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Sir Arthur aus und schaute mit einem von tiefstem Kummer durchfurchten Gestchte umher.

Ich muß zu ihnen gehen", sagte er matt. Sie werden sich über meine Abwesenheit wundern. Wenn Blanche sich zurückzieht, will ich mit Guy sprechen."

Er hob den Brief vom Boden auf, schob ihn in das Couvert und steckte ihn in die Brusttaschs seines Rockes. Dann verließ er langsam die Bibliothek.

Er durchschritt die weite Halle und trat in den Salon ein, wo sich seinen Blicken ein so heiterzs und freundliches Bild darbot, daß Jemand, der seinen geheimen Kummer nicht kannte, sich gewundert hätte über die sonderbare Bläffe, welche sein Gesicht über­zog, als er das junge Paar betrachtete.

Der große Salon war hell erleuchtet von dem milden Lichte der Ampel und dem flackernden Kamin» feuer. Blanche faß in einer Ecke, ihr reizendes Ge- sichtchen leuchtete; und dennoch sah ihr scharfblicken­der, großherziger Vormund, was der falsche Guy nicht bemerkte eine unbestimmte, gedankenvolle Sehnsucht in ihren blauen Augen, eine gewisse Un­ruhe und Unzufriedenheit in dem bebenden Lächeln ihrer Lippen.

Der Betrüger saß auf einem niedrigen Schemel zu ihren Füßen. Eine seiner Hände lag auf ihrem Knie, ihre Hände fest umschlossen haltend. Er schaute mit unverkennbarer Verehrung zu ihr auf. Es war klar, daß er sie heiß und innig liebte.

Blanche schaute auf, als ihr Vormund eintrat, und warf ihm einen freundlichen, begrüßenden Blick zu. Es war für Sir Arthur deutlich erkennbar, daß sie über sein Kommen sehr erfreut war.

Lowder schaute auch auf, aber mit einem etwa« ärgerlichen Ausdrucke. In seinem Innern zürnte er Sir Arthur ob seines ungelegenen Kommens.

Wo bist Du den ganzen Abend gewesen, Onkel- chen?" fragte Blanche, ihm an ihrer Seite auf dem Sopha Platz machend und Lowder ihre Hand ent­ziehend.Wir haben Dich seit dem Speisen nicht mehr gesehen?"

Ihr habt mich also vermißt?" fragte der Baro­net, an ihrer Seite Platz nehmend.

Ob wir Dich vermißt haben? Gewiß. Nicht wahr, Guy?"

Ich kann das eben nicht behaupten", sagte Low­der.Wenn ich bei Dir bin, Blanche, denke ich an Niemanden mehr."

Blanche erröthete, trotzdem ihr diese Worte durch­aus nicht gefielen, doch so sehr, daß Sir Arthur'- Blässe noch mehr vertiefte, und ein scharfer Schmerz ihm durch's Herz zitterte. Er wandte sein Gesicht ab, während ein höhnisches Lächeln um die Lippen Guy's spielte.

Guy und ich haben alte Zeiten zurückgerufen", sagte Blanche.Das scheint für lange Winterabende eine possrnde Unterhaltung zu sein. Kannst Du'« glauben, Onkelchen, er kann sich der Zeit nicht erin­nern, wo das schwarze Füllen mit mir von Jrby s Hall davon rannt« und wo er mein Leben mit >

Gefahr seines eigenen rettete? Glaubst Du, daß er Bescheidenheit ist", fügte sie schelmisch hinzu,welche ihn eine solche That vergessen ließ?"

Ich glaube, daß er es vergessen konnte, da ihn die edle Handlung doch fast das Leben kostete", sagte der Baronet.

Und besonders, da er die Narbe davon mit in's Grab nehmen wird", sagte Blanche, deren Augen sich plötzlich mit Thränen füllten.Der Doktor sagte, daß er die Narbe an seinem Handgelenk, wo er verwundet wurde, als ihn das Füllen gegen einen Steinhaufen schleuderte, mit in's Grab nehmen werde. O Guy, wenn ich während all' dieser Jahre an jene Narbe dachte, die Du um meinetwillen hast da» unauslöschliche Zeichen, daß Du für mich Dein Leben in Gefahr brachtest bist Du mir größer erschienen als irgend ein Held aus den alten Zeiten. Du warst für mich das Ideal eines Manne» der cbcljic

Und jetzt, wie ist der Hohe so tief gefallen!" murmelte Lowder.

Blanche stieß ein halbes Schluchzen hervor. Im nächsten Augenblicke beugte sie sich über ihn in ihrer alten kindlichen, ungestümen, reizenden Art, und rief aus:

Guy, laß mich die Narbe ansehen. Der Doktor sagte, Du würdest sie nie verlieren; und mir ist gleichsam, al» ob sie ein Siegel wäre, das ich Dir aufgedrückt habe."

Sie brach plötzlich errölhend ab und hob seine rechte Hand in die Höhe; aber er entriß sie ihr mit zorniger Geberde.

Die dir Narbe ist mir zu heilig, al» daß ich sie zeigen sollte", stammelte er.

Aber mir, Guy!"

Niemandem. Ich liebe er nicht, solche Dinge zur Schau zu tragen. Ein anderes Mal will ich Dir sie zeigen, Blanche, aber jetzt nicht."

Sie existirt also noch?" fragte der Baronet, dessen scharfe Augen das verwirrte Gesicht des ver­meintlichen Sohne» genau und ängstlich prüften.

Gewiß. Wie kann eine solche Narbe verschwin­den ? Sie existirt noch und ist eine kostbare Erinne» rung für mich", sagte der Betrüger, seinen Gleichmuth wieder erlangend.

Ach, ich war ein tollkühner Bursche, Blanche, ich war öfter in Lebensgefahr, hatte mehr Abenteuer und Gefahren zu überstehen, als ein Dutzend anderer Jungen. Immer war ich in irgend eine Geschichte verwickelt; immer beim Kampf, um irgend einen klei­neren Jungen, einem armen Landstreicher oder sonst einer verfolgten Person beizustehen."

Das ist Alles wahr", sagte Sir Arthur.Mein Knabe war immer der Ritter und Retter der Schwa­chen und Unterdrückten; aber", fügte er hinzu,er pflegte sich dessen nicht zu rühmen. Doch da» ist nicht die einzige Beziehung, in der Du Dich geändert hast, Guy."

Der Betrüger erröthete abermals, stand von dem Schemel auf und setzte sich in eine Ecke.

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