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danach noch mehr zu zerkleinern, was die Orientalen stets thun. Endlich darf nur siedendes Wasser mit der auszuziehenden Substanz in Berührung kommen und beim Filtriren und Ausziehen keine erhebliche Abkühlung stattfinden."
„Da Sie so genau über die Geschichte und Be- reitungsweise des „Tranks der Levante" unterrichtet sind, scheinen Sir in der That ein besonderer Verehrer desselben zu sein, Herr Doktor. Da werden Sie dann auch mit Entrüstung hören, was ich gestern in „einer unserer beliebtesten Zeitschriften" las, näm- lich: „Es giebt Manchen, dem „ein Täßchen Kaffee" über Alles geht, und zwar finden sich vornehmlich unter dem schöneren Geschlecht viel Verehrer des braunen Getränks. Manche arme Frau lebt hauptsächlich von dem Genuß des Kaffee: er bildet ihren Morgenimbiß, ihr Mittagsmahl und ihre Abendmahlzeit." Das läßt sich schon hören, aber nun heißt es weiter: „In anderen Kreisen ist der Kaffee der Vermittler der Geselligkeit. Wie herrlich find doch die Koffer-Gesellschaften, in welchen sich die Räthin B. und die Frau Doktor K. und die Frau Postmeister H., und was man sonst noch sür Honoratioren in der Stadt hat, bei der Frau Major A. versammeln; w'e klappern die Taffen, wie rasseln die Stricknadeln in den immer geschäftigen Händen ihrer Besitzerinnen, und welch' ein Geschwirr von Stimmen erfüllt das Kaffeezimmer! Da wird Alles, was sich in jüngster Zeit zugetragrn hat, besprochen, da wird debattirt und kritisirt, und wehe dem, der sich das Mißfallen und die Ungnade der kaffeetrin- kenden Damen zugetragen hat, denn selten wird dann ein gutes Haar an ihm gelassen. Darum halten sich die Männer für gewöhnlich auch gern fern von solchem — „Kaffee k.aisch" und gehen den Kuffeeschwestern wohlweislich aus dem Wege." Ist das nicht abscheulich?
„In der That, abscheulich! Aber ich, meine Damen, denke ganz anders darüber, und zum Beweise meiner guten Gesinnung will ich Ihnen eine gewichtige Waffe für den Fall in die Hand geben, daß es ihre respectiven Ehemänner, Väter, SB > über, Vettern oder Onkel etwa einmal wagen sollten, über das viele Kaffeetrinken von Seiten des „schwachen Geschlechts" zu spotten und zu schellen. Sie brauchen ihnen dann nur zu antworten, daß viele große Geister, wie Schiller, Voltaire, Friedrich der Große, Napoleon, Linr6 Büffon und manche Andere, leidenschaftlich gern Kaffee getrunken haben; von Jean Paul erzählt mon, er habe täglich seine acht bis zehn Tassen Kaffee getrunken und gesagt, daß er keine besseren Geist-Weüungsmtttel, als Schachspielen und Kaffretrinken kenne. Nach Talleyrand aber gehört zu einem guten Kaffee dreierlei: er muß schwarz wie der Teufel, hrch wie die Hölle und süß wie die Liebe fein. Ja, die erste Bedingung eines guten Kaffees ist die, daß er glühend heiß sei, denn wenn man auch sagt: „Kalter Kaffee macht schön!" so giebt es doch nichts Geschmackloseres,
nichts Empörendere» als — Sie werden mir beistimmen, meine Damen — kalten Kaffee und einen kalten . . . Kuß."
„Nein, länger ertrage ich es nicht! So erfahren Sie denn, meine Freunrinnen, daß jener Böse, wicht, der die soeben vorgelesenen Sätze über „Kaffeeklatsch" und „Kaffeeschwestern" geschrieben hat, derselbe Herr ist, der uns jetzt so schöne Worte sagt. Was, sie erröthen nicht einmal?! O, diese Männer!!"
„Adieu, meine Damen!"
Wermischtes.
Benares. Dian hat diese heilige Stadt der Inder in Hinsicht ihrer Lage mit Neapel verglichen. Nicht mit Unrecht. Der Gangesstrom bildet dort eine tiefe Bucht, und an derselben sieht man vom genannten Fluß aus die genannte Stadt malerisch emporsteigen. Großartige Paläste, phantastische Tempel, schlanke Minarets bieten immer neue Abwechselung, vor allen Dingen aber zieht ein Bauwerk die Blicke aus sich, welches Gäth di Manmenka heißt und von den Indern als das größte Heiligthum betrachtet wird. Hier brennen beständig die Scheiterhaufen für diejenigen, denen das Glück zu Theil wurde, in der heiligen Stadt Benares zu sterben. Wohl denen, deren sterbliche Hülle hier vom Feuer verzehrt wird, denn ihre Seele steigt von da direkt zum Paradiese empor. Ein reicher Indier pflegt, wenn ihn schwere Krankheit trifft, wo möglich stich nach der genannten heiligen Stadt bringen zu lassen, stirbt er aber außerhalb derselben, so schafft man in der Regel seinen Leichnam dorthin, um in dem heiligen Raume der Wanmenka verbrannt zu werden. Jeden Tag brennen dort beständig zahlreiche Scheiterhaufen, jeden Tag steigt dort dicker Qualm auf, jeden Tag verbreitet sich dort ein heilloser Geruch, und die vom Rauch geschwärzten Arbeiter erscheinen dem Fremdling wie Dämonen der Unterwelt. Ihre Arbeit ist schwer, denn sie haben das Feuer zu unterhalten und bedienen sich eiserner Hacken, auch pflegen sie die Scheiterhaufen mit Del zu begießen. Lärmvoll geht es in diesem schrecklichen Raume zu, die Flammen prasseln, die Holzhaufen knistern, die Funken sprühen, die Menschen schreien und betteln beim Besucher um Almosen. — Von jenem Raum führen breite Treppen zum Ganges, wo jeden Tag lange Pilgerschaaren sich zeigen, welche im heiligen Strome sich baden und dadurch von Sünden reinwaschen wollen. Diese Pilger werden von den am Stromufer postirten Brammen empfangen, denen sie eine Abgabe zahlen, wofür ihnen die Erlaubniß des Badens und der mit diesem verbundene Ablaß zu Theil wird. In der Nähe der Manmenka sieht man eine lange Reihe von Palästen, im Besitze der Rajahs, welche dort zeitweilig wohnen, um die großartigen religiösen Feste mitzufeiern. Der schönste dieser Paläste gehörte einst dem König von Nagapore.
Siebaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


