche Thorheit!" rief Körber. „Und ß der Urtheilsspruch über ihn nicht ausgesprochen, girb er hat eß Dir abgeschlagen?" | ‘
„Ja", erwiderte Anna. ,, ।
Ich hätte e» Dir Vorhersagen können, weshalb j hast Du es ohne mein Wissen gethan?" i
Ich wollte Dir keinen Verdruß bereiten — ich i hoffte, daß er meinen Bitten nachgeben würde", gab z Anna zur Antwort.
, Und sagte er Dir, weshalb er es nicht gestatten ■ könnte?" warf Körber fragend ein.
„Dis Untersuchung gegen Heinrich sei noch nicht beendet, - vorher dürfte Niemand mit ihm sprechen."
„Hat er weiter nichts gesagt?" fragte Körber weiter. „Hat er sich nicht ausgesprochen, wohin — wohin diese Untersuchungen führen würden?"
Sie bedeckte da» Gesicht mit beiden Händen.
Der Schmerz brach auf'» Neue in ihr los.
Und Körber besaß kein Mittel, ste zu trösten -
die Hoffnung nicht auf!"
Es gelang ihm wenig, Anna und ihre Mutter zu trösten. Langsam traurig schwand der Abend dahin und dennoch war es ziemlich spät geworden, al« Körber endlich fortging.
Wieder mahm er seinen Weg durch bte kleine Pforte der Gartenmauer. Er war eine dunkle Nacht, allein er kannte ja den Weg genau. Leise verschloß er die Thür wieder. Einen Augenblick blieb er neben ihr stehen. Er dachte noch an den Schmer, derer, die er soeben verlassen hatte. Da war es ihm, als ob von der Straße her Schritte in bte enge Gasse lenkten. Wer hatte zu blefer Zeit hier noch etwa» zu suchen? Er lehnte stch bicht an dir Thür unb blieb regungslos stehen. Sine in einen Mantel gehüllte dunkle Gestalt eilte an ihm vorüber — ein Mann. War da» nicht Prell? Seine


