Meßmer Aamitienbtäller.

Belletristrsches Beiblatt zum Gießener Anzeiger.

Nr. 148.

Samstag, den 15. Dezember.

1888.

Aunketk

Erzählung von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Und welche Ansicht könnte ihn geleitet haben?" ,-Jch weiß es nicht", gestand der Commiffär. Eine ganz ehrliche wird es nicht sein, fiit sie be- Durfte er eures solchen Deckmantels nicht. Wenn er chm nun aber daran gelegen wäre, das Urtheil des Publikums über fich irre zu letten, zu täulchm. wenn rr dadurch etwas verbergen, vielleicht eine Ver- muthung, einen Verdacht von fich ablsnken wollte? Sie wissen ja, das Volk hält di- Mitglieder dieses Vereine fromm und traut ihnen nichts Schlechtes zu Oder wenn er nun vielleicht gerade der Unterstützung' der Hülfe dieses Vereins bedürfte!"

Körber Sie haben immer Verdacht! An Alles knüpfen Sie Ihre Vsrmuthungen! Sir wittern schon Betrug und Verdacht, wo Unsereiner noch nicht den geringsten Verdacht hat. Ich halte den Doktor zwar für einen etgenthümlichen, verschlossenen Cha- ratter, absr doch für einen durchaus rechtschaffenen Mann. Er kann ihm Niemand etwas Schlimmes nachsagen."

Ich auch nicht", entgegnete Körber mit Achsel­zucken,ich theile indrß Ihre Ansicht über seinen Charakter nicht. Ich halte ihn zu Allem fähig. Er liegt in seinem dunkeln Auge eine unheimlich düstere Nacht."

Sie gchrn zu weit!" ries Jung.PcM Be­nehmen gegen Paula Braun wird ihm von Allen als ein sehe ehrenwerthe» angerechnet. Er ist gegen das Mädchen, als ob ee feine eigens Tochter wäre er kann nicht mehr an ihr thun."

Des Mädchens Vater der Struerrath, war fein innigster Freund", warf Körber leichthin ein. Ich kann es ihm al« kein großes Verdienst anrech< neu, weil ich überzeugt bin, Jeder von uns Beiden würde ebenso gehandelt haben!"

Sie brachen das Gespräch ab» weil noch mehrere Gäste in das Zimmer traten und sich in tbre Nähe setzten. Der Assessor ging bald fort.

Körber blieb allein in Nachdenken versunken sitzen. Er hatte den Kops in die Hand gestützt. Schwer war dieser Kops ihm jetzt ost. Seit Wochen und Monden saß Hellmann nun im Gffängniß, und immer näher rückte der Tag heran, an welchem endlich das Unheil über ihn gesprochen werden mußte. Mochte er auch noch so fest im Behaupten seiner Unschuld geblieben sein, zu gewichtig sprachen die

Beweise gegen ihn. Selbst die Dame, von der er die rothe Schleife empfangen haben wollte und deren Namen er genannt hatte, vermochte nicht mehr an­zugeben, ob sie ihm eine rothe Schleife diese Schaft geschenkt habe. Ein Jahr lag ja dazwischen.

Mehrfache Zeugen waren noch verhört, kein ein­ziger hatte zu de« Försters Gunsten gesprochen. Auch sein Knecht und seine Haushälterin waren verhört. Der erstere hatte nichts über seinen Herr« gewußt, was mit der gegen ihn vorliegenden Anschuldigung in irgend einem Zusammenhang stehen konnte, die Haushälterin hatte dagegen auigssagt, daß dec För­ster an dem Abend, an welchem Berger erschossen war, erst ziemlich spät heimgekehrt sei. Er habe verstört auegesehrn, habe von dem Abendessen nichts angerührt und sein Zimmer nicht wieder verlassen. Er sei allein darin gewesen.

Vergeben« hatte Hellmann eingeworfen, daß ee st4 an dem Abend sehr unwohl gefühlt habe. Un­ablässig hatte Körber geforscht, um die Spur des wirklichen Mörder« zu entdecken. Er wollte und durfte nicht an Hellmanns U schuld glauben, er durfte nicht alle Hoffaung aufgeben und doch wie mächtig war diese Hoffnung gesunken.

Von Tag zu Tag hatte er Anna und deren Mutter getröstet, daß ihm sein Streben gelinge« müsse, und nach Monaten hatte er noch ebenso wenig erreicht, al« am ersten Tage, wo er Anna die feste Versicherung gegeben hatte. Er lag nicht in seiner Macht, aber gerade diese Machtlosigkeit zehrte an ihm.

Anna fragte nicht mehr nach seinem Erfolge, aber wenn sie oft das Auge schmerzvoll auf ihn richtete, dann las er doch die Mahnung an das ihr gegebene Versprechen in ihrem Blicks. Ee befand sich oft in einem Zustande der Verzweiflung; all' fein Mühen war vergebens und dann tauchte wieder der Gedanke in ihm auf, daß Hellmann den­noch unschuldig sei. Konnte er nicht im Jähzorn die Thar vollbracht haben? Es sprach so Vieles gegen ihn. Sollte dies Alles nur ein zufälliges Zu- fammentreffm ftin?

Auch jetzt hatten sich seiner diese Gedanken wie­der bemächtigt. Er preßte die Hand fest auf die Stirn. Diese Gedanken durften ja keinen Boden in ihm gewinnen, denn sie lähmten alle seine Thatkraft, nahmen ihm den letzten Nesi Hoffnung.

Hastig stand er auf und verließ die Restau­ration. Mit schnellen Schritt?« ging er durch meh­rere Straßen und bog dann ungesehen in eine kleine Nebengasse ein, die zwischen Gärten htnltef. Eine kleine, in eine hohe Gartenmauer führende Thüz: